12.07.2021

Überstunden durch dramatischen Mangel an Pflegefachkräften

Einem erhöhten Personalbedarf beispielsweise bei den Pflegekräften in der Altenpflege und in der Gesundheits- und Krankenpflege stehen Entwicklungen der geleisteten Überstunden gegenüber, die von Beschäftigten in Normalarbeitsverhältnissen oder in atypischen Arbeitsverhältnissen erbracht wurden. Die Bundesregierung erklärte sich vor Kurzem zu beiden Bereichen.

Pflegekräftemangel

Zu viele unbesetzte Stellen

Vor dem Hintergrund der Personallage im Pflegebereich, wonach die Nachfrage nach Pflegefachkräften weiter deutlich das verfügbare Angebot am Markt übersteigt, ist die Lage der in Deutschland geleisteten Überstunden weiter kritisch zu betrachten. Nach Angaben der Bundesregierung standen im vergangenen Jahr in der Altenpflege rund 3.400 Arbeitslosen mit entsprechender Qualifikation rund 13.200 gemeldete Stellen gegenüber. Ähnlich war das Bild in der Gesundheits- und Krankenpflege. In diesem Bereich wurden 2020 rund 5.600 Arbeitslose und rund 11.800 gemeldete Stellen registriert. Für 2019 dürfte eine ähnliche Situation bestanden haben.

Unbezahlte und bezahlte Überstunden

Solche Entwicklungen sind im Zusammenhang mit der Lage der geleisteten Überstunden beispielsweise im Jahr 2019 zu sehen. Von Beschäftigten in Normalarbeitsverhältnissen wurden in jenem Jahr nach Auswertung des Mikrozensus 46,8 Milliarden Arbeitsstunden geleistet, darunter wurden ein Prozent unbezahlt und 0,7 Prozent bezahlt als Überstunden geleistet. Das geht aus einer weiteren Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage einer Bundestagsfraktion hervor.

Wer ist von den Überstunden betroffen?

Die Gruppe der Personen im Normalarbeitsverhältnis umfasst Kernerwerbstätige, also Personen im Alter von 15 bis 64 Jahren, soweit sie nicht in Bildung, Ausbildung und Freiwilligendiensten sind, und die abhängig in Vollzeit oder Teilzeit ab 21 Stunden pro Woche unbefristet und außerhalb der Leiharbeit beschäftigt sind.

Atypisch Beschäftigte leisteten im Jahr 2019 rund 7,8 Milliarden Arbeitsstunden, darunter 0,9 Prozent unbezahlte und 0,9 Prozent bezahlte Überstunden. Die Gruppe der atypisch Beschäftigten umfasst Kernerwerbstätige, die abhängig entweder weniger als 21 Stunden pro Woche, befristet oder in der Leiharbeit beschäftigt sind oder mehrere dieser Kriterien erfüllen.

Aus der Antwort geht weiter hervor:

  • Leiharbeitnehmer leisteten 2019 rund 1,4 Milliarden Arbeitsstunden. Davon wurden 0,4 Prozent unbezahlt und 0,8 Prozent bezahlt als Überstunden geleistet.
  • Befristet Beschäftigte leisteten rund 3,6 Milliarden Arbeitsstunden, davon 1,1 Prozent unbezahlte und 0,6 Prozent bezahlte Überstunden.
Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)