17.04.2019

Selbstbestimmtere Arbeitszeiten und -orte werden von Frauen und Männern unterschiedlich genutzt

Im Rahmen der heutigen mobilen Arbeit dienen selbstbestimmtere Arbeitszeiten von Männern tendenziell dazu, länger zu arbeiten und mehr zu verdienen. Frauen nutzen die Möglichkeit, ihre Arbeitsstunden aufzustocken, weniger, was auf die vielen in Teilzeit arbeitenden Frauen zurückgeführt wird. In Vollzeit arbeitende Frauen nutzen diese Möglichkeit ebenfalls, um länger zu arbeiten, jedoch führt dies bei ihnen zu einem geringeren Verdienstzuwachs als bei den Männern. Dies teilte die Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage einer Bundestagsfraktion mit.

Arbeitszeit

Chancen und Risiken der Digitalisierung

Die Bundesregierung teilte in ihrer Antwort (BT-Drs. 19/7925) auf eine Kleine Anfrage einer Bundestagsfraktion u.a. mit, dass die Digitalisierung der Arbeitswelt neue Chancen für mehr zeit- und ortsflexibles Arbeiten eröffnen (DGB Index Gute Arbeit [2017] Was bedeutet die Digitalisierung der Arbeitswelt für Frauen? Eine Beschäftigtenumfrage, BMAS [2015] Monitor mobiles und entgrenztes Arbeiten).

Vereinbarung von Familie und Beruf

Breitband-Internet, Netzwerktechnologien und mobile Endgeräte ermöglichten vielen Beschäftigten, zeitlich flexibler und an unterschiedlichen Orten zu arbeiten. Arbeit und Privatleben könnten so besser in Einklang gebracht werden. Insbesondere für Familien, Pendler, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen und Beschäftigte in ländlichen Regionen könne mobiles Arbeiten große Erleichterungen bringen. Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien böten daher für viele Beschäftigte Chancen für eine stärker selbstbestimmte Gestaltung von Arbeitszeit und -ort.

Höherer Arbeitsbelastung

Gleichzeitig nähmen in einer digitalisierten Arbeitswelt die Anforderungen an viele Beschäftigte zu. Die Erwartungen hinsichtlich ihrer Verfügbarkeit und Flexibilität würden steigen. Arbeitsverdichtung und der Druck, ständig erreichbar zu sein, belasteten viele Beschäftigte und bergen Risiken für ihre Gesundheit. Die Verwirklichung der Chancen und die Vermeidung der Risiken der Digitalisierung hingen von der konkreten technischen Gestaltung ebenso ab wie von der individuellen Nutzung und von der betrieblichen, tariflichen und gesetzlichen Einbindung.

Auswirkung der Digitalisierung auf Erwerbs- und Sorgearbeit

In der Antwort der Bundesregierung heißt es weiter, es sei derzeit nicht seriös abschätzbar, wie sich die Digitalisierung der Arbeitswelt auf die Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit auswirken werde. Einige Erhebungen kämen zu dem Ergebnis, dass Zeitersparnisse durch mobile Arbeitsformen der partnerschaftlichen Aufteilung von Familienaufgaben und Erwerbstätigkeit zugutekommen (Expertise „Digitalisierung – Chancen und Herausforderungen für die partnerschaftliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, Juli 2016, https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen/digitalisierung—chancen-und-herausforderungen-fuer-die-partnerschaftliche-vereinbarkeit-von-familie-und-beruf/109006). Auch der Zweite Gleichstellungsbericht der Bundesregierung führt aus, dass digital unterstützte, örtlich und zeitlich flexible Arbeitsformen Chancen zur Stärkung der partnerschaftlichen Vereinbarkeit von Familie und Beruf bieten (https://www.bmfsfj.de/blob/117916/7a2f8ecf6cbe805cc80edf7c4309b2bc/zweiter-gleichstellungsbericht-data.pdf).

Unterschiedliche Nutzung selbstbestimmterer Arbeitszeiten durch Frauen und Männer

Ob die neuen Möglichkeiten, Arbeitszeit- und -ort stärker selbst zu bestimmen, zu einer gerechteren Verteilung der Arbeitszeiten sowie von unbezahlter und bezahlter Arbeit zwischen Männern und Frauen führen, ist Gegenstand verschiedener wissenschaftlicher Untersuchungen. Erste Ergebnisse zeigen, dass selbstbestimmtere Arbeitszeiten von Männern tendenziell genutzt werden, um länger zu arbeiten und mehr zu verdienen. Frauen nutzen die Möglichkeit, ihre Arbeitsstunden aufzustocken, weniger, was auf die vielen in Teilzeit arbeitenden Frauen zurückgeführt wird. In Vollzeit arbeitende Frauen nutzen diese Möglichkeit ebenfalls, um länger zu arbeiten, jedoch führe dies bei ihnen zu einem geringeren Verdienstzuwachs als bei den Männern (Lott, Yvonne & Chung, Heejung [2016] Gender Discrepancies in the Outcomes of Schedule Control on Overtime Hours and Income in Germany).

Studien zum Thema

Zu letzteren Aspekten sind in jüngster Zeit mehrere interessante Studien bekannt geworden. So veröffentlichte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Anfang März 2019 eine Untersuchung mit dem Titel „Hausarbeit bleibt bei den Frauen hängen“ (https://www.tagesschau.de/inland/frauen-hausarbeit-103~_origin-d198fb2f-1085-4200-a89d-558ab124f145.html) und das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung gab einen Report (Nr. 47, März 2019) mit dem Titel „Weniger Arbeit, mehr Freizeit“ heraus https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_report_47_2019.pdf).

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)