News | Geschäftsführung Betriebsrat 27.01.2017

Rheinbahn-Betriebsrat entsetzt über Politiker-Ausraster

Eine Frau wird von einer Düsseldorfer „Rheinbahn“ erfasst. Sie stirbt am Unfallort. Wahrscheinliche Unfallursache: Ablenkung durch Kopfhörer. Nur ein Vertreter der „Piraten“ verunglimpft Fahrer der „Rheinbahn“ als „Killer“. Deren Betriebsrat ist entsetzt.

Sturm der Entrüstung

Geschäftsführung Betriebsrat. Ein Sturm der Entrüstung, ein Shitstorm im Internet und offenbar mehrere Strafanzeigen von Rheinbahn-Mitarbeitern – all das erntete der „Piraten“-Politiker Michael Theine laut einem Bericht des „Express“ Düsseldorf. Er hatte einen tödlichen Unfall am Donnerstag voriger Woche auf Facebook mit den Worten kommentiert: „Die Rheinbahn-Killer-Fahrer haben nach nur fünf Tagen den ersten Menschen getötet. Mal sehen, ob sie wieder über zehn kommen dieses Jahr.“

Empörung vom Konzern-Betriebsrat

Unmittelbar nach der Veröffentlichung im „Express“ meldete sich der empörte Vorsitzende des Konzern-Betriebsrates der Rheinbahn, Heiko S. Goebel, zu Wort. Er sei „entsetzt über die unverantwortlichen Äußerungen des Herrn Theine“. Der beschimpfe und beleidige einen Rheinbahn-Fahrer, der wie jeder seiner bahn- oder buslenkenden Kollegen täglich mit großem Einsatz hunderte von Menschen sicher an ihr Ziel bringe.

Rücktritt Theines gefordert

Goebel forderte Theine öffentlich auf, von allen politischen Ämtern zurückzutreten und sich öffentlich für sein Fehlverhalten zu entschuldigen. Doch der denkt offenbar nicht daran. Im Gegenteil. Nach so viel Kritik aus dem Netz meldete sich der „Pirat“ erneut zu Wort. Er finde es „extrem beschämend, wenn sich Personen darüber aufregen, dass ich einige Rheinbahn-Fahrer in keinem guten Licht darstelle, aber darüber hinweg gehen, dass hier Menschen verletzt und sogar getötet werden“. Theine: „Sowas kann ich nicht verstehen. Zählt für diese Personen ein unversehrter Mensch nichts?“

Strafanzeige gegen Theine

Mehrere Rheinbahner haben jetzt Strafanzeige gegen Theine erstattet. Aus dem Netz war die Forderung gestellt worden, die Rheinbahn solle den Tatvorwurf des vorsätzlichen Mordes juristisch prüfen lassen. Nichts anderes begehe ein Killer ja.

Kommentar des „Express“

Solidarität erfuhren Mitarbeiter und Betriebsrat der „Rheinbahn“ vom Kommentator des „Express“, Michael Kerst. Es sei keine Frage: Das am schlimmsten betroffene Opfer des furchtbaren Bahnunfalls auf der Kaiserswerther Straße sei selbstverständlich die junge Frau: „Denn sie hat ihr Leben verloren“, so Kerst.

Nicht hinnehmbar und menschenverachtend

Neben der Familie der Toten, aber auch den Zeugen, die das Schreckliche mit ansehen mussten, sei nicht zuletzt aber der Rheinbahnfahrer selbst ein Opfer. Er sei fürchterlich traumatisiert, werde das Erlebte nie vergessen können. Dass ein Politiker einen solchen Fahrer mit dem Begriff „Killer“ belegt, sei „in keiner Weise hinnehmbar und einfach menschenverachtend“. Kerst: „Solche Leute haben nach meiner Überzeugung in der Politik nichts zu suchen!“

Ende einer Politiker-Karriere

Bei dem Unfall hatte eine junge Frau eine Straßenbahn der Linie 78 überhört und übersehen. Wahrscheinlich, wie das Blatt vermutet, weil sie Kopfhörer auf und das Handy vor dem Gesicht hatte. Sie sei vor die Bahn gelaufen, erfasst, mitgeschleift worden und auf der Stelle tot gewesen. Theine hatte bei der letzten Kommunalwahl allerbeste Chancen, in den Düsseldorfer Stadtrat einzuziehen. Die „Piraten“ hatten ihn auf Listenplatz 3 aufgestellt. Doch reichte das Wahlergebnis nicht für den Beginn einer kommunalpolitischen Karriere Theines.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)