News | Mitbestimmung
03.04.2015

Stoag-Betriebsrat wehrt sich gegen Modernisierung

Die Stadtwerke Oberhausen GmbH (Stoag) will für rund 2,5 Millionen Euro ihr Funksystem modernisieren. Der Betriebsrat meldet Bedenken an. Er warnt vor einem „Rückschritt in die Steinzeit“.

Oberhausen: Betriebsrat gegen Modernisierung von Funksystem© Harald Biebel /​ iStock /​ Thinkstock

Modernisierung für 2,5 Millionen Euro

Mitbestimmung. Oberhausen. 3. April 2015 – Die Stadtwerke Oberhausen GmbH (Stoag) will für rund 2,5 Millionen Euro ihr altes analoges Funksystem digitalisieren. Die Fahrgäste sollen damit genauer über Verspätungen informiert werden. Für die Umstellung auf ein digitales Funksystem können Fördergelder beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) beantragt werden, heißt es in einer Antwort auf eine entsprechende Anfrage der NRZ. Ein Antrag sei bereits gestellt.

20 Jahre alte Rechner samt Software austauschen

Jedoch meldet sich nun der Betriebsrat der städtischen Nahverkehrstochter zu Wort. Er kritisiert einem WAZ-Bericht zufolge die Umstellung auf ein digitales System scharf. Das Gremium geht dabei davon aus, dass 20 Jahre alte Bordrechner und überholte Software aktualisiert werden müssten. Jedoch dürfe die Funktionalität hinterher nicht schlechter sein als vorher, zitiert die Zeitung den Betriebsratsvorsitzenden Michael Stemmer.

Verbindungen zu Nachbarbetrieben

Man könne die Aussage der Geschäftsführung nicht nachvollziehen. Die hatte ihm zufolge damit argumentiert, mit einem neuen Funksystem würden die Verbindungen zu Nachbarbetrieben erreicht. Stemmer: „Von einer besseren Abstimmung auf Gemeinschaftslinien kann überhaupt keine Rede sein.“ Auch eine Verbesserung des Betriebsablaufes kann Stemmer auf Grund des derzeitigen Planungstandes nicht erkennen.

Inkompatibel zu anderen Systemen

Er hält dagegen, eine direkte Funkverbindung zu Bussen und Straßenbahn in den Nachbarstädten, etwa im Bereich der VIA (Zusammenschluss der Nahverkehrsunternehmen Essen, Mülheim, Duisburg) sei nicht möglich, das dortige System sei nicht kompatibel zum geplanten Stoag-System. Eine Realisierung dieses Vorhabens ohne entsprechende Modifikationen wäre für den Stoag-Betriebsrat ein „Rückschritt in die Steinzeit unter Verwendung von Mitteln in Millionenhöhe“.

Naiv und grob fahrlässig

Es sei „naiv und grob fahrlässig“, auf die fahrzeugbezogene Kommunikation zu verzichten. Nur mit ihr könne sichergestellt werden, dass Fahrgäste beim Umsteigen ihren Anschluss erreichen. Der Betriebsratsvorsitzende sieht zudem die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers bei tätlichen Angriffen auf das Fahrpersonal gefährdet. „Der nächste Bus ist nicht selten näher als der nächste Streifenwagen“, erklärt Stemmer. Darum sei es nicht schädlich, wenn alle im Dienst befindlichen Kollegen einen Notruf eines Kollegen mitbekommen und über den Vorfall vorgewarnt seien.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit. )

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