News | Geschäftsführung Betriebsrat
16.08.2016

Thyssen-Krupp-Betriebsräte: Tacheles mit Management

Das Siechtum von Stahlkocher Thyssen-Krupp geht weiter. Das Management will eine Fusion mit einem Partner, und trotzdem Arbeitsplätze streichen. Die Notwendigkeit für beides bestreiten die Betriebsräte des Konzerns. Am Freitag redeten sie mit Konzernleitung und Management Tacheles.

gegen Fusionspläne© BillionPhotos.com /​ fotolia.com

Das Erbe des Berthold Beitz

Geschäftsführung Betriebsrat. Firmenpatriarch Berthold Beitz wird auch drei Jahre nach seinem Tod 2013 von den Beschäftigten bei Thyssen-Krupp Steel immer noch hochgehalten. Wie sein Bild jetzt auf einer Betriebsräte-Konferenz von Thyssen-Krupp Steel vor dem Wochenende. Neben Beitz‘ Konterfei die Frage: „Wie geht Ihr mit meinem Erbe um?“

Betriebsräte-Vollkonferenz in Rheinhausen

„Ich habe heute erstmals in einer Betriebsräte-Vollkonferenz Plakate von Herrn Beitz gesehen“, berichtet der Betriebsratsvorsitzende der Stahlsparte, Günter Back, nach dem Treffen von rund 250 Thyssen-Krupp-Arbeitnehmervertretern im Duisburger Stadtteil Rheinhausen der „WAZ“. Back sieht demzufolge ebenso wie mancher seiner Kollegen das unternehmerische Erbe der Industrielegende Beitz bedroht.

Mit Vorstandsriege hart ins Gericht

Mit der aktuellen Vorstandsriege von Thyssen-Krupp gehen Back und seine Betriebsratskollegen umso härter ins Gericht:

  • Konzernchef Heinrich Hiesinger. Er stelle den Stahlbereich „dauernd infrage“. Hiesinger war 2011 vom Technologiekonzern Siemens nach Essen gewechselt. Er habe doch gewusst, dass er zu einem Stahlunternehmen gehe. Nun wolle er den Stahl „aus dem Konzern rausreden“. Wenn das aber so sei, „dann kann das nicht mehr unser Mann sein“, urteilt Back.
  • Finanzvorstand Guido Kerkhoff. Ihm wirft Axel Ganseuer, Betriebsratsvorsitzender von Thyssen-Krupp Siegerland in Kreuztal, vor, Unsicherheit bei den Beschäftigten zu schüren. Kerkhoff habe den Mitarbeitern gesagt, „man muss eine Periode einer gewissen Unsicherheit aushalten können“. Aus seiner Sicht „unmenschlich“, schimpft Ganseuer. Die Beschäftigten fürchten um ihre Existenz.
  • Thyssen-Krupp-Stahlchef Andreas Goss. Goss soll Hiesinger bis Mai 2017 ein Konzept vorlegen, wie sich die Stahlsparte aufstellen soll. Von einer „Wertlücke“ von 800 Millionen bis 1,6 Milliarden Euro sei die Rede gewesen. Goss habe vor den Betriebsräten gesagt, allein die Personalkosten seien um 200 Millionen Euro zu hoch. Back nennt dies „eine Provokation“ angesichts der immensen bisher erbrachten finanziellen Opfer der Belegschaft.

Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen?

Zudem herrscht offenbar Unklarheit über den zugesagten Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis 2020. Goss habe sich dazu nicht klar geäußert, kritisieren die Betriebsräte. Die Konzernführung wolle einen Keil zwischen die Belegschaften an den Standorten treiben. Am starken Standort Duisburg könnte die Zahl der Beschäftigten sogar steigen – anders als in kleineren Werken. „Ich habe das als Frechheit empfunden“, so Back.

Fusion unnötig – mit oder ohne Tata

Laut „WAZ“ machen die Betriebsräte gegen die von der Unternehmensleitung geplante Fusion mit dem indischen Konkurrenten Tata mobil. Bei einem Treffen mit Hiesinger Anfang Juni sei klargeworden, dass der Konzernchef in jedem Fall Anlagen oder Standorte schließen wolle. Die Verunsicherung in der Belegschaft sei groß. Die Betriebsräte halten eine Fusion unisono für unnötig – egal ob mit Tata oder mit einem anderen Stahlpartner.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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