News | Mitbestimmung 10.01.2017

Theater-Betriebsrat ringt um mehr Geld für Mitarbeiter

Theater mit dem Theater-Betriebsrat. Damit sieht sich der Freistaat Sachsen bei dem Mittelsächsischen Theater in Freiberg (Sachsen) konfrontiert. Die Mitarbeitervertretung fordert für die Beschäftigten mehr Geld. Sie wird von der Theaterleitung unterstützt. Der Freistaat mauert – trotz vollen Kassen.

Masken und Musiknoten

Theater-Mitarbeiter brauchen mehr Geld

Mitbestimmung. Studiert, aber knapp über dem gesetzlichen Mindestlohn abgespeist: die 168 Mitarbeiter des Mittelsächsischen Theaters in Freiberg brauchen mehr Geld. Durchschnittlich 7,8 Prozent unter Tarif liegt Angaben des Betriebsrates zufolge ihr Gehalt. Dass das nicht genug ist, scheint auch der Leitung des Theaters bewusst zu sein. Die Mitarbeiter erhalten für den zu geringen Lohn zehn Tage Freizeitausgleich.

Verzicht auf Geld, und kein genügender Freizeitausgleich

Doch das ist der Arbeitnehmervertretung nicht genug. „Wir verzichten auf eine Menge Geld. Das wird aber nur teilweise durch mehr Freizeit ausgeglichen“, zitiert die „Freie Presse“ die Vorsitzende des Betriebsrates Christine Zülch. Ihrer Ansicht nach müssten es eigentlich fast 20 zusätzliche freie Tage sein. Daran ändere auch der Beschluss zum Kulturhaushalt 2017/18 des Freistaates nichts.

Sparhans trotz Steuerplus

Das Land erhöht dem Bericht zufolge die Gelder für alle sächsischen Kulturräume um jährlich nur drei Millionen Euro auf 94,7 Millionen Euro – trotz einem für nächstes Jahr erwarteten Steuerplus von 774 Millionen Euro. Kritik daran äußerten auch Wolfgang Kalus, Sekretär des Kulturraums Erzgebirge-Mittelsachsen, Theater-Geschäftsführer Hans Peter Ickrath und Intendant Ralf-Peter Schulze. Vor der Haushaltsdebatte im Landtag hatten sich Ickrath, Zülch sowie ihre Amtskollegen aus Annaberg-Buchholz, Görlitz-Zittau und Plauen-Zwickau mit einem Aufruf an die Landtagsabgeordneten gewandt. „Doch es hat leider nichts gebracht“, so Zülch.

Finanznot am Theater

Das Theater leide unter der Finanznot. Die „Freie Presse“ gibt ein weiteres Betriebsratsmitglied wieder mit den Worten, das Grundproblem sei die „chronische Unterfinanzierung des Theaters über Jahrzehnte hinweg“. Das wirke sich auch auf das Ensemble aus. Seit 1993 zähle das Orchester etwa zehn Musiker weniger.

Kultur jenseits der Großstädte

„Dauerhaft ist das nicht zu halten“, so Zülch. Durch die geringen Gelder für den ländlichen Raum werde die Kultur jenseits der Großstädte heruntergefahren. Zülch zufolge ist die Personaldecke sehr knapp. Man sei bis aufs letzte Glied ausgedünnt. Alle Abteilungen arbeiteten am Limit. Zülch: „Es wird auch mit dem letzten Stimmband gesungen, damit nichts ausfällt.“ Der Bassbariton in dem Stück „Romeo und Julia“ trete mit angeschlagener Stimme auf. Auswirkungen gebe es auch bei Stellen-Neubesetzungen. Für einen Job in der Herrenschneiderei habe sich kein einziger Bewerber gemeldet.

Kämpferischer Betriebsrat

„Wir geben nicht auf“, betont Zülch. Die Überarbeitung des sächsischen Kulturraumgesetzes, das auch die Finanzausstattung der Theater regelt, laufe noch. „Da bringen wir uns ein“, gibt sich Zülch kämpferisch.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)