14.06.2017

Siemens-Betriebsrat Duisburg kämpft gegen Ausbildungsverlagerung

Die Ausbildung bei Siemens hat in Duisburg eine lange Tradition. Doch sie wird nicht mehr lange bestehen. Der Konzern will dort 2022 sein Ausbildungszentrum für die Metall- und Elektro-Industrie schließen. Ein Schlag gegen die Ausbildung, so der Betriebsrat. Er will kämpfen.

Ausbildung bei Siemens Duisburg bald Vergangenheit

Der Betriebsrat von Siemens in Hochfeld befürchtet, dass die Ausbildung von Duisburg nach Mülheim verlagert werden soll. „Größter Ausbildungsbetrieb in der Metall- und Elektro-Industrie in Duisburg steht vor der Schließung“, warnen Mitglieder des Betriebsrates laut einer Mitteilung der „WAZ“. Nach deren Informationen will das Technologie-Unternehmen das eigene Ausbildungszentrum bis 2022 schließen. Die künftige Ausbildung könnte dann im Mülheimer Siemenswerk erfolgen.

Schlag ins Gesicht

„Das ist ein Schlag ins Gesicht für den Standort und ein Schlag ins Gesicht für eine sehr gute Ausbildung“, zeigen sich die Arbeitnehmervertreter vor Ort empört. Das sei eine Entscheidung, die man als Betriebsrat und Jugend– und Auszubildendenvertretung so nicht einfach hinnehmen werde, zitiert der Bericht die Hochfelder Betriebsratsvorsitzende Nadine Florian: „Wir reden hier von über 200 Auszubildenden, die demnächst in Duisburg wegfallen.“ Man erwarte die Unterstützung durch die örtliche Politik und von allen anderen, die mit der Berufsausbildung in Duisburg zu tun haben.

129 Auszubildende in Hochfeld

Am Siemens-Standort Duisburg werden laut Betriebsrat zurzeit 129 Auszubildende und 34 Studenten ausgebildet. Zudem seien weitere Einstellungen zum 1. September bereits von über 40 Azubis und Studenten unterschrieben. Martin Schriever, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender: „Es kann nicht sein, dass man sich der lokalen Verantwortung für unseren jungen Menschen in Duisburg und Umgebung verschließt.“

Siemens: Entscheidung noch nicht gefallen

Bei Siemens heißt es, Entscheidungen für einzelne Standorte seien noch nicht gefallen. Zunächst werde mit der Arbeitnehmerseite gesprochen. Ziel sei es aber, die Ausbildung auf den eigenen Bedarf auszurichten. Bisher sei weit darüber hinaus ausgebildet worden. Jetzt gelte es auszuloten, an welchem Standort die beste Lehre möglich sei. „Die Ausbildung ändert sich beispielsweise auf Herausforderungen wie die zunehmende Digitalisierung“, kommt in dem Bericht Unternehmenssprecher Georg Lohmann zu Wort. Keinen Hehl macht das Unternehmen aus dem Ziel, „Ausbildungskompetenzen stärker zu bündeln“. Man habe den Betriebsrat darüber unterrichtet, dass statt bisher 33 Ausbildungsstandorten es künftig bundesweit nur noch 18 sein werden.

Ausbildung in technischen und kaufmännischen Berufen

„Wir informieren die interessierten Besucher über unsere technischen und kaufmännischen Berufe. Vor allem sind die kaufmännischen sehr beliebt“, berichtet laut der Zeitung Achim Grafers noch 2015. Er ist Ausbildungsleiter bei Siemens und freue sich über das rege Treiben in der Werkstatt. „Falls wir die jungen Leute überzeugen, hier eine Ausbildung zu starten, können sie sich direkt an unseren Computern online bewerben“, so Grafers damals. Gegen zwölf Uhr säßen bereits einige Jugendliche vor den Monitoren, andere warteten darauf, sich zu bewerben.

Ausbildung bei Siemens in Duisburg: Klasse!

In der Vergangenheit hatten sich Auszubildende positiv über die Ausbildung bei Siemens in Duisburg geäußert. Feilen, fräsen, hobeln, bohren – „es ist klasse“, schwärmt ein Ehemaliger. Auch das Arbeitsklima sei super. Etliche Azubis zum Industriemechaniker und Mechatroniker lernten an Dreh- und Fräsmaschinen die einzelnen Arbeitsschritte. Ein Stockwerk über der Werkstatt finden die Technik-Begeisterten in den Schulungsräumen Informationen zu dualen Studiengängen – wie zum Beispiel Energietechnik und internationales Management.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)