News | Geschäftsführung Betriebsrat 11.01.2016

Tariflöhne stiegen 2015 real

Die Tariflöhne haben im vergangenen Jahr spürbar zugelegt. Mehr als die Verbraucherpreise. Die legten lediglich um 0,3 Prozent zu. Nach Abzug der ohnedies nur geringen Inflation stiegen die Tarifvergütungen um nominal 2,7 Prozent.

Wachstum der Tariflöhne und -gehälter

Geschäftsführung Betriebsrat. Daraus ergibt sich im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt ein reales Wachstum der Tariflöhne und -gehälter um 2,4 Prozent. Diese Bilanz der Tarifpolitik 2015 zieht vor dem Wochenende das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.

Jährliche Tarifsteigerungen seit 2012

„Damit ist es den Gewerkschaften bereits seit 2012 jedes Jahr gelungen, Tarifsteigerungen durchzusetzen, die oberhalb der laufenden Preissteigerungsrate lagen“, resümiert Dr. Reinhard Bispinck, Leiter des WSI-Tarifarchivs.

Spitzenbranchen und Mittelfeld

Spitzenbranchen bei Tarifsteigerungen sind:

  1. Mit nominal 3,5 Prozent das Investitionsgütergewerbe,
  2. private Dienstleistungen, Organisationen ohne Erwerbszweck mit 3,0 Prozent und
  3. Baugewerbe mit 2,8 Prozent.

Das Mittelfeld der Tarifbranchen wird gebildet von:

  1. Nahrungs- und Genussmittelgewerbe mit 2,7 Prozent,
  2. Verkehr und Nachrichtenübermittlung, Grundstoff- und Produktionsgütergewerbe sowie Kreditinstitute, Versicherungsgewerbe mit 2,6 Prozent.
  3. Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft sowie Energie- und Wasserversorgung, Bergbau und Gebietskörperschaften, Sozialversicherung mit 2,4 Prozent
  4. Verbrauchsgütergewerbe mit 2,3 Prozent.
  5. Handel mit 1,7 Prozent.

 

Effektive Bruttoeinkommen

Bei den effektiven Bruttoeinkommen fließen unter anderem auch die Einkommen von Beschäftigten ein, die nicht nach Tarif bezahlt werden. Hier fiel den Angaben zufolge der Zuwachs im vergangenen Jahr ähnlich aus. Bruttolöhne und -gehälter sind 2015 nominal je Arbeitnehmer um 2,8 Prozent gestiegen, preisbereinigt ein Anstieg um 2,5 Prozent.

Mindestlohn trägt zu Steigerungen bei

Nach Ansicht der Forscher dürfte der neu eingeführte gesetzliche Mindestlohn dazu beigetragen haben, dass die Bruttoeinkommen erstmals seit längerer Zeit wieder etwas stärker als die Tarifeinkommen angestiegen sind.

Erfolg der DGB-Gewerkschaften, keine Zahlen zu Nicht-DGB-Erfolgen

Insgesamt hätten die DGB-Gewerkschaften in Deutschland im vergangenen Jahr Lohn– und Gehaltstarifverträge für rund 12,5 Millionen Beschäftigte abgeschlossen, darunter etwa 10,8 Millionen in den alten und 1,7 Millionen in den neuen Bundesländern, so das Institut der DGB-nahen Stiftung. Angaben zu Tarifabschlüssen von Nicht-DGB-Gewerkschaften macht es nicht.

Laufzeit der Verträge

Die Laufzeit der Verträge wird mit durchschnittlich 21,1 Monate angegeben. Sie liege damit niedriger als im Vorjahr mit 22,4 Monaten. Für weitere 6,8 Millionen Beschäftigte traten 2015 Erhöhungen in Kraft, die bereits 2014 oder früher vereinbart worden waren.

Tarifrunde 2016

Unterdessen hat die Tarifrunde 2016 bereits begonnen. Verhandelt wird bereits in der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie. Ende Januar folgt die Deutsche Telekom AG, Ende Februar der öffentliche Dienst (Bund, Gemeinden), Ende März die Metall- und Elektroindustrie und im Sommer u. a. die chemische Industrie. Die wirtschaftliche Ausgangssituation für die Tarifrunde 2016 schätzen die WSI-Tarifexperten als günstig ein. Sie gehen von einer Verbesserung der Konjunkturentwicklung aus.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)