Fachbeitrag | Mitbestimmung
09.06.2016

Teilzeit: So können Sie Einfluss nehmen

In erster Linie betrifft Teilzeit nur die Ebene zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Deshalb können Sie hier nur in einigen Punkten mitbestimmen. Das sollte Sie aber keinesfalls entmutigen: Schließlich können Sie trotz fehlender „handfester“ Rechte versuchen, die allgemeinen Grundsätze, wie Teilzeit bei Ihnen gelebt wird, mitzubestimmen.

Teilzeit© W. Heiber Fotostudio /​ fotolia.com

Mitbestimmung. Wer kennt das nicht? Nicht selten versucht die Geschäftsleitung oder Personalabteilung, bei der Ablehnung von Teilzeitanträgen betriebliche Gründe vorzuschieben. Das erlaubt der Gesetzgeber zwar nur im Ausnahmefall, aber versuchen kann man es ja mal. Viele Arbeitgeberkommen damit durch, weil sich die Beschäftigten nicht gegen – oft zu pauschale – Ablehnungen wehren. Das wird deutlich schwerer, wenn es eine Betriebsvereinbarung gibt, die alle wichtigen Details regelt. Es ist daher ratsam, diese Fragen klar und verbindlich zu regeln.

Hinweis

Betriebsvereinbarungen zur Teilzeit dürfen das Recht der Arbeitnehmer auf eine verringerte Arbeitszeit auf keinen Fall einschränken – sonst sind sie unwirksam. Unproblematisch ist es, wenn die interne Regelung einen größeren Spielraum für Teilzeit bietet und somit günstiger für die Belegschaft ist als das Gesetz selbst.

Sie sind auf Ihr Verhandlungsgeschick angewiesen

Erzwingen können Sie eine Vereinbarung über Teilzeit nicht. Es ist nur möglich, eine freiwillige Betriebsvereinbarung nach § 88 BetrVG abzuschließen. Was die genaue Gestaltung angeht, sind Sie dabei auf die Qualität Ihrer Argumente und Ihre Überzeugungskraft angewiesen. Arbeitgeber, die in dem Anspruch auf Teilzeit nicht nur ein Ärgernis sehen und etwas Weitblick haben, werden Ihnen dabei sicher aufmerksam zuhören. Denn jede Geschäftsleitung ist auf gut qualifiziertes und motiviertes Personal angewiesen. Dazu muss sich der Betrieb als attraktiver Arbeitgeber präsentieren– sonst bleiben die Beschäftigten in Zeiten des Fachkräftemangels nicht lange. Ein schlauer Weg, um engagierte Mitarbeiter auch längerfristig ans Unternehmen zu binden, sind moderne und flexible Angebote zur Arbeitszeit. Das zieht oft mehr als die reine Höhe des Gehalts. Eine gut gemachte Betriebsvereinbarung zur Teilzeit ist da nur von Vorteil – auch für den Arbeitgeber.

So kann der Arbeitgeber reagieren

Gibt der Arbeitnehmer in seinem Antrag auf Verringerung der Arbeitszeit einen bestimmten Verteilungswunsch der Arbeitszeit an (z. B. Mo – Fr, 8:00– 13:00 Uhr), kann der Arbeitgeber dem Teilzeitwunsch nur zustimmen, indem er diese gewünschte Verteilung genau so akzeptiert. Schweben dem Chef andere Arbeitszeiten vor, muss er den ursprünglichen Teilzeitantrag ablehnen und ihm ein eigenes Angebot unterbreiten. Dieses Änderungsangebot kann vom Arbeitnehmer wiederum nur im Ganzen angenommen oder abgelehnt werden.

Schließen Sie mit ihrer Geschäftsleitung auch eine Betriebsvereinbarung über Teilzeitarbeit ab. Muster-Betriebsvereinbarung als Download.

 

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Autor: Silke Rohde (Silke Rohde ist Rechtsanwältin & Journalistin sowie Chefredakteurin von "Betriebsrat kompakt".)

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