News | Mitbestimmung 28.10.2016

U 25-Betriebsräte setzen sich beim Chef durch

Alle zwei Jahre wählen Berufsstarter im Alter bis zu 25 Jahre ihre Vertretung im Betrieb: die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV). Dann finden in Oktober und November die Wahlen dazu statt. Viele Jugendliche trauen sich nicht, mit dem Chef Tacheles zu reden. Da hilft die JAV, wie ein Beispiel zeigt.

JAV-Wahlen

JAV am Uniklinikum Essen

Mitbestimmung. Viele Azubis erhalten in Deutschland keine Vergütung. Nur ein Problem von vielen, bei denen die JAV helfen kann. Wie effektiv, zeigt das aktuelle Beispiel der JAV am Uniklinikum Essen.

300 Azubis

Konkret geht es um schulische Ausbildungen, bei denen die Schulzeiten die Praxisstunden im Betrieb überwiegen. Am Uniklinikum betrifft dies etwa Diätassistenten, Physiotherapeuten, Logopäden, Medizinisch-technische Laborassistenten und Radiologieassistenten – gut und gerne 300 Azubis von insgesamt derzeit etwa 700, schätzt die „WAZ“.

Entlohnung für Praxisstunden

Dagegen kämpft derzeit die JAV am Klinikum. „Wir sagen, dass jeder Azubi für die geleisteten Praxisstunden entlohnt werden muss“, argumentiert JAV-Sprecher Alexander Mrosek, „darum haben wir den Arbeitgeber, also das Uniklinikum, dazu aufgefordert die Azubis zu bezahlen.“

Geltendes Tarifrecht

Das Uniklinikum verweist auf geltendes Tarifrecht. Danach hätten diese Azubis kein Anrecht auf eine Vergütung. Auch lasse die Geschäftslage ein Eingehen auf die Azubi-Forderungen nicht zu. Argumente, die die JAV nicht teilt. Immerhin trügen die geleisteten Praxisstunden zu den 624 Millionen Euro Jahresumsatz des Klinikums bei und sollten entsprechend entlohnt werden, führt Mrosek an.

Beispiel Physiotherapeuten

Physiotherapeuten müssten für 1600 Pflicht-Praxisstunden ein monatliches Gehalt von 460 Euro bekommen, Logopäden mit 2100 Stunden etwa 600 Euro, fordert er. Er legt dabei einen Stundenlohn zugrunde, wie ihn andere Azubis erhalten, deren Ausbildung vom Berufsbildungsgesetz umfasst und damit Teil des Tariflohns ist.

Wahlen zur JAV

Seit 1. Oktober werden derzeit die Wahlen zur Jugend– und Auszubildendenvertretung (JAV). In dieser Zeit können Berufsstarter in den Betrieben über ihre JAV entscheiden.

Gehör beim Chef

„Mit ihrer Stimme verschaffen sich Berufsstarter das nötige Gehör beim Chef. Die JAV ist die Interessenvertretung der jungen Beschäftigten in den Unternehmen“, erklärt der Bezirkschef der IG BAU Oberpfalz, Stefan Königsberger, einem Bericht des „Wochenblatts“ für den Landkreis Regensburg zufolge.

Verbesserung der Ausbildungsqualität

„Die U 25-Vertreter legen nicht nur den Finger in die Wunde, wenn es hakt“, meint auch Ewald Thiel, Bezirkschef der IG BAU in Soest. Oft brächten sie auch eigene Vorschläge zur Verbesserung der Ausbildungsqualität ein. Oder sie sorgten für ein besseres Betriebsklima. Thiel: „Das ist eine Chance für jedes Unternehmen.“

Azubis trauen sich oft nicht

Gerade zu Beginn der Lehre trauen sich viele Azubis nicht, Probleme selbst anzusprechen. Die IG BAU Westfalen Mitte-Süd appelliert daher an die heimischen Firmen, die Wahlen zu unterstützen. Letztlich profitieren auch die Unternehmen davon. Eine engagierte Jugend könne schließlich ein großer Gewinn gerade auch für die Handwerksbetriebe sein.

Scherereien mit dem Ausbilder

Jede abgegebene Stimme sei wichtig, so Königsberger – gerade auch mit Blick auf die neuen Azubis: „Egal, ob Scherereien mit dem Ausbilder, häufige Überstunden, fehlende Schutzkleidung oder schlechte Ausbildungsqualität – es gibt viele azubitypische Probleme.“ Hier kämen die Jugendvertreter ins Spiel.

JAV in Betrieben mit mindestens fünf Jugendlichen

Die JAV-Wahl läuft alle zwei Jahre im Oktober und November. Gewählt wird in Betrieben, in denen es mindestens fünf Jugendliche oder Azubis und bereits einen Betriebsrat gibt. Stimmberechtigt sind alle Beschäftigten unter 18 Jahren und alle Mitarbeiter unter 25, die ihre Berufsausbildung absolvieren.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)