News | Betriebsvereinbarung
01.06.2016

Top-3-Themen bei Betriebsvereinbarungen von Betriebsräten

Bei Wahlen gibt man seine Stimme ab. Betriebsräte erheben sie dann für einen vor allem in Betriebsvereinbarungen. Was dort verhandelt wird, ist also auch ein Spiegel der Sorgen, die die Arbeitnehmer umtreiben. Und da stehen Digitales, Arbeitszeit und psychische Belastungen ganz oben.

Betriebsvereinbarung© Maksym Yemelyanov /​ fotolia.com

Wandel der Arbeitswelt

Betriebsvereinbarung. Arbeit 4.0, digitale Wirtschaft, Sharing Economy – für den Wandel der Arbeitswelt gibt es viele Schlagworte. Doch nur die Wenigsten können sich darunter etwas vorstellen. Konkretes über die Zukunft der Arbeit offenbart erst ein Blick auf aktuelle Themen der Arbeit von Betriebsräten. Diese haben zuletzt vermehrt Vereinbarungen zu psychischen Belastungen am Arbeitsplatz, Datenschutz und flexible Arbeitszeitgestaltung ausgehandelt.

Betriebliche Vereinbarungen und Betriebsrätebefragung 2015

Das geht aus Daten des Archivs Betriebliche Vereinbarungen und der Betriebsrätebefragung 2015 hervor. Helge Baumann vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) und Manuela Maschke aus der Mitbestimmungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung haben sie ausgewertet. Ihre Analyse ist in der aktuellen Ausgabe der „WSI-Mitteilungen“ erschienen.

Je größer der Betrieb, desto mehr Regelungen

In fast jedem mitbestimmten Betrieb ab 20 Beschäftigten gibt es demnach mindestens eine Betriebsvereinbarung. Dabei gilt: Je größer der Betrieb, desto mehr Regelungen existieren. Kleinbetriebe mit bis zu 50 Beschäftigten haben im Schnitt zehn, große Betriebe mit mehr als 2.000 Beschäftigten rund 60 Vereinbarungen.

Topthema Datenschutz

Am meisten kümmern sich die Betriebsräte um den Datenschutz. Knapp zwei Drittel der Betriebe haben dazu ein gültiges Abkommen. Davon sind fast 30 Prozent erst seit 2014 abgeschlossen. Den Anlass für solche Regelungen sehen die Forscherinnen im verstärkten Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien. Mit ihnen verbunden sind Möglichkeiten der Überwachung durch den Arbeitgeber.

Arbeitnehmerfreundlicher Technikeinsatz

Die Betriebsräte sehen es als ihre Aufgabe, den Einsatz dieser Technik möglichst arbeitnehmerfreundlich zu gestalten. „Es geht vor allem darum, Leistungs- und Verhaltenskontrolle zu begrenzen, Datenschutz für Beschäftigte zu gewährleisten, Auswertung von Protokollen zu regulieren“, schreiben Baumann und Maschke.

Digitalisierung und Vernetzung

Neben Datenschutz wirken sich Digitalisierung und Vernetzung auch in Betriebsvereinbarungen zur Nutzung von Internet und E-Mail, Social Media oder mobilen Endgeräten aus. Betriebsräte seien dabei häufig in einer Zwickmühle zwischen dem Verlangen der Mitarbeiter nach ausreichendem Schutz vor Leistungsverdichtung oder überzogener Flexibilität einer- und dem Wunsch nach individuellen Arbeitszeiten und eigenständiger Arbeitsorganisation andererseits.

Regelung zu Arbeitszeitkonten

Hier gehören Arbeitszeitkonten, Arbeitszeitkorridore, Gleitzeit, Rufbereitschaften, Wochenendarbeit, Vertrauensarbeitszeit zu den Rennern in Betriebsvereinbarungen. Aktuell haben beispielsweise rund 63 Prozent der Betriebe eine Regelung zu Arbeitszeitkonten.

Urlaub und Mehrarbeit

In etwa der Hälfte der Betriebe sind Vereinbarungen zu Urlaub und Mehrarbeit vorhanden. Dahinter folgen Regelungen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz. Solche gibt es in etwa 42 Prozent der Betriebe. Tele- und Heimarbeit ist in rund zwölf Prozent der Betriebe durch eine Betriebsvereinbarung geregelt.

Gefährdung durch psychische Belastungen

Erst in jüngster Zeit werden Gefährdungsbeurteilungen zu psychischen Belastungen stärker beachtet. Dazu gibt es zwar nur in 11,5 Prozent der Betriebe eine Vereinbarung, mehr als 40 Prozent davon wurden aber erst seit 2014 getroffen – Ausweitung nicht ausgeschlossen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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