13.06.2016

Tarife sichern das Urlaubsgeld

Sommerzeit – Urlaubszeit. Mehr denn je bedrücken die Deutschen jedoch Sorgen um Freizügigkeit, Vorsorge, Zukunft des Arbeitsplatzes. Und die Frage: Können wir uns den Urlaub noch leisten oder fällt er dieses Jahr ins Wasser? Gut, wenn der Arbeitgeber dann tariflich eingebunden ist.

Über die Hälfte der Beschäftigten ohne Urlaubsgeld

Wirtschaftswissen. Um es vorwegzunehmen: Nicht einmal die Hälfte, nämlich nur 41 Prozent der Beschäftigten erhalten von ihrem Arbeitgeber überhaupt ein Urlaubsgeld. Der Rest muss sehen, nicht nur wo er bleibt, sondern was er sich dort dann noch leisten kann.

Online-Umfrage

Zu diesem Ergebnis jedenfalls kommt eine Online-Umfrage von lohnspiegel.de. Sie wird betreut vom Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung. Rund 6.400 Beschäftigte beteiligten sich daran.

Tarifbindung des Arbeitgebers

Im Vorteil sind demnach eindeutig Beschäftigte mit einem tarifgebundenen Arbeitgeber:

  • Beschäftigte mit Tarifbindung erhalten zu 61 Prozent ein Urlaubsgeld,
  • solche ohne Tarifbindung dagegen nur zu 32 Prozent.

 Verteilungsbild uneinheitlich

Dabei ist das Verteilungsbild durchaus nicht einheitlich. Unterscheidungslinien sind festzustellen nach

  • Geschlecht: Männer bekommen häufiger ein Urlaubsgeld (49 Prozent) als Frauen (35 Prozent).
  • Himmelsrichtung: Im Westen fällt der Anteil höher aus (47 Prozent) als im Osten (27 Prozent).
  • Betriebsgröße: In Kleinbetrieben unter 100 Beschäftigte gibt es seltener ein Urlaubsgeld (33 Prozent) als in größeren Betrieben über 500 Beschäftigte (57 Prozent).
  • Gehaltshöhe: nur 29 Prozent der Geringverdiener (1.000 – 2.000 € monatlich) erhalten ein Urlaubsgeld, dagegen gut die Hälfte (52 Prozent) mit hohem Gehalt (5.000 – 6.000 € monatlich).

 Branchenzugehörigkeit

Auch die Branchenzugehörigkeit offenbart noch teilweise erhebliche Unterschiede bei der Höhe des gewährten Urlaubsgeldes. Eine aktuelle Auswertung des WSI-Tarifarchivs für 22 Wirtschaftszweige vom April zeigt:

  • Zwischen 155 und 2.270 Euro bekommen Beschäftigte in der mittleren Vergütungsgruppe in diesem Jahr als tarifliches Urlaubsgeld (ohne Berücksichtigung von Zulagen/Zuschlägen, bezogen auf die Endstufe der Urlaubsdauer).
  • Am wenigsten Geld für die Urlaubskasse bekommen Beschäftigte in der Landwirtschaft und im Steinkohlenbergbau.
  • Die höchsten Zahlungen erhalten Arbeitnehmer unter anderem in der Holz- und Kunststoffverarbeitung, in der Druckindustrie sowie in der Metallindustrie.

Generelle Unterschiede

Generell treffen die Meinungsforscher auf teilweise überraschende Unterschiede und Sonderreglungen in einigen Bereichen und Unternehmen:

  • So ist im Westen das Urlaubsgeld vielfach höher als in Ostdeutschland.
  • Im öffentlichen Dienst und in der Stahlindustrie gibt es kein gesondertes tarifliches Urlaubsgeld. Es wird mit dem Weihnachtsgeld zu einer einheitlichen Jahressonderzahlung zusammengefasst.
  • Bei der Deutschen Bahn AG wird es in das Jahrestabellenentgelt eingerechnet.
  • Im Bankgewerbe und in der Energiewirtschaft gibt es kein tarifliches Urlaubsgeld.
  • Für Beamte existieren keine tariflichen Urlaubsgeldregelungen. Hier gelten die unterschiedlichen gesetzlichen Regelungen der Beamtenbesoldung für den Bund und für die einzelnen Länder einschließlich der Gemeinden.

Erhöhungen des Urlaubsgeldes

Gegenüber dem Vorjahr hat sich laut WSI das tarifliche Urlaubsgeld in acht der untersuchten Branchen erhöht:

  • Bekleidungsindustrie Bayern: 2,1 Prozent,
  • Versicherungsgewerbe: 2,4 Prozent,
  • Einzelhandel: 2,5 Prozent,
  • Papierverarbeitende Industrie, Gebäudereinigerhandwerk: 2,6 Prozent,
  • Kfz-Gewerbe Thüringen: 3,0 Prozent,
  • Eisen- und Stahlindustrie: 4,1 Prozent,
  • Textilindustrie Ost: 11,1 Prozent.

Im Bauhauptgewerbe fällt das Urlaubsgeld geringer aus als im Vorjahr. Zweck:  Finanzierung der weiter entwickelten Tarifrente Bau.

Branchen ohne Erhöhung des Urlaubsgeldes

In vielen Branchen wie z.B. Druck, Chemie, Großhandel, Süßwarenindustrie, Landwirtschaft, Hotel- und Gaststättengewerbe gebe es keine Erhöhung. Entweder weil keine Tarifverhandlungen stattfanden oder weil das Urlaubsgeld als Festbetrag vereinbart wurde.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)