Interview | Geschäftsführung Betriebsrat
12.03.2015

Trigema: Konstantes Einvernehmen zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber

Seit 35 Jahren im Amt, arbeitet der Betriebsratsvorsitzende Karl-Josef Schoser bei Trikotwarenhersteller Trigema im schwäbischen Burladingen mit dem Arbeitgeber, Dipl. Kfm. Wolfgang Grupp (72), aufs Engste zusammen – „konstant einvernehmlich“, wie Schoser über Grupp im Interview ausrichten lässt, mit überraschenden Folgen für die Mitarbeiter.

Wolfgang Grupp, Trigema© Marina Oehlerking

Für Betriebsratsvorsitzenden Schoser nicht unmöglich

Geschäftsführung Betriebsrat. Sogar im Interview lässt sich Schoser von Grupp vertreten. Schoser selbst wird im Betrieb gebraucht. Er ist nicht freigestellt. Die Interessen der rund 1.200 Mitarbeiter werden wie vom Gesetz vorgeschrieben von Betriebsräten an den einzelnen Standorten des Unternehmens vertreten, wie im Interview mit dem Online-Dienst getfax.de Dipl. Kfm. Wolfgang Grupp (72), Alleiniger Geschäftsführer und Inhaber der Trigema Inh. W. Grupp e. K., Burladingen, beteuert.

Unaufschiebbare Aufgaben in der Produktion

Grupp: „Herr Schoser konnte wegen unaufschiebbarer Aufgaben in der Produktion nicht selbst an dem Gespräch teilnehmen. Er bittet um Verständnis. Aber die Freigabe dieses Interviews erfolgt mit seiner ausdrücklichen Zustimmung.“

Trigema: Betriebsrat nicht freigestellt

Schoser als Vorsitzender des Betriebsrates ist gleichwohl nicht freigestellt. „Genauso wenig wie seine anderen Betriebsratskollegen“, wie Grupp hinzufügt. Man habe noch nie einen freigestellten Betriebsrat gehabt. Der Betriebsrat müsse „vernünftig die Dinge einordnen können, rechtzeitig auf Probleme aufmerksam machen, wenn etwas schief läuft und wo etwas korrigiert werden muss“. Grupp: „Dazu muss er die Arbeitsabläufe aus der täglichen Praxis kennen.“

Mentalität im Schwabenland

Die bemerkenswerte Betriebsratsphilosophie sieht Grupp im Zusammenhang mit der Mentalität im Schwabenland. Hier habe es jemand bei seinen Mitarbeitern sehr schwer, der nicht durch seine tägliche Arbeit an ihrer Seite sein Geld verdient. Grupp: „Das würden die anderen Kolleginnen und Kollegen nicht akzeptieren.“ Sie erkennten einen der Ihren an als Vertreter ihrer Interessen, aber nicht jemanden, der womöglich von außen kommt oder durch eine Freistellung sich von der täglichen Arbeitspraxis entfernt und dann noch das Gleiche verdienen soll wie sie.

Freigestelllte Betriebsräte müssen irgendwann zurück ins Glied

Auch sieht Grupp das immer größer werdende Problem in anderen Unternehmen mit freigestellten Betriebsräten. Wenn ein solches freigestelltes Betriebsratsmitglied dann nach einigen Jahren nicht mehr in den Betriebsrat gewählt wird, müsse es, so Grupp, „zurück ins Glied treten“. Grupp: „Die Arbeitswelt bleibt ja nicht stehen. Ein solches bislang freigestelltes Betriebsratsmitglied weiß meistens gar nicht mehr, was in der täglichen Arbeit zu tun ist.“ Auch befürchtet Grupp für solche ehemaligen Betriebsratsmitglieder einen Prestigeverlust. Grupp: „Das ist ein großes Problem, das wir gar nicht erst haben, weil wir keine Freistellungen haben.“

Betriebsratsarbeit ohne Betriebsratszimmer oder Betriebsvereinbarungen

Betriebsratswahlen würden wie in anderen Unternehmen auch durchgeführt. Allerdings kann Grupp zufolge der Betriebsrat auf äußere Insignien der Betriebsratsarbeit, wie sie in anderen Unternehmen vorgehalten werden, zum Beispiel Betriebsratszimmer oder schriftlich fixierte Betriebsvereinbarungen, verzichten. Grupp: „Das gibt es bei uns alles nicht. Das brauchen wir auch nicht. Herr Schoser und seine anderen Betriebsratskollegen sind für jeden Mitarbeiter ansprechbar. Wenn jemand etwas auf dem Herzen hat, kann man ihnen das sagen. Ist es berechtigt, wird es sofort abgestellt.“

Von der Gewerkschaft akzeptiert

Die Betriebsratspraxis bei Trigema scheint Grupp zufolge von der Gewerkschaft akzeptiert zu sein. Das Unternehmen gehört in den Zuständigkeitsbereich der IG Metall, nachdem die früher hierfür kompetente Textilgewerkschaft aufgelöst und ihre Zuständigkeit auf die IG Metall übertragen wurde.

Lohn grundsätzlich über Tarif

Grupp: „Zu Betriebsversammlungen besucht uns ein Vertreter der IG Metall.  Die Betriebsratsvorsitzenden und der IG-Metaller halten eine kurze Ansprache, man bespricht sich mit einander, alles in großem Einvernehmen.“ Was wohl auch mit  daran liegt, dass Grupp grundsätzlich über Tarif entlohnt.

Den vollen Wortlaut des Interviews finden Sie auf www.getfax.de

 

Autor: Friedrich Oehlerking 

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