Fachbeitrag | Geschäftsführung Betriebsrat
17.03.2016

Sucht am Arbeitsplatz: So können Sie helfen

Das Thema Sucht ist allgegenwärtig – gerade auch am Arbeitsplatz. Dabei nehmen die psychischen Belastungen stetig zu, und so steigt das Risiko, dass sich noch mehr Arbeitnehmer in Alkohol und Drogen flüchten. Ein besonderes Augenmerk liegt deshalb auf der Frage, wie Betriebsrat und Arbeitgeber Suchterkrankungen vorbeugen können.

Suchtkranke Mitarbeiter© snyggg /​ fotolia.com

Geschäftsführung Betriebsrat. Im Rahmen seiner Fürsorgepflicht muss sich der Arbeitgeber in der Suchtprävention engagieren:

– Er muss die Problematik verdeutlichen, indem er die Kollegen aufklärt (Aktionstage, Vorträge von externen Fachleuten etc.).

– Er muss Regeln aufstellen, wie in Ihrem Betrieb mit Alkohol und anderen Drogen umgegangen werden soll (z. B. Betriebsvereinbarung mit Alkoholverbot am Arbeitsplatz) und Sanktionen für den Fall von Verstößen festlegen.

– Er muss Führungskräfte schulen (z. B. Umgang mit Suchtgefährdeten und Suchtkranken, Gesprächsführung etc.).

 

Wie Sie richtig mit suchtkranken Mitarbeitern umgehen

Wenn es um den Umgang mit suchtkranken bzw. suchtgefährdeten Kollegen geht, sollten keine Fehler passieren. Hier tragen alle – Arbeitgeber, Vorgesetzte, Kollegen und auch Sie als Betriebsrat – ein hohes Maß an Verantwortung. Dabei ist eines gerade für die Arbeitnehmervertretung zentral: Gegenüber abhängigen Kollegen müssen Sie Ihr Selbstverständnis aufgeben, sich stets schützend vor Mitarbeiter zu stellen. Es hilft Betroffenen nicht, wenn Betriebsrat, Vorgesetzte und Kollegen aus falsch verstandener Nachsicht und Kollegialität wegschauen und Suchtprobleme zu vertuschen oder zu verharmlosen versuchen. Mit einem solchen Verhalten machen sie sich zu Co-Alkoholikern: Sie tragen dazu bei, dass der alkoholkranke Kollege seine bisherigen Gewohnheiten beibehält.

 

Hinweis

Für Sie als Betriebsrat ist das stets eine Gratwanderung: Bei aller Unnachsichtigkeit gegenüber ihrem Suchtverhalten muss der Betriebsrat den betroffenen Kollegen wohlwollende Unterstützung unter der Bedingung zusagen, dass sie bereit sind, fachgerechte Hilfe anzunehmen. Nur dann können sie ihr Leben wieder in den Griff kriegen.

 

Der Leidensdruck muss hoch sein

Ein Abhängiger ist in der Regel erst dann bereit, sich professioneller Hilfe anzuvertrauen, wenn sein Leidensdruck sehr hoch ist. Dem suchtkranken Mitarbeiter muss daher unmissverständlich aufgezeigt werden, dass sein Verhalten aufgefallen ist und er weiterhin sehr kritisch beobachtet wird. Er muss wissen, dass ihn auch der Betriebsrat vor einer Kündigung nicht schützen kann, wenn er sich nicht einem Arzt anvertraut, um seine Erkrankung attestieren zu lassen und sich notwendigen medizinischen Maßnahmen zu unterziehen.

 

Wegschauen hilft nicht

Sofern dem Vorgesetzten das Alkoholproblem eines Mitarbeiters noch nicht bekannt ist oder er trotz besseren Wissens untätig bleibt, sollten Sie als Betriebsrat die Verantwortlichen informieren und erforderliche Maßnahmen mit ihnen beraten. Das ist in diesem Falle kein „Anschwärzen“, sondern die einzig sinnvolle Hilfe für den betroffenen Mitarbeiter.

 

Übersicht: Schutzpflichten des Arbeitgebers

  1. Wenn ein Arbeitgeber einen Beschäftigten wissentlich „berauscht“ arbeiten lässt, verstoßen beide gegen das Arbeitsschutzgesetz. Denn der Arbeitgeber hat alle notwendigen Maßnahmen zur Prävention von Unfällen zu treffen, und der Beschäftigte hat ihn dabei zu unterstützen.
  2. Die Unfallverhütungsvorschriften (UVV) enthalten damit kein absolutes Alkoholverbot. Dennoch verpflichtet die BGV A1 in § 7 den Arbeitgeber zum Einschreiten: „Der Unternehmer darf Versicherte, die erkennbar nicht in der Lage sind, eine Arbeit ohne Gefahr für sich oder andere auszuführen, mit dieser Arbeit nicht beschäftigen.“
  3. Wichtig dabei: Die gesetzliche Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gegenüber unter Drogen stehenden, von der Arbeit ausgeschlossenen Beschäftigten besteht weiter. Ein alkoholisierter Mitarbeiter darf keinesfalls sich selbst überlassen werden und womöglich mit dem eigenen Auto nach Hause fahren. Er muss – je nach Zustand – einem Krankenhaus übergeben, im Betrieb beaufsichtigt oder kontrolliert nach Hause gebracht werden.

 

Regeln Sie mit dieser Muster-Betriebsvereinbarung den Umgang mit dem Thema Sucht am Arbeitsplatz in Ihrem Unternehmen.

Autor: Silke Rohde (Silke Rohde ist Rechtsanwältin & Journalistin sowie Chefredakteurin von "Betriebsrat kompakt".)

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