27.03.2015

Der Betriebsrat bei Thyssen-Krupp Steel tritt zurück.

Der Betriebsrat bei Thyssen-Krupp Steel sieht erheblichen Personalbedarf. Durch Rücktritt will er den Weg für eine Neuwahl frei machen.

Rücktritt Betriebsrat im Stahlwerk

Geschäftsführung Betriebsrat. Duisburg. 27. März 2015 – Der Betriebsrat von Thyssen-Krupp Steel im Duisburger Werk Hamborn/Beeckerwerth ist gestern zurückgetreten. Damit will man die Neuwahl der Arbeitnehmervertretung möglich machen. Diese hält der Betriebsrat für notwendig, weil seine Forderungen nach mehr Personal nicht erfüllt wurden. Eine Kernforderung: Übernahme aller 300 Auszubildenden.

Rücktritt Betriebsrat für Neuwahl

Mit seinem freiwilligen Rücktritt folgt das Gremium mit eindeutiger IG Metall-Mehrheit einem Vergleichsvorschlag des Landesarbeitsgerichtes, meldet die „WAZ“. Vorausgegangen war eine vom Arbeitsgericht in Duisburg bestätigte Wahlanfechtung. Für den neuen Urnengang fordert die IG Metall eine Persönlichkeitswahl. Davon verspricht sie sich größtmöglichen Einfluss der 13.000 Mitarbeiter des Unternehmens auf die personelle Zusammensetzung.

300 junge Menschen

300 junge Menschen treten jährlich bei Thyssen-Krupp in Duisburg ihre Ausbildung an, 100 werden garantiert übernommen. Das sieht eine Vereinbarung mit dem Unternehmen vor. Die Forderung, alle ausgebildeten Lehrlinge unbefristet zu übernehmen, begründete der Stahl-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Günter Back mit erheblichem Personalmangel in den Betrieben. Folge seien Überstunden in erheblichem Umfang und zusätzliche Leistungsverdichtungen.

Aufgrund ihrer Qualifikation dringend gebraucht

Die ausgebildeten Lehrlinge würden aufgrund ihrer Qualifikation dringend gebraucht. „Wer 200 gut ausgebildete Menschen gehen lässt, braucht bei uns keinen Mehrarbeitsantrag mehr zu stellen“, zitiert die Zeitung Back. Der Rücktritt erfolgt vor dem Hintergrund von Zerschlagungsszenarien für den Konzern.

Eder in der Kritik

Massive Kritik übte die bisherige Betriebsratsspitze unterdessen am Chef des österreichischen Stahlkonzerns Voestalpine, Wolfgang Eder. Er ist Präsident des Weltstahlverbandes und hatte unlängst in einem WAZ-Interview wegen angeblicher Überkapazitäten auf dem europäischen Stahlmarkt die Stilllegung von Hochöfen gefordert.

Schließung des TSTG-Schienenwerkes

Dieter Lieske, Erster Bevollmächtigter der Duisburger IG Metall, erinnerte dem WAZ-Bericht zufolge an die Schließung des TSTG-Schienenwerkes vor etwas über einem Jahr durch Voestalpine. Jetzt investiere die Deutsche Bahn wieder stark. „Die 500 Arbeitsplätze wurden ohne Not abgebaut“, so Lieske. Eder verliere „seit Jahren“ kein Wort zu den sozialen Bedingungen und Umweltbelastungen in den Ländern, die Billigstahl produzierten.

Lieske: Eder schlechter Interessenvertreter

Einen „schlechteren Interessenvertreter“ könne die Stahlindustrie gar nicht haben, so Lieske in der Zeitung. Thyssen-Krupp habe sich seit Jahrzehnten auf die Produktion von höherwertigem Stahl konzentriert, diesen Vorsprung gelte es auszubauen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)