20.12.2017

Rentenanspruch von Frauen nur halb so groß wie von Männern

Der Frauen Arbeit endet nie. Wer von Renteneintrittsalter spricht, vergisst das gerne. Umso wichtiger ist die Stärkung ihrer gesetzlichen Rente. Gerade daran aber hapert es. Viele Frauen haben keine oder nur niedrige Einkünfte aus der Altersversorgung. Eine WSI-Studie bringt dazu Fakten.

Betriebsrat Rentenanspruch Frauen

Frauen haben das Nachsehen

Geschäftsführung Betriebsrat. Bei der Altersversorgung haben Frauen das Nachsehen. Alle Einkünfte aus gesetzlicher Rente, Betriebsrente und privater Altersvorsorge zusammengerechnet, liegt die Rentenlücke oder „Gender Pension Gap“ bei 53 Prozent. Das zeigt ein neuer Report des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Die aktuelle Auswertung des WSI-Gender-Daten-Portals zeigt die Geschlechtergerechtigkeit im Ruhestand. WSI-Forscherin Dr. Christina Klenner hat gemeinsam mit Dr. Alexandra Wagner und Dr. Peter Sopp vom Forschungsteam Internationaler Arbeitsmarkt in Berlin die Einkommen von Rentnern und Rentnerinnen verglichen. Ihrer Analyse zufolge schneiden Frauen bei allen drei Säulen der Alterssicherung schlechter ab als Männer.

Gender Pension Gap
Quelle: WSI

Alterssicherungseinkommen von Frauen niedriger

Männer verfügen demnach im Schnitt über mehr als doppelt so hohe Alterssicherungseinkommen wie Frauen. Im Westen fällt die Lücke mit 58 Prozent erheblich größer aus als im Osten mit 28 Prozent (s. Abbildung). Im europäischen Vergleich hat Deutschland damit einen der höchsten Gender Pension Gaps – nur in Luxemburg ist die Differenz noch geringfügig größer. Die mit Abstand wichtigste Säule der Altersversorgung ist die gesetzliche Rente. Zwar sind auch hier die eigenen Ansprüche von Frauen weit niedriger als die von Männern. Jedoch bietet die gesetzliche Rentenversicherung Mechanismen des sozialen Ausgleichs zugunsten von Frauen. So werden hier beispielsweise Phasen der Kindererziehung anerkannt. Die Höhe der gesetzlichen Rente betrug 2015 bei Männern durchschnittlich 1.154 Euro, bei Frauen 634 Euro pro Monat – eine Differenz von 45 Prozent.

Kluft bei betrieblicher Altersversorgung

Deutlich größer ist laut Studie die Kluft bei der betrieblichen Altersversorgung in der Privatwirtschaft. Hier liegen Frauen mit 240 Euro knapp 60 Prozent gegenüber Männern mit 593 Euro zurück. Zudem haben nur sieben Prozent der Rentnerinnen überhaupt eigene Ansprüche aus der betrieblichen Altersversorgung, von den männlichen Ruheständlern immerhin 26 Prozent. Günstiger stellt sich die Situation im öffentlichen Dienst dar. In den Genuss einer Zusatzversorgung kommen zwölf Prozent der Frauen und zehn Prozent der Männer. Diese erhalten aber auch hier mit im Schnitt 369 Euro deutlich mehr als Frauen mit 234 Euro. Laufende Leistungen aus der privaten Altersvorsorge beziehen fünf Prozent der Männer und zwei Prozent der Frauen, die mit durchschnittlich 311 Euro deutlich weniger ausgezahlt bekommen als Männer mit 485 Euro.

Gesetzliche Rentenversicherung

Besser als Männer mit 303 Euro gesetzliche Rentenversicherung schneiden Frauen mit im Schnitt 660 Euro nur bei den Hinterbliebenenrenten ab. Für Frauen sei es besonders wichtig die gesetzliche Rente zu stärken, schreiben die Forscherinnen. Viele Frauen hätten keine oder nur niedrige Einkünfte aus der betrieblichen und privaten Alternsversorgung. „Gerade für Frauen gilt, dass sie Rentenverluste bei der ersten Säule, der gesetzlichen Rente, kaum anderweitig kompensieren könnten“, so Klenner.

Traditionelle Arbeitsteilung

Die Autoren erklären die Rentenlücke mit der traditionellen Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern. Berufstätige Frauen nähmen häufiger Auszeiten für Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen, arbeiteten öfter in Teilzeit, würden im Schnitt schlechter bezahlt. Sie würden dementsprechend weniger Rentenansprüche erwerben. 85 Prozent der Rentner in den alten Bundesländern kämen auf mindestens 30 Versicherungsjahre, Rentnerinnen nur auf 45 Prozent. Pro Versicherungsjahr sammelten sie im Schnitt nur drei Viertel der Entgeltpunkte der Männer. Der Abstand zu den Alterseinkommen der Männer nehme dabei von Jahr zu Jahr etwas ab. Immer mehr Frauen seien erwerbstätig. Sorgearbeit werde mittlerweile zum Teil bei der Rente honoriert. Allerdings werde die Differenz auch deshalb kleiner, weil die Alterseinkünfte der Männer tendenziell sinken. Aus den Anwartschaften der aktuell Erwerbstätigen zwischen 25 und 65 Jahren ergibt sich bei der gesetzlichen Rente aber immer noch eine Lücke von 24 Prozent.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist Journalist und Autor des Werkes Wirtschaftswissen für den Betriebsrat.)