Fachbeitrag | Geschäftsführung Betriebsrat
30.07.2015

Stress vermeiden – Viel Arbeit? Ja, bitte!

Es gibt Betriebsratsmitglieder, die an starker Beanspruchung wachsen und viel Arbeit als befriedigend empfinden. Andere leiden darunter und fühlen sich gestresst. Wie kommt es zu diesem unterschiedlichen Empfinden? Entscheidend ist häufig die Haltung zur Arbeit und der Umgang mit den Aufgaben und den beteiligten Menschen.

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Meiden Sie notorische Jammerer

Geschäftsführung Betriebsrat. Es gibt Menschen, die sich über alles beklagen: die Arbeit, die Kollegen und Vorgesetzten und ihre private Situation. Meiden Sie nach Möglichkeit den Umgang mit solchen „negativen Einflüsterern“. Können Sie den negativen Zeitgenossen nicht aus dem Weg gehen, suchen Sie nach Wegen, ihre Gefühle und Aussagen abzuwehren:

  • Sagen Sie offen, dass Sie ständiges Jammern und Klagen nicht schätzen.
  • Denken Sie bewusst an andere Dinge, wenn der Pessimist sich mal wieder auslässt.
  • Halten Sie ihnen offensiv Ihre positive Grundhaltung entgegen. „Ich finde es toll, im Betriebsrat zu sein.“

Kein Mitleid

Zeigen Sie gegenüber negativen Zeitgenossen kein Mitleid – sie würden das nur als Aufforderung verstehen, mit ihren Klagen fortzufahren. Sie sind nicht verantwortlich für Frustrationen oder andere negative Gefühle von anderen und müssen deshalb auch niemanden von seiner Haltung abbringen.

Hüten Sie sich vor Überforderung

Wenn Sie 1.000 Briefe an einem Tag eintüten müssen, sind Sie vielleicht gelangweilt oder genervt, weil es so viel Arbeit ist. Aber Sie sind nicht gestresst, weil Sie sich vollständig sicher sind, diese Aufgabe in der zur Verfügung stehenden Zeit bewältigen zu können. Stress kommt dagegen häufig auf, wenn man für die Erledigung einer Aufgabe nicht die notwendige Qualifikation oder Zeit hat: 1.000 Briefe in einer Stunde eintüten zu müssen wäre Stress, weil Sie es zeitlich vielleicht nicht schaffen.

  • Einen Serienbrief 1.000 mal auszudrucken kann Stress bedeuten, wenn Sie die erforderliche Software nicht kennen und somit nicht wissen, ob Ihnen das überhaupt gelingt.

Wichtig ist es also, Überforderung in zeitlicher und fachlicher Hinsicht zu vermeiden. Dazu gehört vor allem, solche unsicheren Aufgaben entweder abzulehnen oder sich rechtzeitig Hilfe von Betriebsratskollegen zu holen. Bei neuen Aufgaben planen Sie Zeit für eine Einarbeitung ein.

 

Setzen Sie auf Teamarbeit und suchen Sie Hilfe

Eine gute Teamarbeit hat viele segensreiche Auswirkungen, sie wirkt unter anderem auch vorbeugend gegen Stress: So bekommen Sie meist schnell Hilfe, wenn Sie überfordert sind oder können unkompliziert um Hilfe bitten. In Teams kommt es meist auch nicht so leicht zu einer fachlichen Überforderung, weil mehrere Personen unterschiedliche Defizite gegenseitig ausgleichen können: Was der eine nicht kann, kann der andere und umgekehrt. Wichtig ist auch die Kommunikation in Teams: Sie verhindert, dass sich negative Stimmungen aufbauen, weil man diese im Austausch „loswerden“ kann. Wenn Sie also Aufgaben übernehmen, fragen Sie nach Möglichkeit „Wer kann mitmachen?“ und bieten Sie umgekehrt auch Ihre Hilfe an.

 

Sehen Sie die positive Seite

Die meisten Situationen haben zwei Seiten: eine negative und eine positive. Suchen Sie also nach einem anderen Blickwinkel, wenn Sie sich gestresst fühlen: „Wenn ich die Serienbrieffunktion verstanden habe, kann ich Betriebsratsaussendungen in Zukunft schnell und einfach erledigen“ oder „Diese Recherche ist zwar kompliziert, aber damit helfe ich dem Arbeitnehmer enorm.“

 

Achtung

Manchmal hilft auch die gedankliche Zeitmaschine: Denken Sie intensiv an den Zeitpunkt, an dem Sie die Aufgabe erledigt haben und eventuell die Früchte Ihrer Arbeit ernten können: „Wenn ich dem Arbeitnehmer morgen die Checkliste für das Verhalten beim Zielgespräch mit dem Arbeitgeber gebe, wird ihm das eine große Hilfe sein.“

 

Lassen Sie es auch mal gut sein

Aus der Resilienzforschung weiß man, dass Personen auch in einem negativen Umfeld erfolgreich ihren Weg gehen, wenn sie ihre Ziele an den realen Möglichkeiten ausrichten. Stress rührt dagegen häufig daher, dass Betriebsratsmitglieder ein Optimum anstreben und dieses in der Regel nicht erreichen. Entwickeln Sie deshalb realistische Ziele:

  • Sie können einem ungerechtfertigt gekündigten Arbeitnehmer nicht immer seinen Arbeitsplatz retten. Aber Sie können ihm unter Umständen zu einer hohen Abfindung und einem guten Arbeitszeugnis verhelfen.
  • Sie möchten gerne intensiv mit anderen Betriebsratsmitgliedern zusammenarbeiten und auch gelegentlich privat etwas zusammen unternehmen, doch einige sperren sich dagegen. Dann freuen Sie sich darüber, wenn das zumindest mit Einzelnen möglich ist.
  • Sie möchten alle Aufgaben optimal erledigen? Prüfen Sie stattdessen, was Ihnen wirklich am Herzen liegt und konzentrieren Sie Ihre Energie darauf.

 

Achtung

Auch wenn Sie aus dem ernsthaften Bemühen, etwas für die Arbeitnehmer zu tun, Betriebsrat geworden sind: Es ist jederzeit legitim, Spaß an der Betriebsratsarbeit zu haben. Suchen Sie sich deshalb als Ausgleich zu unangenehmen, aber nötigen Aufgaben auch Dinge, die Ihnen Freude machen.

 

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Autor: Redaktion Mitbestimmung

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