News | Geschäftsführung Betriebsrat 13.05.2016

„Servus-TV“-Mitarbeiter stimmen Senderchef um

Der 33. Spieltag der Bundesliga ist geschichtsträchtig. Bayern München ist zum vierten Mal hintereinander deutscher Meister – und RB Leipzig steigt nur sieben Jahre nach Gründung auf. Der Verein gehört dem Salzburger Sportsponsor Red Bull. Und dessen Chef hat etwas gegen Betriebsräte.

Anonyme Online-Umfrage

Geschäftsführung Betriebsrat. Der Chef von Red Bull in Salzburg ist ein gewisser Dietrich Mateschitz. Ihm gehört auch der Salzburger TV-Sender „Servus TV“. 50 von 280 seiner Mitarbeiter hatten sich in einer anonymen Online-Umfrage für die Gründung einer Mitarbeitervertretung ausgesprochen. Das war „anscheinend gar nicht im Sinne des Eigentümers Dietrich Mateschitz“, er lässt den Sender schließen, berichtet die NDR-Sendung „Zapp“.

205 gekündigte Mitarbeiter

Doch damit sind nun andere 205 Mitarbeiter nicht einverstanden. Sie sind schon gekündigt. In ihrer Verzweiflung haben sie sich letzte Woche mit einer Videobotschaft an Mateschitz gewandt. Sie wollten den Red-Bull-Gründer und „Servus TV“-Chef umstimmen, den Sender doch nicht zu schließen. Der Bericht zitiert aus der Video-Botschaft: „Wir wollen und brauchen keinen Betriebsrat.“

Wirtschaftlich untragbar?

Der Sender sei „wirtschaftlich untragbar geworden“, habe es in einer Mitteilung geheißen. Intendant Ferdinand Wegscheider und Geschäftsführer Harald Maier hätten Dienstagmorgen letzter Woche das Aus für „Servus TV“ verkünden müssen. Die Mitarbeiter seien geschockt gewesen.

Eine Herzensangelegenheit?

Dabei hätte Mateschitz bei einem Redaktionsbesuch vor Kurzem noch beteuert, „Servus TV“ sei eine Herzensangelegenheit, bei der es um mehr als Wirtschaftlichkeit gehe. Unter Mitarbeitern sei da schon klar gewesen, dass der eigentliche Grund für die jetzt erfolgte Senderschließung die Betriebsratsumfrage gewesen ist.

Unabhängigkeit, Eigenständigkeit und Unbeeinflussbarkeit?

Aus einem internen Statement zitiert „Zapp“ Mateschitz mit Klartext: „Unabhängigkeit, Eigenständigkeit und Unbeeinflussbarkeit insbesondere durch Parteien, egal welcher Richtung, war von Anfang an ein tragender Pfeiler von Servus TV. Die Betriebsratsgründung hätte diese Werte insbesondere durch die Art und Weise ihres Zustandekommens – anonym und unterstützt von Gewerkschaft und Arbeiterkammer – nachhaltig beschädigt. Dass diese Vorgehensweise bei der aktuellen Situation des Senders nicht gerade dienlich war, ist evident.“

Sozialer Druck?

Zu der Videobotschaft habe daraufhin die Senderleitung aufgerufen. Sie habe einen offenen Brief an Mateschitz geschrieben und vorgefertigte Unterschriftenlisten verteilt. „Es gab schon sozialen Druck, das auch zu unterschreiben“, soll ein Mitarbeiter „Zapp“ gegenüber gesagt haben.

Beschädigung der Unabhängigkeit?

Nur wenige hätten sich widersetzt, nicht unterschrieben oder seien dem Studio ferngeblieben. Etwas später habe Mateschitz in einer kurzen Stellungnahme Klartext gesprochen: Er sehe in der Gründung eines Betriebsrates bei „Servus TV“ eine nachhaltige Beschädigung der Unabhängigkeit des Senders. Die Vermutung sei somit bestätigt worden.

Großteil will keinen Betriebsrat

Dann die überraschende Wende. Nach einem Treffen von Arbeiterkammer, Gewerkschaft und Vertretern von Red Bull habe es geheißen: Arbeiterkammer und Gewerkschaft würden respektieren, dass ein Großteil der „Servus TV“-Mitarbeiter keinen Betriebsrat möchte.

Unabhängige Linie

Eine „Fortsetzung der partei-politischen unabhängigen Linie“ sei daher von „allen Beteiligten begrüßt“ worden. Mateschitz habe daraufhin verkündet, er werde den Sender nun doch weiterführen. Alle Kündigungen würden zurückgenommen. „Zapp“: „Ob die Befürworter eines Betriebsrats bei ‚Servus TV‘ unter diesen Umständen noch arbeiten wollen, ist mehr als fraglich.“

 

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)