News | Geschäftsführung Betriebsrat
12.10.2016

Siemens-Gesamtbetriebsrat stimmt Stellenstreichung zu

Vorausgegangen waren wochenlange Verhandlungen. Am Ende stand ein Kompromiss – für viele Siemensianer vor allem in Bayern das Aus. Im Siemens-Werk in Ruhstorf wird praktisch jeder zweite Arbeitsplatz vernichtet. Trotzdem stimmte der Gesamtbetriebsrat dem Kompromiss zu.

Stellenabbau Siemens© Pixelot /​ fotolia.com

Stellenstreichungen in immensem Umfang

Geschäftsführung Betriebsrat. Der Umfang der Stellenstreichungen bei Siemens in Deutschland ist immens. 1.700 Arbeitsplätze in der Sparte Prozessindustrie und Antriebe werden vernichtet. Die Verhandlungen zogen sich wochenlang hin. Schließlich einigte sich der Konzern mit den Arbeitnehmervertretern auf einen entsprechenden Interessenausgleich für die deutschen Standorte, so ein Siemens-Sprecher auf „Spiegel Online“.

Stellenabbau wenig geringer als geplant

Damit fällt der Stellenabbau nur wenig geringer aus als geplant. Eigentlich hatte der Konzern rund 2.000 Jobs in Deutschland streichen oder verlagern wollen. Neben 28 wegfallenden Arbeitsplätzen in Berlin sind Standorte in Bayern am stärksten betroffen:

  • in Nürnberg werden 590 Jobs gestrichen, geplant waren 730,
  • in Ruhstorf bei Passau 600 Arbeitsplätze statt 710,
  • in Erlangen an zwei Standorten 130 Stellen, statt 160,
  • in Bad Neustadt/Saale 330 statt der zuvor geplanten 370 Stellen.

Bis 300 Millionen Euro für Stellenabbau

Die Kosten für den Abbau bezifferte der Konzern auf rund 200 bis 300 Millionen Euro. Er soll ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen. Wechsler zufolge wird sich das Ganze über vier Jahre bis Ende September 2020 hinziehen. Wechsler: „Das ist aber auch das einzig Beruhigende daran.“

Arbeitsplatzabbau schon ab 2018

Laut Elke Malcher, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Ruhstorfer Werkes, soll ein Großteil des Arbeitsplatzabbaus bereits in den Jahren 2018 und 2019 durchgeführt werden. Malcher wird auf „World Socialist Web Site“ unter Berufung auf den „Bayerischen Rundfunk“ mit den Worten wiedergegeben, durch den vereinbarten Abbau der Arbeitsplätze falle praktisch die gesamte Vorfertigung weg.

Beschäftigte enttäuscht über Abbaupläne

Die Beschäftigten seien über die Abbaupläne enttäuscht, zitiert der „Spiegel“ Bayerns IG-Metall-Chef und stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden von Siemens Healthcare GmbH, Jürgen Wechsler. Große Sorgen gebe es vor allem um den Standort Ruhstorf.

IG Metall: Keine Verlagerung nach Osteuropa

Früher waren hier rund 1.200 Mitarbeiter beschäftigt. Gegründet 1895, blickt das Werk auf eine über 100-jährige Geschichte als Loher GmbH zurück. Sie wurde vor wenigen Jahren von Siemens aufgekauft. Das Werk gehörte bisher zu den wichtigsten Unternehmen der Region. Ein großer Teil der Einwohner von Ruhstorf und Umgebung ist direkt oder indirekt von Siemens abhängig. Lediglich Teile der Elektromotorenfertigung bleiben hier erhalten.

Bestandsgarantie für vier Jahre?

„Es gibt große Sorgen, ob das, was hier vereinbart ist, nach vier Jahren noch leben wird“, sagte Wechsler. Auf dem bisherigen Siemens-Gelände könnte ein Gewerbecenter entstehen, sollten derzeit die Runde machende Gerüchte tatsächlich Gestalt annehmen.

Verlagerung von Produktionsarbeitsplätzen nach Osteuropa

Wechsler hatte Siemens zur Einstellung der Verlagerung von Produktionsarbeitsplätzen nach Osteuropa aufgefordert. In begrenztem Umfang hätten die Arbeitnehmervertreter dies bei den Verhandlungen auch erreicht, „aber Siemens hält an seiner Verlagerungsstrategie fest“. Deshalb erneuere er auch seine Forderung nach einem Verlagerungsstopp bei dem Unternehmen.

Niedriger Ölpreis

Als Grund für die Abbaupläne gibt der Konzern den anhaltend niedrigen Ölpreis an. Dadurch sei die Nachfrage aus der Öl- und Gasindustrie zurückgegangen. Der Wettbewerb in den Branchen Öl und Gas sowie Metall und Bergbau habe deswegen an Intensität zugenommen. Das mache eine Neuordnung der Kapazitäten notwendig. In Deutschland beschäftigt Siemens bei einem Jahresumsatz von rund neun Milliarden Euro derzeit rund 16.000, weltweit etwa 46.000 Mitarbeiter.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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