Fachbeitrag | Geschäftsführung Betriebsrat
10.12.2015

Rollenspiele: Betriebsratsstrategie im Außenverhältnis

Aus den Erwartungen der Arbeitnehmer und der Arbeitgebervertreter an den Betriebsrat erwachsen immer auch Rollen. Wählen Sie für sich die Rolle, die zu Ihren Anliegen und Ihrer Persönlichkeit passt. Dabei ist es hilfreich, zu wissen, welche „Inszenierung“ im Betrieb gerade gegeben wird.

Betriebsratsstrategie© Rawpixel.com /​ fotolia.com

Geschäftsführung Betriebsrat. Wie in Theaterstücken gibt es auch bei der Betriebsratsarbeit unterschiedliche Inszenierungen, in denen die einzelnen Akteure nicht nur unterschiedliche Rollen spielen, sondern diese auch unterschiedlich interpretieren.

Die passende Rolle für die „Inszenierung“ wählen

Wenn der Arbeitgeber aggressiv auftritt und die Mitbestimmungs- und Mitwirkungsrechte des Betriebsrats immer wieder zu unterlaufen oder zu bekämpfen versucht, ist die Rolle des partnerschaftlichen Betriebsrats wenig sinnvoll. In diesem Fall ist vielmehr der wehrhafte Betriebsrat gefragt, der dem Arbeitgeber immer wieder Grenzen setzt. Andere Rollen können sein: konfrontativ, gleichgültig oder partnerschaftlich. Beim Wechsel von Betriebsratsmitgliedern, gilt es auch zu überlegen, welche Personen zur jeweiligen Inszenierung passen. Manchmal können Sie mit einem Personenwechsel auch eine Änderung anstreben: War das Verhältnis in der Vergangenheit beispielsweise von Gleichgültigkeit auf Seiten des Arbeitgebers geprägt, kann eine integrative Persönlichkeit unter Umständen eine Veränderung in Richtung Partnerschaft herbeiführen.

Die richtige Rolle für die Arbeitnehmer spielen

Viele Betriebsräte bleiben mit ihrer Arbeit unter ihren Möglichkeiten, weil sie die Arbeitnehmer nicht richtig erreichen. Prüfen Sie deshalb, welche Rollen Sie für die verschiedenen Arbeitnehmer spielen: – Für Arbeitnehmer in den unteren Lohngruppen ist die klassische Rolle des Beschützers für Schwächere angebracht. Der Betriebsrat verhindert ungerechte Behandlung und erstreitet materielle Verbesserungen, die die einzelnen Arbeitnehmer alleine nicht durchsetzen könnten. – Je besser die Arbeitnehmer qualifiziert sind, desto weniger fühlen sie sich von einem beschützenden Betriebsrat angesprochen. Die Rolle muss wechseln hin zu einem Wissensspender sowie einem Coach, der die Arbeitnehmer befähigt, sich selbst zu helfen. Oft wird der Betriebsrat auch als Organisator wahrgenommen: Er ermittelt und formuliert den Willen der Arbeitnehmer und trägt ihn gegenüber dem Arbeitgeber vor. Bei beiden Gruppen kann allerdings innerhalb kürzester Zeit ein Rollenwechsel notwendig werden. Will ein Arbeitgeber beispielsweise Betriebsteile schließen, werden alle Arbeitnehmer einvernehmlich nach einem beschützenden Betriebsrat verlangen.

Nicht jede Rolle annehmen

Selbstverständlich kann Betriebsratsarbeit nicht nur darin bestehen, das auszuführen, was andere erwarten. Lassen Sie also nicht zu, dass Ihre Arbeit von den Rollenerwartungen des Arbeitgebers oder der Arbeitnehmer definiert wird. Weisen Sie sich selbst eine Rolle zu, der Sie entsprechen möchten und die mit Ihrer Vision von Betriebsratsarbeit übereinstimmt. Lehnen Sie umgekehrt Rollen ab, die Ihnen angetragen werden. Will der Arbeitgeber zum Beispiel eine partnerschaftliche Zusammenarbeit bei Umstrukturierungen, ist das schwierig: Einerseits können Sie mit Ihrer Mitwirkung dazu beitragen, dass die Veränderungen so sozialverträglich wie möglich ausgeführt werden. Sie werden aber jene Arbeitnehmer enttäuschen, die sich einen beschützenden Betriebsrat gewünscht hätten.

 

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Autor: Redaktion Mitbestimmung 

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