News | Mitbestimmung
04.04.2016

ThyssenKrupp-Betriebsrat pocht auf Mitbestimmung bei Tata-Plänen

Fusionen fordern immer Opfer. Zuerst und vor allem bei den Arbeitsplätzen. Das dürfte nicht anders sein, sollte der indische Stahlkonzern Tata tatsächlich bei ThyssenKrupp Steel einsteigen. Betriebsrat und Gewerkschaft wollen ein gewichtiges Wort mitreden, sollte es wirklich so weit kommen.

Mitbestimmung Übernahme bzw. Fusion© icarmen13 /​ fotolia.com

Spekulationen um Tata-Einstieg bei ThyssenKrupp

Mitbestimmung. Das indische Unternehmen Tata Steel könnte in das Stahlgeschäft von ThyssenKrupp einsteigen. Entsprechende Spekulationen machen derzeit in Duisburg die Runde. „RP online“ zufolge hat die IG Metall für den 11. April zu einem Aktionstag „Stahl ist Zukunft“ mit Kundgebung vor der Hauptverwaltung von ThyssenKrupp Steel aufgerufen.

Gespräche weit fortgeschritten

Die Gespräche seien weit fortgeschritten, berichtet das „Handelsblatt“. Es beruft sich auf einen Bericht der „Rheinischen Post“, der sich wiederum auf Berliner Regierungskreise stützt. Mehrere Varianten würden diskutiert. Dabei werde keine klassische Übernahme favorisiert, sondern ein Joint Venture mit der Option, zu einem späteren Zeitpunkt den Anteil auszubauen.

Segerath: Entscheidung ohne Arbeitnehmer schwer vorstellbar

Der Vorsitzende des Thyssenkrupp-Gesamtbetriebsrats, Willi Segerath, will sich zwar „nicht an Spekulationen beteiligen“. Er hält es aber für „schwer vorstellbar, dass das Management eine solche Entscheidung ohne die Arbeitnehmer“ treffe. „Man kann die Arbeitnehmervertretung und die IG Metall nicht außen vor lassen“, gibt sich Segerath siegessicher.

„Lassen uns nicht hinter die Fichte jagen“

Dem Management müsse klar sein, dass sich die Beschäftigten nicht hinter die Fichte jagen ließen, sagte Segerath. Mögliche Alternativen zu einem Einstieg geben ebenfalls nicht gerade Anlass für Begeisterungsstürme:

  • Fusion der Essener Stahlsparte mit der kleineren Salzgitter AG. Sie werde von der Belegschaft ebenso kritisch gesehen.
  • Konsolidierung der europäischen Branche um den Weltmarktführer Arcelor-Mittal und den deutschen Platzhirschen Thyssen-Krupp. Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger wäre aus einer Position der Stärke dazu bereit. Wann es dazu kommen könnte, lässt er aber offen.
  • Alles so lassen wie es ist. Dann bleibt immer noch das Problem des Billigstahls aus China. Dies könnte sich noch verschärfen, sollte die EU-Kommission wie geplant im Herbst dieses Jahres ihre Ankündigung umsetzen, China den Status einer freien Marktwirtschaft zuzuerkennen.

Tata bei Thyssen-Krupp-AR bislang kein Thema

Im Thyssen-Krupp-Aufsichtsrat waren solche Gespräche mit Tata bislang kein Thema, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters laut „Handelsblatt“ Insider. Das sei nicht besprochen worden. Es würden allerdings Fusionen in der gebeutelten Branche immer wieder sondiert und durchgespielt. Bislang seien konkrete Ergebnisse aber nicht in Sicht.

Gabriel spricht

Auf der Gewerkschaftskundgebung am 11. April soll unter anderem Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel in Duisburg vor den Toren von Thyssen-Krupp sprechen. Er hatte der Branche Unterstützung zugesagt. „Überkapazitäten im Stahlsektor Chinas dürfen nicht zulasten der EU-Hersteller gehen“, erklärte sein Ministerium. Weiter standen auf der Rednerliste: Jörg Hofmann (Erster Vorsitzender der IG Metall), Knut Giesler (Bezirksleiter der IG Metall-NRW), Hannelore Kraft (Ministerpräsidentin NRW), Hans-Jürgen Kerkhoff (Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl) sowie einzelne Betriebsräte.

Tata-Rückzug aus Großbritannien

Tata Steel hat gerade seinen Rückzug aus Großbritannien angekündigt. Dort beschäftigt er rund 15.000 Menschen. In den Niederlanden unterhält Tata dagegen ein profitables Stahlwerk – relativ nah an den Thyssen-Krupp-Produktionsstätten in Duisburg.

Lehren aus Tata Niederlande

„Ich habe das schon einmal in den Niederlanden mitbekommen. Dort habe ich als Schlosser für Corus gearbeitet, bevor das Werk von Tata übernommen worden ist. Damals haben sie viele Jobs gestrichen“, kommt auf „RP online“ ein ThyssenKrupp-Mitarbeiter zu Wort. Trübe Aussichten also für die Duisburger.

Autor: Friedrich Oehlerking 

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