News | Geschäftsführung Betriebsrat
11.08.2015

Opel-Bochum: Werksschließung kommt vors Landgericht

Im Dezember 2014 wurde das Bochumer Opel-Werk geschlossen. Länger als zehn Jahre haben die Bochumer Belegschaft, Betriebsrat, Gewerkschaften und die ganze Region gegen die Schließung gekämpft. Vergebens? Nicht ganz. Das Landgericht Darmstadt hat die Klage gegen den Beschluss des Aufsichtsrates zur Werksschließung zugelassen. Dort dürfte eine umfangreiche Chronik zur Sprache kommen. Sie liegt jetzt öffentlich vor.

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Nachspiel der Werksschließung

Geschäftsführung Betriebsrat. Es ist eine „Chronik des Widerstandes, Hoffnungen, Spaltung, großartiger Solidarität und den Leistungen einer stolzen Bochumer Belegschaft“ – so beschreibt der frühere Betriebsratsvorsitzende des Opel-Werkes in Bochum, Rainer Einenkel, gegenüber TREFFPUNKT BETRIEBSRAT die soeben erschienene Chronik der Stilllegung des Werkes.

In ihr wird ein bedrückendes Schauspiel deutscher Wirtschaftsgeschichte dokumentiert:

Manipulationen

Die Schließung von Opel-Bochum war danach eine politische Entscheidung. Werksvergleiche seien nachweisbar zum Nachteil des Bochumer Werkes durchgeführt worden. Bochum habe ausweislich einschlägiger Studien eine hohe Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit besessen.

Teuerste Werksschließung

Die Schließung von Bochum sei die teuerste Werkschließung für GM und Opel gewesen. Die Kosten werden auf mindestens 700 Millionen Euro veranschlagt.

Falsche Versprechen

Es sei behauptet worden, die Belegschaft habe abgelehnt, bis 2016 in Bochum Autos herzustellen. Einenkel: „Das ist falsch.“ Für diese befristete Lebenszeit habe es niemals eine verbindliche Zusage gegeben.

Grönemeyer im Juni solidarisch

Erst im Juni hatte Rocksänger Herbert Grönemeyer ein Solidaritätskonzert für die Mitarbeiter des Werkes gegeben. „Guten Abend Bochum, ich begrüße alle Opelaner!“, begrüßte Grönemeyer die 30.000 Fans. 7.000 Freikarten hatte es gegeben für 3.500 Opelaner mit Begleitung.

Neue Gesellschaft auf ehemaligem Opel-Gelände

Seit Juli ist die Gesellschaft „Bochum Perspektive 2022“ neuer Eigentümer des Opel-Geländes. Zweck soll die Entwicklung des Opel-Geländes sein. Ab 2017 sollen bis zu 600 Niedriglohnarbeitsplätze entstehen. Sicher sei jedoch noch nichts. Weitere Ansiedlungen und Arbeitsplätze gebe es noch nicht.

Dokumentation des Abrisses des Bochumer Werkes

Die Chronik findet sich auf der Homepage „wir-gemeinsam.eu„, ergänzt durch über hundert Bilder vom Abriss des Bochumer Werkes. „Damit wir aus den Erfahrungen lernen und so etwas niemals wieder passiert“, so ein Opelaner.

 

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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