News | Geschäftsführung Betriebsrat
13.09.2016

Praktika ohne Mindestlohn

Der Betriebsrat vertritt die Interessen aller Beschäftigten, auch die der Praktikanten. Bis auf wenige Ausnahmen muss der Arbeitgeber für sie den Mindestlohn zahlen, aber immer häufiger versuchen Arbeitgeber, bei Praktika den Mindestlohn zu umgehen oder normale Arbeitsverhältnisse in Praktika ohne Mindestlohn umzuwandeln. Für den Betriebsrat ist es wichtig, die Tricks zu kennen.

Schlupfloch bei Praktikas im Mindestlohngesetz© contrastwerkstatt /​ fotolia.com

Unterschiedliche Formen des Praktikums

Geschäftsführung Betriebsrat. Im Jahr werden ca. 600.000 Praktika pro Jahr absolviert, über 60 % davon von Frauen. Zu den Praktika gehören die Pflichtpraktika vor und während Ausbildung oder Studium, studienbegleitende freiwillige Praktika, die Praktika zum Einstieg in einen Beruf und in der Praxis immer häufiger anzutreffenden Mischformern von Pflicht- und Freiwilligenpraktika.

Schlupfloch im Mindestlohngesetz

Bevor der Mindestlohn von 8,50 € pro Stunde eingeführt wurde, verdiente ein Praktikant durchschnittlich 4,50 €. Problem: Der Mindestlohn wir nicht für jedes Praktikum gezahlt. § 22 Abs. 1 MiLoG enthält Ausnahmen. Um den Mindestlohn zu erhalten, müssen folgende Voraussetzungen vorliegen:

  • Der Praktikant muss mindestens 18 Jahre alt sein. Minderjährige haben nur mit abgeschlossener Berufsausbildung Anspruch auf den Mindestlohn.
  • Das Praktikum muss länger als drei Monate dauern.
  • Es handelt sich um ein freiwilliges Praktikum. Bei Pflichtpraktika, die von Schule, Hochschule oder Ausbildungseinrichtung vorgeschrieben sind, ist kein Mindestlohn zu zahlen, ebenso nicht bei Praktika im Rahmen der Einstiegsqualifizierung nach SGB III und Maßnahmen nach Berufsbildungsgesetz, die die Berufsausbildung vorbereiten sollen.

Arbeitgeber hebeln den Mindestlohn aus

Um den Mindestlohn zu umgehen, machen Arbeitgeber aus Freiwilligen- kurzerhand Pflichtpraktika, kombinieren diese Formen oder reduzieren die offiziell zu leistende Arbeitszeit.

Einige Beispiele:

  • Ein Arbeitgeber vergibt den Praktikumsplatz nur, wenn sich der Praktikant, der eigentlich ein freiwilliges Praktikum machen wollte, vorher von der Universität bescheinigen lässt, dass es sich um ein Pflichtpraktikum handelt.
  • Ein Praktikant macht zuerst ein sechsmonatiges Pflichtpraktikum und dann drei Monate ein freiwilliges Praktikum. Der Arbeitgeber händigt ihm für jedes Praktikum einen separaten Vertrag aus und zahlt nichts.
  • Der Praktikant arbeitet offiziell in der Woche 20 Stunden und erhält dafür den Mindestlohn. In Wirklichkeit beträgt sein Arbeitspensum 38 Stunden – die reguläre Arbeitszeit im Betrieb.
  • Sach- und Zusatzleistungen wie eigentlich kostenlose Getränke werden vom Mindestlohn abgezogen.
  • Aus kurzfristigen Beschäftigungen wie Ferienjobs werden kurzerhand Praktika.

Wie man unschwer erkennt, sollte der Gesetzgeber die Ausnahmen im Mindestlohngesetz nochmals prüfen und die Schlupflöcher schließen. Eine interessante Studie zum Thema hat die DGB Gewerkschaftsjugend veröffentlicht: „Praktikum und Mindestlohn. Der Faktencheck“

Mit dieser Checkliste können Sie alle wichtigen Punkte prüfen, die Sie vor der Einstellung eines Praktikanten bedenken sollten.

Autor: Astrid Hedrich (Rechtsanwältin und Dozentin in Augsburg. Beschäftigt sich mit Wirtschaftsrecht.)

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