News | Mitbestimmung
29.08.2016

Sommerlad-Betriebsrat: Kampf um Standort Fulda geht weiter

In Fulda stehen die Zeichen auf Sturm. Gestritten wird um den Standort Fulda-Petersberg des Möbelhauses Sommerlad. Dieses möchte neu bauen, näher an der A 7. Doch Politik und Verwaltung sagen Nein. Der Betriebsrat des Möbelhauses ist schwer enttäuscht – und übt scharfe Medienschelte.

Gefährdung Arbeitsplätze© Seamartini Graphics /​ fotolia.com

Zukunft von 230 Familien

Mitbestimmung. Sicherung der Arbeitsplätze von 130 Mitarbeitern, Schaffung von weiteren 100 Stellen und damit Zukunft von 230 Familien, Zulieferern – das Gießener Möbelhaus Sommerlad hätte dem Standort Fulda-Petersberg einiges zu bieten, wenn … Ja, wenn es für 30 Millionen Euro ein neues Möbelhaus bauen dürfte, nur 300 Meter vom jetzigen Standort entfernt direkt an der Autobahn A 7 nahe der Anschlussstelle Fulda-Mitte.

Genehmigungsbehörde verweigert Zustimmung

Doch, wie „Osthessen-News“ berichtet darf es das nicht. Grund: Es findet bei der Genehmigungsbehörde keine Zustimmung. Zwar entscheidet letztlich der Zentralausschuss der Regionalversammlung. Doch dass dieser der Beschlussvorlage der Behörde widerspräche, halten Beobachter wenn auch nicht für ausgeschlossen, so doch für unrealistisch.

Standort Petersberg vor dem Aus

Der Kampf der Firma Sommerlad um den Neubau dauert bereits drei Jahre an – ein „Spießrutenlauf durch die Behörden“, wie sich Sommerlad Fulda-Geschäftsführer Dieter Schützeichel erinnert. Und das, obwohl die Gemeinden Künzell, Petersberg, Eichenzell, Fulda und der weitaus größte Teil der Bevölkerung sich geschlossen für den Neubau ausgesprochen hätten. Nun zog der Unternehmer Frank Sommerlad die Reißleine. Der Standort Petersberg steht vor dem Aus, 130 Mitarbeiter verlieren wahrscheinlich ihre Jobs.

Protest der Belegschaft

Daran dürfte auch der Protest der Belegschaft kaum noch etwas ändern. Deren Vertreter hatten gehofft, auf einem Gipfeltreffen letzte Woche mit dem Kasseler Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke und dem Landrat des Kreises Fulda Bernd Woide (beide CDU) vielleicht doch noch neue Ansatzpunkte zu bekommen. Vergebens.

Enttäuschung beim Betriebsrat

Nach dem Gespräch sei die Enttäuschung beim Betriebsrat der Möbelstadt Sommerlad groß: „Diese Hoffnung wurde jedoch schnell enttäuscht und wich einer großen Ernüchterung“, zitiert das Nachrichtenportal aus einer Pressemitteilung des Sommerlad-Betriebsratsvorsitzenden Karsten Simon. Es seien erneut nur die schon bekannten sogenannten Alternativen aufgezählt worden.

Politik auf stur geschaltet

Alles sei bereits zigmal durchgekaut. Aus diversen und nachvollziehbaren unternehmerischen Gründen seien dies alles keine Alternativen. „Bittere Wahrheit ist, dass wir vom Regierungspräsident Dr. Lübke und Herrn Landrat Woide keine Unterstützung erhalten werden“, schreibt Simon. Eine Änderung ihrer bisherigen Haltung zum Neubau sei nicht zu erkennen. Neue Lösungsvorschläge außer den altbekannten, schon erledigten hätten die Politiker nicht zu bieten.

Betriebsrat kämpft weiter

Der Betriebsrat kämpft unterdessen weiter – trotz der düsteren Aussichten. Er appelliert: „Wir, der Betriebsrat, bitten nochmal alle politischen Akteure, sich nicht nur mit den Gründen zu beschäftigen die eine Ablehnung begründen würden, sondern auch nach Gründen zu suchen, die einer Zustimmung zu einer Ausnahme im Regionalplan zulassen.“ Wenn man sich dies zu eigen machen würde, dürfte Einiges für diese Ausnahme sprechen. In anderen Regierungsbezirken werde doch auch so verfahren, dort kämpften die politischen Akteure wirklich um Arbeitsplätze.

Demo letzten Montag

Am Montag vergangener Woche wollten die Sommerlad-Mitarbeiter ein öffentliches Zeichen setzen. In einem Demonstrationszug zogen sie vor das Kreishaus in der Fuldaer Wörthstraße und weiter vor das Verlagshaus der „Fuldaer Zeitung“ in der Frankfurter Straße.

Kritik an Medien

Dabei übten Unternehmensleitung und Mitarbeiter heftige Kritik an der Zeitung. Das Unternehmen Sommerlad und alle Mitarbeiter hätten über Jahre eine „unprofessionell einseitige und zum Teil verletzende Berichterstattung einer Tageszeitung ertragen“ müssen. Deren Chefredakteur Michael Tillmann verteidigte darauf in einem Kommentar in seiner Zeitung deren Berichterstattung. Die Mitarbeiter würden auch so schnell wieder „am Altstandort nahtlos weiter Lohn und Brot finden“. Merke: Wer sich verteidigt, klagt sich an.

Autor: Friedrich Oehlerking 

Produkte und Veranstaltungen

Produktempfehlungen