News | Personalrat 05.05.2015

Trotz Fachkräftemangel: Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt

Nur über die Hälfte der Schulabgänger beginnt eine Berufsausbildung, obwohl sie nach dem Willen der Bundesregierung die Chance bieten soll, bis zu fachlichen Führungspositionen zu kommen. Gleichwohl bleiben viele Ausbildungsstellen unbesetzt; 10 Prozent mehr als im Jahr davor. Wegen des dringenden Fachkräftebedarfs will die Wirtschaft dennoch ab diesem Jahr 20.000 zusätzliche Ausbildungsplätze bereitstellen.

Ausbildungsstellen

Bundesregierung legt Berufsbildungsbericht 2015 vor

Nach Angaben der Bundesregierung hat sich für Bewerber die Situation auf dem Ausbildungsmarkt im vergangenen Ausbildungsjahr leicht verbessert. Ihnen standen mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung. Rund 522.000 neue Ausbildungsverträge wurden bis Ende September 2014 geschlossen. Das sind etwas weniger (minus 1,4 Prozent) als im Jahr 2013.

Berufliche und akademische Bildung sind gleichwertig

Über die Hälfte der Schulabgänger beginnt eine Berufsausbildung. Ziel der Bundesregierung ist es, die Attraktivität der beruflichen Bildung zu steigern. Sie soll – wie ein Studium – die Chance bieten, bis zu fachlichen Führungspositionen zu kommen. Berufliche und akademische Bildungswege sollen zudem durchlässiger werden.

Viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt

Sehr viele Betriebe konnten ihre Ausbildungsstellen nicht besetzen. Rund 37.100 Stellen blieben unbesetzt. Das sind 10 Prozent mehr als im Jahr davor – ein neuer Höchststand. Besonders betroffen sind sowohl Industrie als auch Handel und Handwerk.

Vor allem Ausbildungsplätze für Restaurantfachleute, Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk und in der Systemgastronomie, Klempner, Fleischer, Bäcker, Drogisten, Tierwirte, Köche und Gebäudereiniger blieben unbesetzt.

Nicht nur in ausgewählten Berufen, auch in bestimmten Regionen wird es immer schwieriger, betriebliche Ausbildungsplätze und Jugendliche zusammenzubringen. Da mehr junge Menschen als in früheren Jahren studieren und gleichzeitig die Zahl der Schulabgänger sinkt, werden weniger Ausbildungsverträge geschlossen.

Viele müssen Schulabschlüsse nachholen

256.110 Jugendliche begannen eine Übergangsmaßnahme statt einer Ausbildung. Das sind 160.000 weniger als im Jahr 2005, aber noch immer zu viele. Fast die Hälfte von ihnen hat einen Hauptschulabschluss, rund 21 Prozent haben keinen Schulabschluss. Sie können in Lehrgängen ihren Haupt- oder Realschulabschluss nachholen, ein Berufsvorbereitungsjahr, eine Einstiegsqualifizierung oder Bildungsgänge an Berufsschulen absolvieren.

Nach Ende der Maßnahme begannen 42 Prozent der Teilnehmer innerhalb von sechs Monaten, über die Hälfte nach 14 Monaten und 70 Prozent nach 38 Monaten eine reguläre Ausbildung.

Auszubildende besser unterstützen

Die Wirtschaft will bereits ab diesem Jahr 20.000 zusätzliche Ausbildungsplätze, jährlich 500.000 Praktikumsplätze und 20.000 Plätze für Einstiegsqualifizierungen bereitstellen. Die Bundesagentur für Arbeit wird mit dem Ausbildungsjahr 2015/2016 zunächst bis zu 10.000 assistierte Ausbildungsplätze anbieten. Mehr Auszubildende als bisher sollen ausbildungsbegleitende Hilfen in Anspruch nehmen können. Die Bundesregierung hat dazu die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen.

Leistungsschwächere Jugendliche sollen so besser von der Schule in die Ausbildung kommen und diese erfolgreich abschließen.

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)