News | Geschäftsführung Betriebsrat
06.04.2016

Toys-R-Us-Betriebsräte fordern Flächentarifvertrag

Wir sind Spielzeug. Hört sich an wie eine Solidaritätsadresse an Kinder. Ginge es nach den Betriebsräten von „Toys R Us“, wäre eine andere Solidaritätsadresse angebracht: Wir sind Tarifvertrag, nach dem des Einzelhandels. Doch einen solchen verweigert der Spielwarenhändler.

Flächentarifvertrag© dasglasauge /​ fotolia.com

Arbeitgeberwillkür

Geschäftsführung Betriebsrat. Arbeitgeberwillkür und Anerkennung der regionalen Flächentarifverträge des Einzelhandels – Vorwürfe und Forderungen der Beschäftigten des Spielwarenhändlers „Toys R Us“ sind nicht von schlechten Eltern. Am Wochenende machten sie ihrem Unmut Luft. Sie legten am 1. und 2. April bundesweit in 15 Filialen die Arbeit nieder.

Spielwarenhändler verweigert Tarifvertrag

Vom Streik betroffen: die Filialen in Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen. Die Unternehmensleitung von Toys R Us verweigert laut Dienstleistungsgewerkschaft ver.di bisher die Tarifbindung. Stattdessen versuche man, Streiks mit der Zahlung von Prämien zu unterlaufen.

Soll der Gesamtbetriebsrat unter Druck gesetzt werden?

Überdies versuche das Unternehmen, den Gesamtbetriebsrat unter Druck zu setzen. Zu diesem Zweck habe man die Mitarbeitervertretung zu betrieblichen Entgeltverhandlungen aufgefordert, berichtet die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di in einer Mitteilung an die Presse vor dem Wochenende.

Täuschen und spalten

Jedoch wollen sich Beschäftigten und Betriebsräte nicht täuschen oder spalten lassen. „Sie verlangen bessere Arbeitsbedingungen und rechtssichere Tarifverträge und keine Betriebsvereinbarungen über Entgelte, die rechtsunwirksam und leicht zu kassieren sind“, sagte ver.di-Verhandlungsführerin Heike Lattekamp.

Toys R Us soll verstehen

Tarifverträge würden durch Gewerkschaften abgeschlossen. Das sollte das Unternehmen „endlich verstehen und an den Verhandlungstisch kommen“. Lattekamp: „Bei Toys R Us muss Schluss sein mit niedrigen Löhnen und willkürlichen Entscheidungen, wer was verdient.“

Unfreiwillige Teilzeit, hohe Befristungsquoten

Bei dem Spielwarenhandelsunternehmen sind ver.di zufolge unfreiwillige Teilzeit und hohe Befristungsquoten von mehr als 50 Prozent an der Tagesordnung. Für die rund 1.700 Beschäftigten gebe es zudem kein einheitliches Vergütungssystem. Ein Großteil der Belegschaft verdiene gerade mal 8,70 Euro.

Nach Tarifvertrag höhere Löhne

Laut Tarifvertrag etwa in Nordrhein-Westfalen stünden einer gelernten Verkäuferin je nach Berufsjahren ab Mai 2016, Zeitpunkt der nächsten Tariferhöhung, jedoch zwischen 10,37 und 15,15 Euro brutto in der Stunde zu. Die Auseinandersetzung bei „Toys R Us“ läuft seit dem Sommer 2015.

Lächeln auf Gesichter – von wem?

Das 1948 in USA von Charles Lazarus gegründete Unternehmen betreibt weltweit 1.472 Märkte, in Deutschland von der hiesigen Zentrale in Köln aus seit 1986 66 Filialen, in Österreich 15 und in der Schweiz zehn. Seine Vision: „Wir wollen Spaß in die Herzen der Kinder und ein Lächeln auf das Gesicht der Eltern zaubern“ – offenbar aber wohl nicht auch auf das seiner Mitarbeiter.

 

Autor: Friedrich Oehlerking 

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