06.04.2017

Unter Befristungen leiden vor allem Junge

Befristungen sind eine der größten Herausforderungen für Sie als Betriebsrat: Denn die Ungewissheit und die meist schlechte Bezahlung haben oft gravierenden Einfluss auf die Lebensplanung der Betroffenen.

Befristungen

Mitbestimmung. Fast jeder fünfte abhängig Beschäftigte unter 35 Jahren hat nur einen befristeten Arbeitsvertrag, mehr als 60 Prozent aller befristet Beschäftigten in Deutschland sind jünger als 35. Damit sind Arbeitnehmer in der Berufseinstiegs- und Familiengründungsphase besonders stark von den Nachteilen dieser atypischen Beschäftigungsform betroffen. Das zeigt eine neue Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.

Befristet Beschäftigte: Erhebliche Planungsunsicherheit

Befristet Beschäftigte haben deutlich niedrigere Nettoeinkommen als gleich alte Arbeitnehmer mit unbegrenztem Vertrag. Dementsprechend sind sie trotz Arbeit doppelt so häufig von Armut bedroht. Junge Beschäftigte in befristeten Arbeitsverhältnissen sind zudem seltener verheiratet und haben deutlich weniger Kinder als unbefristet Beschäftigte. Häufige Stellenwechsel, zum Teil verbunden mit Ortswechseln, erschweren die Bildung stabiler Partnerschaften. Und Kinder kosten Geld, daher verschieben viele Paare die Realisierung ihres Kinderwunsches aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheit.

Junge Arbeitnehmer sind doppelt so häufig befristet beschäftigt

Laut der Studie haben 19,3 Prozent aller Arbeitnehmer unter 35 Jahren nur einen befristeten Arbeitsvertrag. Dabei sind Auszubildende, Praktikanten oder Umschüler bereits herausgerechnet. Die Befristungsquote ist damit etwa doppelt so hoch wie im Durchschnitt aller Altersgruppen (9,3 Prozent).

Befristung bedeutet geringeres Gehalt

Mehr als ein Viertel (26,2 Prozent) der befristet Beschäftigten unter 35 verdient auch mit einer Vollzeitstelle weniger als 1.100 Euro netto im Monat. Ihr Brutto-Stundenverdienst liegt damit auf dem Niveau des gesetzlichen Mindestlohns. Unter den Jüngeren mit unbefristetem Vertrag müssen sich 9,3 Prozent mit so wenig Geld zufrieden geben. Der erhebliche Verdienstabstand zwischen befristet und dauerhaft Beschäftigten zeigt sich auch, wenn man Beschäftigte aller Altersgruppen vergleicht, allerdings sind dann die jeweiligen Anteile geringer: 22,8 Prozent der befristet und 6,8 Prozent der unbefristet Beschäftigten verdienen weniger als 1.100 Euro netto.

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Betriebsrat KOMPAKT

Autor: Silke Rohde (ist Rechtsanwältin & Journalistin sowie Chefredakteurin des Fachmagazins Betriebsrat KOMPAKT.)