21.08.2019

Psychoreport 2019: Viele leiden unter Depressionen

Überlastung, Depression, Angststörung: Dreimal mehr Arbeitnehmer werden wegen psychischer Probleme krankgeschrieben als noch vor 20 Jahren. Das zeigt eine DAK-Studie mit neuen Zahlen. Auch regionale Unterschiede gibt es.

Depressionen

Psychische Probleme nehmen zu

Große Aufmerksamkeit in den Medien fand der Ende Juli von der DAK veröffentlichte „Psychoreport 2019“. In ihm ist zu lesen, dass sich die Zahl der Krankschreibungen wegen psychischer Probleme in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdreifacht habe. Das gehe aus einer Langzeituntersuchung der DAK-Gesundheit hervor, durch die die Krankenkasse die Fehltage ihrer Versicherten seit 1997 auswertete. Die Krankschreibungen von Arbeitnehmern wegen psychischer Leiden erreichten demnach im Jahr 2017 einen Höchststand.

In der DAK-Gesundheit sind mehr als fünf Millionen Menschen versichert. Sie gehört damit zu den größten gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland. Im Schnitt fiel 2017 dem Bericht zufolge jeder Versicherte wegen psychischer Probleme für zweieinhalb Tage auf der Arbeit aus. Zwanzig Jahre vorher waren es im Schnitt nur 0,7 Krankheitstage pro Versichertem. Erst 2018 ging die Zahl der Fehltage wegen psychischer Leiden nach stetigem Anstieg erstmals wieder leicht zurück.

Depression ist die häufigste Diagnose

Über den Gesamtzeitraum dieser DAK-Untersuchung hinweg fehlten Arbeitnehmer am häufigsten wegen der Diagnose Depression. Dahinter folgen sogenannte Anpassungsstörungen – diese treten zum Beispiel nach schweren Schicksalsschlägen auf oder nach einschneidenden Veränderungen im Leben. Danach kommen neurotische Störungen und Angststörungen. „Burnout“ spielt kaum eine Rolle. Seit 2012 habe diese Diagnose im Krankheitsgeschehen deutlich an Relevanz verloren, heißt es. Allerdings wurde Burnout 2018 im Vergleich zum Vorjahr wieder etwas öfter auf Krankschreibungen notiert (5,3 Fehltage je 100 Versicherte zu 4,6 Fehltage je 100 Versicherte).

Aber beim Blick auf das Alter fehlten Arbeitnehmer „60plus“ mit neun Fehltagen je 100 Versicherte am meisten wegen Burnout im Job. Insgesamt steigen die Fehltage aufgrund von Burnout mit dem Alter an. Erst vor Kurzem hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Burnout als Syndrom eingestuft. Dieses entstehe aufgrund von chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet werde.

Unterschiede zwischen Bundesländern

Der DAK-Report zeigt auch, dass die Zahl der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen mit dem Alter kontinuierlich zunimmt. Auch Frauen sind den Angaben zufolge fast doppelt so häufig wegen Seelenleiden krankgeschrieben als Männer.

Weiter hieß es, in der öffentlichen Verwaltung und im Gesundheitswesen seien „überproportional viele Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen“ zu verzeichnen. Im Ländervergleich sind die Bayern am wenigsten wegen psychischer Probleme krank (1,9 Fehltage pro Versichertem im Jahr 2018), die Saarländer am häufigsten (3,1 Fehltage).

Psychische Probleme kein Tabu-Thema mehr

DAK-Vorstandschef Andreas Storm führt den deutlichen Anstieg der Krankschreibungen auch auf einen offeneren Umgang mit psychischen Problemen zurück: „Vor allem beim Arzt-Patienten-Gespräch sind psychische Probleme heutzutage kein Tabu mehr.“ Deshalb werde auch bei Krankschreibungen offener damit umgegangen. DAK-Vorstandschef Storm sagte aber auch, dass in Betrieben dies oft anders aussehe. Auch Arbeitgeber müssten psychische Belastungen und Probleme aus der Tabuzone holen und ihren Mitarbeitern Hilfe anbieten.

Diese Einschätzung wird von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde geteilt. Der Verband fordert allerdings mehr Einsatz für Früherkennung und Prävention, denn die meisten psychischen Erkrankungen manifestierten sich bereits in den ersten Lebensjahrzehnten.

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)