News | Personalrat 16.12.2015

Pflegeausbildungsreform in der Ressortabstimmung

Die Qualität der Pflege soll gesteigert und die Attraktivität des Pflegeberufs erhöht werden, um die Pflegeausbildung zukunftsfähig zu machen. Die bisherigen Ausbildungen in der Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege werden weiterentwickelt und zu einem neuen einheitlichen Berufsbild zusammengeführt. Das ist im Wesentlichen das Ziel eines Pflegeberufsgesetzes, das vom Bundesgesundheitsministerium und dem Bundesfamilienministerium der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Es befindet sich jetzt in der Abstimmung der Ressorts. Danach entscheidet das Bundeskabinett über den Gesetzentwurf.

Familienpflegezeit

Ziel des Gesetzes ist eine zukunftsfähige Pflegeausbildung zur Steigerung der Qualität der Pflege und Erhöhung der Attraktivität des Pflegeberufs. Der Referentenentwurf des Pflegeberufsgesetzes beinhaltet:

  1. eine neue generalistische berufliche Pflegeausbildung mit einem einheitlichen Berufsabschluss
  2. eine einheitliche Finanzierung mit Schulgeldfreiheit und Ausbildungsvergütung
  3. die erstmalige Einführung eines Pflegestudiums als Ergänzung zur beruflichen Pflegeausbildung

 

Nachstehend die von den Bundesministerien veröffentlichten Eckpunkte:

Einheitliche generalistische Pflegeausbildung mit einem Berufsabschluss

  • Die demografische Entwicklung prägt und verändert unsere Gesellschaft. Die Sicherung der Fachkräftebasis in der Pflege ist eine der gesellschaftspolitisch wichtigen Aufgaben der kommenden Jahre. Gute Pflege kann ohne eine ausreichende Zahl qualifizierter und motivierter Pflegefachkräfte nicht gewährleistet werden.
  • Das Pflegeberufsgesetz soll einen wesentlichen Beitrag leisten, um diesen Herausforderungen gerecht zu werden. Es setzt die langjährig vorbereitete Reform der Pflegeberufe endlich um.
  • Es wird eine neue, generalistisch ausgerichtete berufliche Pflegeausbildung mit einem Berufsabschluss eingeführt, die die bisherigen Ausbildungen ablöst. Die neue Berufsbezeichnung lautet „Pflegefachfrau“ oder „Pflegefachmann“.
  • Veränderte Versorgungsstrukturen und Pflegebedarfe in der Akut- und Langzeitpflege verändern auch die Anforderungen an Pflegefachkräfte. Während in den Pflegeeinrichtungen immer mehr medizinische Behandlungspflege erbracht werden muss, steigt in den medizinischen Versorgungseinrichtungen der Anteil Pflegebedürftiger, z.B. demenzkranker Menschen. In der neuen Pflegeausbildung werden übergreifende pflegerische Qualifikationen zur Pflege von Menschen aller Altersgruppen in allen Versorgungsbereichen vermittelt: in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und in der ambulanten Pflege.
  • Die neue Pflegeausbildung ist eine dreijährige Fachkraftausbildung mit Unterricht an Pflegeschulen und praktischer Ausbildung bei einem Ausbildungsträger und weiteren Einrichtungen. Sie schließt mit einer staatlichen Abschlussprüfung. Die Auszubildenden wählen im Rahmen der praktischen Ausbildung einen Vertiefungseinsatz, der im Zeugnis ausgewiesen wird.

Kostenfreiheit der neuen Pflegeausbildung für Auszubildende, einheitliche Finanzierung

  • Im Entwurf des Pflegeberufsgesetzes ist die einheitliche Finanzierung der neuen beruflichen Pflegeausbildung geregelt, die bundesweit eine qualitätsgesicherte Ausbildung ermöglicht.
  • Qualifizierte Pflegefachkräfte können ohne Deckelung der Ausbildungszahlen zur Sicherung der Fachkräftebasis in der Pflege ausgebildet werden. Ausbildende Einrichtung in der ambulanten oder in der stationären Langzeitpflege zu sein, bedeutet künftig keinen Wettbewerbsnachteil mehr.
  • Die neue berufliche Pflegeausbildung ist für die Auszubildenden kostenfrei. Sie erhalten eine angemessene Ausbildungsvergütung.
  • Alle der bisher beteiligten Kostenträger sind an der Finanzierung der neuen Pflegeausbildung über Landesausbildungsfonds beteiligt.

Einführung eines Pflegestudiums

  • Tragende Säule der neuen Pflegeberufsausbildung ist auch zukünftig die berufliche Ausbildung. Ergänzend tritt das berufsqualifizierende Pflegestudium hinzu.
  • Die Zunahme hochkomplexer Pflegebedarfe, die zunehmende Multimorbidität der Pflegebedürftigen, der Grundsatz „ambulant vor stationär“ und der technische und wissenschaftliche Fortschritt begründen die Notwendigkeit einer das Angebot der beruflichen Ausbildung flankierenden Pflegeausbildung an Hochschulen mit erweitertem Ausbildungsziel.
  • Ziel ist es, den Transfer des stetig fortschreitenden pflegewissenschaftlichen Wissens in die Pflegepraxis und die Innovationsfähigkeit der Pflege aufbauend auf dem neuesten Stand der Wissenschaft und des technischen Fortschritts zu fördern.
  • Das Studium wird mindestens drei Jahre dauern und mit der Verleihung des akademischen Grades abschließen; die staatliche Prüfung zur Erlangung der Berufszulassung wird Bestandteil der hochschulischen Prüfung. Die Berufsbezeichnung „Pflegefachfrau“ bzw. „Pflegefachmann“ wird in Verbindung mit dem akademischen Grad geführt. Die Finanzierung obliegt – allgemeinen Grundsätzen der Studienfinanzierung entsprechend – den Ländern.
  • Die Einführung eines Pflegestudiums, das zur unmittelbaren Pflege qualifiziert, ist ein wichtiges politisches Signal für die Weiterentwicklung der Pflege als Profession und als eigenständiger Berufsbereich. Das Pflegestudium eröffnet neue Karrieremöglichkeiten und spricht neue Zielgruppen an. Es besteht Nachfrage nach berufsqualifizierenden Studienangeboten in der Pflege.

Pflegeausbildungsreform will Qualität verbessern, Attraktivität steigern

  • Das neue Pflegeberufsgesetz wird die notwendige Grundlage für eine zukunftsfähige Pflegeausbildung, eine weitere Verbesserung der Pflegequalität und die Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufs schaffen. Das Berufsbild „Pflege“ und die berufsständische Identifikation werden durch die einheitliche Ausbildung gestärkt.
  • Gute Qualität in der Pflege setzt gut ausgebildete Pflegefachkräfte voraus. Neben die inhaltliche Modernisierung und Weiterentwicklung der beruflichen Pflegeausbildung treten Maßnahmen zur Verbesserung des Unterrichts und der praktischen Ausbildung, z.B. durch eine angemessene Praxisanleitung vor Ort.
  • Die Pflegeausbildung wird durchlässig: von den landesrechtlich geregelten Helferausbildungen über die berufliche Pflegeausbildung bis hin zum Pflegestudium – die Attraktivität des Berufsfeldes erhöht sich. Neben das Argument der Beschäftigungssicherheit tritt das der Karriereperspektive.

Der neue Pflegeberuf bietet bundesweit mehr und vielfältigere wohnortnahe Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten als die meisten anderen Berufe. Der mit der einheitlichen Pflegeausbildung vereinfachte Wechsel zwischen den Pflegebereichen eröffnet zusätzliche Einsatz- und Aufstiegsmöglichkeiten.

Autor: Werner Plaggemeier (Werner Plaggemeier ist Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“. )