News | Mitbestimmung 22.01.2015

Schock für Betriebsrat von Metro und Real

Aus für die Rechnungsabteilung der Metro-Gruppe in Alzey. Mitglieder der Geschäftsführung teilten es jetzt Betriebsrat und Belegschaft mit. Grund: Das Zentrum wird in ein angebliches Billiglohnland verlagert, nach Polen. Auch bei der Real-Buchhaltung geht die Angst um. Die Belegschaft ist geschockt. Der Betriebsrat hat rechtliche Schritte angekündigt. Man fordert Sozialplan und Interessenausgleich. Über 160 Mitarbeiter sind betroffen, teilweise sogar von Kündigung bedroht.

Schock für Betriebsrat von Metro und Real

Mitbestimmung. Alzey, 22. Januar 2015 – 93 Menschen verlieren im Metro Dienstleistungszentrum ihren Arbeitsplatz, darunter zwei Auszubildende und auch Schwerbehinderte. Das teilte nach der Betriebsversammlung die Betriebsratsvorsitzende Barbara Schulze der in Mainz erscheinenden „Allgemeinen Zeitung“ mit.

Real SB Warenhaus ebenfalls betroffen

Weitere 72 Mitarbeiter der ebenfalls im Metro Group Accounting Center in Alzey sitzenden Real SB Warenhaus GmbH sind ebenfalls betroffen, so deren Betriebsratsvorsitzender Rüdiger Menges. Wann genau, wurde nicht mitgeteilt. Sie erledigten seit vielen Jahren die Buchhaltung für die 287 Real-Märkte in Deutschland.

Löhne in Stettin angeblich niedriger

„Unsere Arbeit wird nach Stettin in Polen verlagert, weil dort die Löhne günstiger sind“, so Schulze. Die Alzeyer Belegschaft sei geschockt. Deren Altersdurchschnitt liege bei über 50 Jahren. Viele, so Schulze, seien mehr als 20 Jahre bei Metro beziehungsweise früher bei Real beschäftigt. Auch für die Teilzeitkräfte mit Kindern und Alleinerziehenden werde es schwierig, einen neuen Job zu finden.

Metro-Konzernmutter schweigt

Die Düsseldorfer Metro-Konzernmutter habe zum weiteren Verbleib von Real in der Friedrichstraße lediglich erklärt, dass man sich in Verhandlungen mit dem Vermieter befinde und sich zu den laufenden Gesprächen nicht äußern wolle, schreibt das Blatt.

Betriebsrat von Metro will Sozialplan fordern

Nun will der Betriebsrat von Metro den formaljuristischen Weg zur Aushandlung eines Sozialplans und eines Interessenausgleichs beschreiten. Dazu will man juristischen Beistand holen. Am heutigen Donnerstag lädt die Arbeitnehmervertretung die Belegschaft zu einer Betriebsversammlung ein. Aber, so Schulze, ohne Arbeitgebervertreter. Man wolle intern das weitere Vorgehen besprechen.

Tränen in den Augen

Die nun von der Schließung betroffene Metro-Sparte Real SB Warenhaus wurde erst vor drei Jahren von der Real-Verwaltung abgespalten. „Auch bei uns habe ich Leute mit Tränen in den Augen gesehen“, so Menges. Allerdings seien die Real-Mitarbeiter nicht von Kündigung bedroht.

Real-Geschäftsleitung will Arbeitsplätze erhalten

Zwar liefen Ende des Jahres die Mietverträge aus, doch habe die Real-Geschäftsleitung in Mönchengladbach laut Menges mehrfach bekräftigt, dass die Real-Buchhaltung entweder in Alzey selbst oder in der näheren Umgebung erhalten bleibt.

 

Bildnachweis: Minerva Studio / iStock/ Thinkstock

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)