News | Geschäftsführung Betriebsrat 29.02.2016

Stahl-Betriebsräte kämpfen für Tarifbindung und Umweltschutz

War es das mit der Globalisierung? Beim Stahl könnte es kaum düsterer um sie bestellt sein. China hat Riesenkapazitäten aufgebaut – und sitzt auf leeren Auftragsbüchern. Folge: Dumpingpreise an den Weltmärkten. In Brüssel gingen dagegen tausende Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf die Straße.

Stahl-Dumping

Tarifbindung statt Dumping-Stahl

Geschäftsführung Betriebsrat. Es geht um europäische Standards. Es geht um Umweltauflagen, Arbeitsschutz, Tarifbindung. Dafür haben Metaller jahrelang gekämpft. Dafür demonstrierten mehr als 5000 Stahlwerker aus ganz Europa in der EU-Hauptstadt. Sie fordern von der EU Schutz des europäischen Marktes vor Dumping-Stahl.

Sinkende Preise dank Überproduktion

Dieser kommt derzeit in überwältigenden Massen nach Europa aus dem Reich der Mitte. Kein Land der Welt produziert so viel Stahl wie die Volksrepublik. Und der Staat hilft kräftig nach, wie die „Sächsische Zeitung“ berichtet. Die Überproduktion lässt die Preise sinken.

Europäische Produzenten in Schwierigkeiten

Die europäischen Produzenten geraten in Schwierigkeiten. Auch im sächsischen Riesa sorgen sich Mitarbeiter und Geschäftsleitung um die Zukunft. Vier Mann des örtlichen Stahlherstellers Feralpi haben sich ebenfalls auf den Weg nach Brüssel gemacht.

Idee von Betriebsrat und Werksleitung

Feralpi-Betriebsratsvorsitzender Maik Paul hatte die Idee gemeinsam mit Werkdirektor Frank-Jürgen Schaefer, der allerdings dann an der Reise nicht teilgenommen habe. Aus Riesa war man zu viert in Brüssel, alle Betriebsräte. Paul: „Es war die größte Demo, an der ich je teilgenommen habe. Das war ein beeindruckendes Bild: Tausende Teilnehmer aus allen Ecken Europas in ihrer Arbeitskleidung – und wir mittendrin.“

Stahlkocher kochen vor Wut

Die Stahlkocher kochen fast weniger Stahl als vielmehr vor Wut, wie Paul der Zeitung gestand. Es gehe ja auch um Arbeitsplätze. Die Jobs der Stahlarbeiter in ganz Europa sind gefährdet.

Umweltsünder China

Was den Umweltschutz betrifft, so hätten Paul und seine Kollegen am Standort Gröba in den letzten vier Jahren 21 Millionen Euro investiert. In China werde der Strom hauptsächlich noch von klimaschädlichen Kohlekraftwerken produziert. Paul: „Mit dem Billig-Stahl aus China importieren wir also auch eine ganze Menge CO2.“

Hersteller kämpfen gegen Dumping-Preise

Betroffene Hersteller kämpfen schon jetzt gegen die Dumping-Preise. Feralpi produziert Riesa Baustahl. Hierbei hält sich Paul zufolge die Konkurrenz aus China noch in Grenzen. Aber wenn sich jetzt nichts ändert, sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis es auch Feralpi trifft. Zwei chinesische Hersteller von Baustahl hätten bereits die Zulassung für den deutschen Markt erhalten.

Vorbild USA

Von der EU fordern Paul und seine Mitstreiter, sie möge verhindern, dass der Billig-Stahl auf den europäischen Markt kommt. Die USA haben bereits Maßnahmen getroffen, damit die Stahlindustrie dort konkurrenzfähig bleiben kann. Sie erheben schon jetzt Strafzölle. Good bye Globalisierung, welcome Marktabschottung.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)