News | Mitbestimmung
22.01.2016

Porsche-Betriebsrat redet mit bei Werkvertrag

Der Betriebsrat von Porsche darf bei Einschaltung von Fremdfirmen mitbestimmen. Die oft strittigen Werkverträge dürfen nicht mehr von der Unternehmensleitung im Alleingang abgeschlossen werden. Die IG Metall schreibt sich den Erfolg gut. Der Arbeitgeberverband bleibt kritisch.

Werkvertrag© pgottschalk /​ fotolia.com

Mehrstufige, sachbezogene Mitbestimmung

Mitbestimmung. Der Betriebsrat von Porsche mit seinem Vorsitzenden Uwe Hück und die Porsche-Firmenspitze haben sich bei Werkverträgen geeinigt. Das berichtet die „Badische Zeitung“. Danach soll es künftig eine mehrstufige, sachbezogene Mitbestimmung bei Werkverträgen geben. Das Abkommen werde den Umgang mit Werkverträgen enorm verändern, verspricht Hück dem Bericht zufolge.

Versuchslabor für Werkverträge

Porsche sei das Versuchslabor für Werkverträge, zitiert das Blatt Guido Machowski, Sozialdemokrat und Betriebsratsvorsitzender beim Autozulieferer Schnellecke. Schellecke stelle als Werkvertragsunternehmen Porsche in Leipzig 700 werksfremde Arbeiter bei 3000 Beschäftigten der Stammbelegschaft. Hier sei derart massiv ausgelagert worden wie bei keiner anderen Autofabrik in Deutschland.

Satte Gewinnbeteiligung für feste Porsche-Mitarbeiter

Kein anderes Unternehmen setze so stark auf die Ausgliederung wie Porsche in Leipzig, so Machowski. Ein Festangestellter bei Schnellecke beginnt ihm zufolge mit elf oder zwölf Euro Stundenlohn. Das seien fünf bis sechs Euro weniger als ein festangestellter Porsche-Werker bekomme. Der erhalte jedes Jahr aber auch noch „eine satte Gewinnbeteiligung“, so Machowski.

Vetorecht der örtlichen Betriebsräte

Die jetzt getroffene Vereinbarung sehe ein Vetorecht der örtlichen Betriebsräte vor. Zudem gebe sie ihnen ein Vorschlagsrecht für alternative Beschäftigungsformen. Zunächst gelte sie für die Betriebe in und um Stuttgart. Erst danach soll sie auch in Leipzig umgesetzt werden.

Nur anständige Verträge

Prinzipiell habe sich Hück nicht gegen Fremdvergaben ausgesprochen. Er wolle nur anständige Verträge. Die Mitbestimmung dürfe für ihn nicht umgangen und Menschen nicht von Subunternehmen ausgebeutet werden.

Aufruf von Betriebsräten

Im Südwesten Deutschlands haben die Betriebsräte von Daimler, Mahle, Bosch, ZF und John Deere einen entsprechenden Aufruf an die Bundesregierung, gegen den Missbrauch von Werkverträgen vorzugehen, unterschrieben.

Zitzelsberger: Werkvertragsunternehmen Betriebsänderungen

IG Metall-Landesbezirksleiter Roman Zitzelsberger hält Vergaben an Werkvertragsunternehmen grundsätzlich für Betriebsänderungen, die mit dem Betriebsrat zu beraten seien. Entsprechend begrüßt er die Vereinbarung: „Damit ist ein weiterer Schritt gelungen, um Missbrauch bei diesem Thema einzudämmen und die Mitbestimmung zu stärken“, sagte er laut „Badischer Zeitung“.

Wolf: Porsche-Modell keine Blaupause

Die Arbeitgeber sehen dagegen in Werkverträgen ein wichtiges Instrument zur Flexibilisierung, etwa um auf Nachfrageeinbrüche zu reagieren. Für Südwestmetall-Chef Stefan Wolf seien Werkverträge Kernbestandteil unternehmerischer Freiheit. Das Porsche-Modell ist für ihn keine Blaupause für Lösungen im Flächentarif.

Autor: Friedrich Oehlerking 

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