04.02.2020

Personalgewinnung: Die Rahmenbedingungen müssen sich ändern

Fachkräfte werden bereits heute händeringend gesucht. Das gilt auch für den öffentlichen Dienst, wie es auf einer Fachtagung im Januar 2020 in Köln mehr als deutlich zu hören war. Wer Personal gewinnen möchte, muss aber den Interessenten Gewichtiges anbieten. Dazu gehört nicht nur eine gute, zumindest „auskömmliche“ Bezahlung. Auch andere Rahmenbedingungen müssen akzeptabel sein. Gewaltandrohung oder gar -anwendung tolerieren zu müssen, gehört gewiss nicht dazu. Die Arbeit gleich auf mehreren Arbeitsplätzen zu leisten, auch nicht. Eine gute Work-Life-Balance mit familienfreundlichen Arbeitszeiten und Bedingungen hingegen schon eher.

Personalgewinnung

Vorrangiges Ziel: Mehr Personal

Auf einer Fachtagung in Köln Anfang Januar 2020 sagte der Bundesinnenminister, dass auf die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Dienstes Verlass sei. Damit dies so bleibe und man den Anforderungen an eine moderne Verwaltung gerecht werden könne, sei es nun notwendig, Ideen für die Zukunft zu entwickeln. Eine in diesem Sinne bereits erfolgte wichtige Weichenstellung sei das im Beamtenbereich ab 2020 in Kraft getretene Besoldungsstrukturenmodernisierungsgesetz. Hinsichtlich der Gewalt gegenüber Beschäftigten des öffentlichen Dienstes wies er auf die Notwendigkeit hin, neben strafrechtlichen Verschärfungen auch das gesellschaftliche Klima gegenüber uniformierten Polizei- und Rettungskräften zu verbessern sowie den Respekt und die Anerkennung gegenüber diesen zu stärken. Mit Blick auf die im Herbst anstehende Einkommensrunde für die Beschäftigten von Bund und Kommunen unterstrich der Bundesinnenminister, dass der öffentliche Dienst im massiven Wettbewerb mit der Privatwirtschaft um qualifiziertes und motiviertes Personal stehe. Deswegen sei die Schaffung attraktiver Einkommens- und Arbeitsbedingungen weiterhin von großer Bedeutung. Er wolle aber zunächst für eine ausreichende Personalausstattung sorgen. Erst im Anschluss könne man sich dann dem Thema Arbeitszeit widmen.

Größte Personallücke: Kommunalverwaltung

Was wird aber, wenn unter diesen Bedingungen nicht ausreichend neues Personal gewonnen werden kann? Landauf und landab sucht neben der Wirtschaft auch der öffentliche Dienst händeringend Fachkräfte. Das gilt für viele Berufe, besonders in den Bereichen Ärzte, Pflegepersonal, Sozialpädagogen, IT-Fachleute, Lehrer, Erzieher und Ingenieure. Personal fehle fast überall, heißt es. Die Lücke soll nach einer Umfrage des Beamtenbunds auf fast 300.000 fehlende „Staatsdiener“ angewachsen sein. Andere Veröffentlichungen schildern einen Bedarf von 185.000. In einzelnen Bereichen besteht folgendes Bild:

Bundespolizei 25.000
Landespolizeien 25.000
Steuerverwaltung 21.000
Zoll 5.600
Schulen 32.000
Kommunalverwaltung 138.300
Öffentl. Gesundheitsdienst 5.500
Kranken- und Altenpflege 40.000
Arbeitsverwaltung 1.500
Justiz 3.000

Folgen des Personalmangels kratzen am Image

Die Befürchtungen von Verbandsvertretern sind nicht von der Hand zu weisen, dass bei einer Fortsetzung der Entwicklung die Stimmung gegenüber dem Staat kippt, sowohl bei der Bevölkerung als auch bei den Beschäftigten. Ständige Mehrarbeit wegen fehlender Besetzung anderer Arbeitsplätze kann bei den Beschäftigten schnell zur „Inneren Kündigung“ führen.

Vertrauensverlust in der Bevölkerung

60 Prozent der Bevölkerung hält den Staat bei der Erfüllung seiner Aufgaben derzeit für überfordert. Das ist ein alarmierendes Anzeichen für den Vertrauensverlust in die Leistungsfähigkeit des Staates. Dass sich das ändert, kann bezweifelt werden. Denn in den kommenden zehn Jahren werden zudem mehr als 1,3 Millionen Beschäftigte in den Ruhestand gehen. Damit steht ein gewaltiger Verlust von Arbeitskraft und Know-how bevor. Wer aber junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen möchte, muss bei den Arbeitsbedingungen flexibel sein. Eine gute Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Privatleben spielt dabei eine herausragende Rolle. Dazu gehört nicht nur die Arbeitszeit (im öffentlichen Dienst gibt es relativ häufig Schicht-, Sonntags- und Feiertagsdienst), sondern auch die Arbeitsform.

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)