News | Mitbestimmung
11.12.2015

US-Autoarbeitergewerkschaft bei VW erfolgreich

VW kommt in den USA nicht aus den Schlagzeilen. Jetzt machen die Wolfsburger Autobauer aus Arbeitnehmersicht positiv von sich reden. Die US-Autoarbeitergewerkschaft errang einen deutlichen Wahlerfolg am Produktionsstandard Chattanooga. VW will das Votum gerichtlich anfechten.

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UAW erringt Teilerfolg bei VW in USA

Mitbestimmung. Die Autoarbeitergewerkschaft United Auto Workers (UAW) kann sich bei den Facharbeitern der Instandhaltung im VW-Werk in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee auf eine breite Mehrheit stützen. 108 Arbeiter votierten für eine gewerkschaftliche Interessenvertretung, 44 Beschäftigte dagegen. Das ergab laut „Neues Deutschland“ eine zweitägige Abstimmung des „National Labor Relations Board“ (NLRB). Das ist die für Arbeitsbeziehungen zuständige US-Bundesbehörde.

Seit Jahre wieder Fuß in der Tür

Zum ersten Mal seit vielen Jahren ist es der Gewerkschaft gelungen, bei einem internationalen Autobauer den Fuß in die Tür zu bekommen. Der US-Bundesstaat Tennessee sei ein traditionell konservativer und gewerkschaftsfeindlicher Südstaat. Noch im Februar 2014 sei nach einer konzertierten Einschüchterungskampagne von Politik, Wirtschaft und antigewerkschaftlichen Lobbygruppen eine Gewerkschaftswahl bei VW mit 626 zu 712 Stimmen knapp verloren gegangen, heißt es in dem Bericht.

Erfolg mit „Local 42“

Die UAW habe im Juli 2014 mit der „Local 42“ eine Gewerkschaftsorganisation vor Ort geschaffen, um den Strukturaufbau weiter voranzutreiben. Bei der Belegschaft sei dies gut angekommen. Nur wenige Monate nach Gründung sei mehr als die Hälfte der rund 1.450 Produktionsarbeiter offiziell der UAW beigetreten.

Lehre aus Wahlniederlage

Allerdings sei die jetzt abgehaltene Gewerkschaftswahl nur für die etwas mehr als 160 Facharbeiter der Instandhaltung beantragt worden. Dies beruhe auf einer Lehre, die die UAW aus der Wahlniederlage gezogen habe. Angesichts der bitteren Erfahrung mit der massiven Einmischung von außen habe es strategisch günstiger geschienen, zunächst nur einen Teil der Belegschaft in die zu erwartende Wahlauseinandersetzung zu führen.

UAW will Gesamtvertretung bei VW

Gleichzeitig habe die UAW immer wieder darauf verwiesen, sie strebe weiterhin die gewerkschaftliche Vertretung der gesamten Arbeiterschaft an. Ein solches Vorgehen sei nach US-Arbeitsrecht möglich, sofern sich die betreffende Gruppe klar vom Rest der Belegschaft abgrenzen lässt, etwa durch betriebsinterne Strukturen, Tätigkeitsbereiche oder Qualifikation. Nach der von der NLRB bestätigten Rechtsauffassung der UAW handele es sich bei den Facharbeitern der Instandhaltung um eine solche Gruppe.

VW legt Einspruch ein

Volkswagen hatte Einspruch gegen die beantragte Wahl eingelegt. Dabei bediente sich das Unternehmen Anwälten der einschlägig bekannten Wirtschaftskanzlei „Littler Mendelson PC“. Als Hauptargument wurde angeführt, die gewerkschaftliche Vertretung einer Teileinheit der Beschäftigten entspräche nicht der bei VW gepflegten Team-Philosophie. Wenn schon, dann sollten alle Arbeiter zu den Urnen gerufen werden.

Zeitverzögerung durch Anfechtung

Noch am Wahlabend gab laut dem Bericht VW bekannt, es werde die Gewerkschaftswahl vor der nächsthöheren Instanz anfechten. Dies könne Monate dauern und dürfte die Aufnahme von Tarifverhandlungen erheblich verzögern. In der Geschichte von Volkswagen, das sich für sein ausgeprägtes Mitbestimmungsmodell und die guten Beziehungen zu Gewerkschaften gerne öffentlich selbst auf die Schultern klopft, dürfte dies ein Novum darstellen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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