News | Geschäftsführung Betriebsrat
01.08.2016

Tarifabschlüsse bringen leichte Einkommenszuwächse

Auch wenn sie unter denen des Vorjahres liegen – aufs Ganze gesehen können sich die Tarifabschlüsse des ersten Halbjahres 2016 sehen lassen. Zumal, wenn sie durch eine mäßige Preissteigerung flankiert werden. Dabei fällt der Unterschied zwischen Forderung und Ergebnis auf.

Halbjahrebilanz Tarifabschlüsse© Tobif82 /​ fotolia.com

Halbjahresbilanz des WSI

Geschäftsführung Betriebsrat. Die Tarifabschlüsse im 1. Halbjahr 2016 liegen erneut etwas unter denen des Vorjahres. Dies ergibt sich aus der aktuellen Halbjahresbilanz des Tarifarchives des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.

Preissteigerung von 0,5 Prozent

Die Abschlüsse bringen den nach Tarif bezahlten Beschäftigten gleichwohl merkliche Einkommenszuwächse, teilt das Archiv vor dem Wochenende bei Vorlage der Zahlen mit. Die Tariflöhne und -gehälter werden nach Einschätzung von Dr. Reinhard Bispinck, Leiter des WSI-Tarifarchivs, real um rund 2 Prozent steigen. Er macht dafür eine voraussichtliche Preissteigerung von 0,5 Prozent in diesem Jahr im Durchschnitt mit verantwortlich.

Längere Gesamtlaufzeiten

Im Durchschnitt fiel die Gesamtlaufzeit der Abschlüsse mit rund 22,4 Monaten gut einen Monat länger aus als im Vorjahr mit rund 21,1 Monaten. In den meisten Branchen wurden für dieses Jahr Tarifsteigerungen zwischen zwei und drei Prozent vereinbart:

  • Im öffentlichen Dienst (Bund und Gemeinden) vereinbarte die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di eine Tarifsteigerung um 2,4 Prozent in diesem Jahr und weitere 2,35 Prozent im kommenden Jahr.
  • In der Metallindustrie erreichte die IG Metall eine Tariferhöhung von 2,8 Prozent in diesem Jahr und eine weitere Anhebung um 2,0 Prozent in 2017.
  • In der chemischen Industrie setzte die IG BCE für dieses Jahr eine Tarifanhebung von 3,0 Prozent und für 2017 weitere 2,3 Prozent durch.

Abschlüsse aus dem Vorjahr

Bei Berücksichtigung länger laufender Abschlüsse aus dem Vorjahr mit Tarifanhebungen für dieses Jahr errechnet sich für das laufende Jahr für 17,7 Millionen Beschäftigte eine durchschnittliche nominale Steigerung der tariflichen Grundvergütungen von 2,5 Prozent.

Beitrag zur Binnennachfrage

„Diese vorläufige Tarifbilanz zeigt: Die Einkommensentwicklung der tariflich Beschäftigten verläuft weiterhin positiv“, so Bispinck. Damit leiste die tarifliche Lohnentwicklung erneut einen wichtigen Beitrag zur Binnennachfrage. „Sie trägt das Wirtschaftswachstum in Deutschland auch in diesem Jahr wesentlich“, so der Wissenschaftler.

Diskrepanz zwischen Forderung und Ergebnis

Allerdings fällt die Diskrepanz zwischen Forderung und erreichtem Ergebnis bei vielen Abschlüssen auf. So wurden beispielsweise bei einer Forderung von 6 Prozent im Ergebnis erreicht:

  • in der Süßwarenindustrie: Ergebnis 2,7 Prozent 2016, 2,4 Prozent 2017/2018,
  • im Öffentlichen Dienst: Ergebnis 2,4 bzw. 2,35,
  • im Bauhauptgewerbe ohne Bayern: Forderung 5,9 Prozent, Ergebnis 2,4/2,9 Ost/West bzw. 2,2/2,4 Prozent.

Wer in die Wolken will …

Bei einer Forderung von immer noch 5 Prozent in der Holz- und Kunststoffverarbeitung Baden-Württemberg, bei Telekom, in der Metall- und Elektroindustrie Nordrhein-Westfalen, bei Volkswagen, Kautschuk, Druck und Chemie sah das Ergebnis im Schnitt ähnlich wie bei den Sechs-Prozent-Abschlüssen aus.

Wie heißt es doch: Wer in die Wolken will, muss nach den Sternen greifen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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