News | Geschäftsführung Betriebsrat 09.01.2017

Technoform einigt sich mit Betriebsrat auf Sozialplan

Der Kasseler Werkzeugbauer Technoform will flexibilisieren. Doch standen dem einige Betriebsvereinbarungen im Wege. Die Unternehmensleitung fusionierte deswegen zwei Tochterfirmen. Der Betriebsrat wurde aufgelöst. Er galt als kämpferisch. Jetzt einigte man sich auf einen Sozialplan.

Sozialplan Technoform

Kämpferischer TET-Betriebsrat

Geschäftsführung Betriebsrat. Im September fusionierten zwei bislang operativ eigenständige Firmen der Gruppe Technoform:  die Technoform Extrusion Tooling (TET) in Kassel wurde von der Fuldabrücker Technoform Bautec GmbH übernommen. Sie ist einem Bericht der in Kassel erscheinenden Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen (HNA) zufolge nach Mitarbeiterzahlen dreieinhalbmal so groß wie TET. Dabei galt der TET-Betriebsrat als besonders kämpferisch. Dessen Mandat erlosch mit der Übernahme.

Sozialplan und Interessenausgleich

In der Einigungsstelle gelangen vor Weihnachten nach zweitägigen Verhandlungen nun ein Sozialplan und ein Interessenausgleich. Sie sichern nach Angaben des Anwalts des TET-Betriebsrates, Dr. Rolf Geffken, für eine Übergangszeit diverse Rechte der Beschäftigten ebenso wie ein Restmandat des Betriebsrats.

Vorwürfe gegen TET- Geschäftsleitung

Allerdings erhebt Geffken schwere Vorwürfe gegen die Geschäftsleitung des Unternehmens. Sie habe die Sozialplan- und Interessenausgleichsverhandlungen „eher pro forma“ geführt. In Wirklichkeit sei es ihr darum gegangen, die notwendige Eintragung im Register zu erreichen. Zudem habe der von Geffken vertretene Betriebsrat bis zuletzt fehlende Informationen über die Auswirkungen der Maßnahme gerügt. Das sei „Krieg gegen einen Betriebsrat“, zitiert ihn die HNA.

Zu späte Forderung der IG BCE

Hart ins Gericht geht Geffken überdies mit der Gewerkschaft IG BCE. Sie habe zu spät die Forderung nach Abschluss eines Tarifvertrages aufgestellt. Dadurch hätte seiner Ansicht nach die Existenz des Betriebsrates gesichert werden können. Im Ergebnis werde dem Betriebsrat nun der Garaus gemacht. Er sei künftig bis auf ein Restmandat ausgeschaltet.

„Leise“ Ausschaltung von Betriebsräten

Geffken: „Die ‚leise‘ Ausschaltung von Betriebsräten muss künftig durch den Gesetzgeber ausgeschlossen werden.“ Gewerkschaften müssten sich auch durch Kampfmaßnahmen für den Bestand aktiver Betriebsräte einsetzen. Zudem verweist Geffken auf die schlechteren Arbeitsbedingungen bei Bautec. Der ungeliebte dortige Dreischichtbetrieb soll künftig auch für einen Teil des TET-Personals gelten.

Rückenstärkung für TET-Betriebsrat von Kasseler Linken

Rückenstärkung erhält der TET-Betriebsrat von den Kasseler Linken. In der HNA kommt deren Vorsitzende Violetta Bock mit dem Vorwurf an Technoform zu Wort, das Unternehmen wolle künftig stärker in die Arbeits- und Lebenszeit der Beschäftigten eingreifen und sich dabei eines Betriebsrats bedienen, der nicht von TET-Mitarbeitern gewählt wurde.

Unternehmensleitung weist Vorwürfe zurück

Laut dem Zeitungsbericht weisen Bautec- wie auch TET-Management die Vorwürfe zurück. Sie strebten keine Entmachtung eines kritischen Betriebsrats an. „Uns geht es nur um eine bessere Abstimmung zwischen der Produktion und dem Werkzeugbau“, sagt TET-Geschäftsführer Dr. Thorsten Siodla im Gespräch mit der HNA. Dadurch könnten kostspielige Schnittstellenfehler reduziert werden. Eine neue Produktionstechnologie zur Herstellung hochisolierter Kunststoffprofile für Fenster und Türen erfordere das.

Besitzstände und Anwartschaften

Einen Stellenabbau werde es nicht geben. Alle Besitzstände und Anwartschaften würden übernommen. TET baut mit 70 Beschäftigten komplexe Werkzeuge für die produzierende Schwester Bautec sowie andere Technoform-Betriebe. Bautec ist mit 240 Beschäftigten an seinen Standorten in Fuldabrück und Oberzwehren größter TET-Kunde.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)