News | Arbeitsrecht
18.11.2015

Porsche-Betriebsrat künftig Co-Pilot bei Werkverträgen

Betriebsrat erkämpft Mitbestimmung bei Werkverträgen.

Werkverträge ja, aber nicht ohne den Betriebsrat. Seine Mitwirkung bei der Aushandlung von Fremdbeschäftigung hat jetzt der Betriebsrat von Sportwagenhersteller Porsche erreicht. Bei Volkswagen strebt der Betriebsrat ähnliche Regelungen an. Sie könnten Vorbildcharakter für die gesamte Metall- und Elektroindustrie haben.

© busifull /​ fotoilia.com

Verständigung zu Werkverträgen

Arbeitsrecht. Stuttgart. 18. November 2015 – Sie stehen im Fokus gewerkschaftlicher Kritik: Werkverträge in der Industrie. Vorstand und Betriebsrat von Porsche in Stuttgart haben sich nun darüber verständigt. Die Arbeitnehmervertreter haben der Porsche-Führung eine Vereinbarung zur „sachbezogenen Mitbestimmung“ abgerungen. Danach dürfen sie künftig bei jeder Fremdvergabe mitreden.

Werkverträge 2.0

Auftragsvergaben an externe Firmen sind für Mitarbeitervertreter oft ein Ärgernis. Zumal, wenn durch solche Aufträge etwa zur Logistik oder Instandhaltung von Maschinen das hohe Gehaltsniveau der Stammbelegschaft umgangen werden soll. Das jetzt getroffene Abkommen mit Porsche werde den Umgang mit Werkverträgen „enorm verändern“, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Uwe Hück der „Stuttgarter Zeitung“. Er sei nicht gegen Fremdvergaben. Man wolle aber anständige Verträge haben. Hück: „Die Mitbestimmung darf nicht umgangen, Menschen dürfen nicht von Subunternehmen ausgebeutet werden.“

Vorbildcharakter für Metall- und Elektroindustrie

Aus Sicht von Hück hat die Vereinbarung „Vorbildcharakter“ in der Metall- und Elektroindustrie. In der IG Metall sei die sachbezogene Mitbestimmung auf „hohe Zustimmung“ gestoßen. Der Gesamtbetriebsrat von Volkswagen, Bernd Osterloh, strebt dem Bericht zufolge Vergleichbares für sein Unternehmen an, werde es aber anders umsetzen. „Es wird einen Kulturwandel in Deutschland geben“, zitiert das Blatt Hück. Viele Betriebsräte wollten es haben, „jetzt brauchen wir nur die Arbeitgeber, die das genauso sehen“, so Hück. Es werde einen „Kulturschock“ geben, Führungskräfte würden sich „enorm verändern müssen“.

Übertragung auf andere Porsche-Standorte

Details zu Art und Weise der neuen Mitbestimmung bei Fremdvergaben wurden nicht bekannt. Die Vereinbarung gilt für die Porsche-Standorte Stuttgart-Zuffenhausen und Weissach.

Zweigleisiges Verfahren für Leipzig

Auf den Standort Leipzig soll das Modell im ersten Halbjahr 2016 „eins zu eins“ übertragen werden, so Hück laut „Stuttgarter Zeitung“. Vorgesehen sei hier ein zweigleisiges Verfahren.

Dienstleistungs-Tarifvertrag in Planung

Mit der IG Metall und dem Arbeitgeber sei ein Dienstleistungs-Tarifvertrag in Planung. Was heute fremdvergeben werde wie Instandhaltung oder Teile der Logistik, will der Betriebsrat in den Tarifvertrag holen. „Was wir nicht reinholen können, werden wir über sachbezogene Mitbestimmung einfangen“, so Hück.

 

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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