16.09.2019

Sicherheit Öffenlicher Dienst: Gespürte Verrohung der Gesellschaft

Beim Thema „Gewalt gegenüber Beschäftigten des öffentlichen Dienstes“ liegen neue Erkenntnisse vor. Danach erleben 83 Prozent der Menschen eine zunehmende Verrohung der Gesellschaft. Über ein Viertel aller Befragten hat Übergriffe auf Beschäftigte im öffentlichen Dienst beobachtet. Die Hälfte dieser Angriffe war körperlicher Art. Grundlage dieser Erkenntnisse ist eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Deutschen Beamtenbundes.

Sicherheit Öffentlicher Dienst

Der Ton wird rauer

Nach einer Ende Juni 2019 abgeschlossenen Umfrage des Forsa-Instituts hat die große Mehrheit der Bundesbürger (83 Prozent) das Gefühl, dass die Gesellschaft zunehmend verroht und dass der Umgang der Menschen untereinander rücksichtsloser und brutaler wird. Dieses Gefühl wird bei einem Viertel der Bundesbürger dadurch bestätigt, dass beobachtet wurde, wie Beschäftigte des öffentlichen Dienstes behindert, belästigt, beschimpft oder gar angegriffen wurden.

Erfahrungen im Öffentlichen Dienst

Diese Beobachtung wird zudem durch die Erfahrungen der öffentlich Bediensteten bestätigt, von denen rund die Hälfte (48 %) angibt, schon einmal selbst im Rahmen ihrer Tätigkeit behindert, beschimpft oder gar tätlich angegriffen worden zu sein. Jeder zweite Staatsdiener ist bereits Opfer solcher Vorfälle geworden. Das sind die besorgniserregenden Kernergebnisse einer Sonderumfrage im Rahmen der vom dbb am 20. August 2019 in Berlin vorgestellten Bürgerbefragung Öffentlicher Dienst.

Forderung nach Schutz vor Übergriffen

Der Deutsche Beamtenbund fordert deshalb dringend ein umfassendes Investitionsprogramm Sicherheit im Dienst, das sowohl die bekannten personalwirtschaftlichen, baulichen, organisatorischen und Ausrüstungsaspekte als auch ganz neue Überlegungen einbeziehen müsse. Dazu werde auch mehr Personal für Sicherheit und Justiz gefordert, damit Fehlverhalten zeitnah und spürbar sanktioniert werden könne, sagte der dbb-Bundesvorsitzende. Außerdem sollte überlegt werden, ob das Instrument der Forderungsabtretung nach § 78a des Bundesbeamtengesetzes auch auf Beleidigungstatbestände ausgeweitet werden und auf alle Beschäftigten im öffentlichen Dienst Anwendung finden könne, heißt es in einer Pressemitteilung. Danach könne ein gerichtlich zugestandener Schadensersatzanspruch vom Dienstherrn übernommen, ausgezahlt und später vom Verursacher eingetrieben werden. Dann würden alle Opfer von Übergriffen echte Rückendeckung der Dienstherren und Arbeitgeber spüren.

Anlaufstelle für Betroffene

Es werden flächendeckend Ombudsleute benötigt, an die sich die betroffenen Kolleginnen und Kollegen wenden könnten, wenn Vorgesetzte Angriffe bagatellisieren oder unter den Teppich kehren wollen. Beschäftigte, die zu Opfern werden, müssten falsche Scham überwinden und jeden Vorfall transparent machen, und wir brauchen die Unterstützung der Bevölkerung. Das ist unser aller Gesellschaft, unser aller öffentlicher Dienst. Egal ob auf der Straße, in der Schule, im Krankenhaus oder auf dem Amt: Jeder, der Zeuge von Übergriffen wird, soll eingreifen, laut werden und Hilfe holen.

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)