News | Personalrat
25.01.2016

Pflege: Beschäftigte kennen ihre Rechte zu wenig

Auch ein Jahr nach Einführung der neuen Regelungen zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf denkt die große Mehrheit der erwerbstätigen Deutschen nicht, dass sich Beruf und Pflege gut vereinbaren lassen. Der Personalrat könnte auch hierüber informieren.

Familienpflegezeit© Zhenikeyev /​​​​​ iStock /​​​​​ Thinkstock

Nach einer repräsentativen Erhebung der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) sind lediglich 7 % der Erwerbstätigen der Meinung, man könne parallel zum Berufsleben gut oder sogar sehr gut für einen pflegebedürftigen Angehörigen sorgen. Zwar ist das Gesetz faktisch in Kraft getreten, aber noch nicht in der Erwerbsbevölkerung angekommen, so das Fazit des ZQP. Die aktuellen gesetzlichen Regelungen böten zwar vielfältige Entlastungsmöglichkeiten, dennoch blieben die Maßnahmen zu oft ungenutzt, weil viele Berufstätige noch nicht ausreichend über die bestehenden Gesetze informiert seien, sagte Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP.

Vereinbarkeit von Beruf und Pflege – Informationsdefizit

Auf die Frage, wie gut sich die Teilnehmer der Umfrage über die Regelungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege informiert fühlen, antworteten 84 % mit „eher schlecht“ oder „sehr schlecht“. So ist z.B. der großen Mehrheit die Familienpflegezeit unbekannt (ebenfalls 84 %), die einen Rechtsanspruch auf reduzierte Arbeitszeit und teilweise Freistellung vorsieht. Ähnliches gilt auch für die halbjährige Pflegezeit (82 %) sowie die zehntägige Freistellung (72 %). Selbst bei Personen mit eigener Pflegeerfahrung gilt: Nicht einmal die Hälfte kennt die verschiedenen Optionen.

Dabei würden womöglich mehr Menschen die Möglichkeiten nutzen, wenn sie besser darüber Bescheid wüssten. dies zeigt sich bei der Familienpflegezeit: Je besser sich die Befragten über das Gesetz informiert fühlen, desto eher können sie sich vorstellen, es auch in Anspruch zu nehmen. Bei den gut informierten Befragten sind es 44 %. Von denen, die ihre Kenntnisse als schlecht einschätzen, würden sich lediglich 30 % dafür entscheiden.

Zudem äußern Berufstätige, die keine Familienpflegezeit für sich in Betracht ziehen, vielfältige Vorbehalte: 76 % geben finanzielle Gründe und 23 % organisatorische Probleme an. Auch die Angst vor beruflichen Nachteilen würden immerhin 43 % davon abhalten, die Familienpflegezeit tatsächlich zu nutzen. Zudem bestehen nach wie vor Ängste, dass Vorgesetzte (19 %) oder Kollegen (9 %) wenig Verständnis haben. „Unsere Studienergebnisse zeigen auch, dass die Möglichkeiten der Politik, die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege zu fördern, begrenzt sind. Deshalb ist vor allem eine pflegesensible Unternehmenskultur gefordert, um einen offeneren Umgang mit dem Thema Vereinbarkeit von Beruf und Pflege zu ermöglichen, aber auch um betrieblich passende Unterstützungsangebote für Mitarbeiter anbieten zu können“, so Suhr.

Autor: Werner Plaggemeier 

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