22.09.2017

Opel-Betriebsrat verärgert über Selbstinszenierung der Chefs

Zwei Opel-Chefs stehen in voller Rennfahrermontur auf der Rennstrecke am Nürburgring. So lassen sie sich für eine Homestory einer Zeitung ablichten. Beim Betriebsrat kommt derlei nicht gut an. Und schon gar nicht, wenn man dabei unklare Hinweise auf die Zukunft von Jobs gibt.

Selbstinszenierung Opel-Chefs

Für Zeitungsinterview am Nürburgring

Geschäftsführung Betriebsrat. Der Opel-Gesamtbetriebsrat ist verärgert. Anlass ist ein gemeinsames Interview von Konzernleiter Carlos Tavares und Marken-Chef Michael Lohscheller. Wie „Wallstreet Journal“ unter Bezugnahme auf dpa berichtet, hatten sich die beiden Automanager für ein Zeitungsinterview am Nürburgring in Rennanzügen fotografieren lassen. PSA -Chef Tavares machte dabei als neuer Eigner des Rüsselsheimer Autobauers erneut deutlich, dass allein dauerhafte Gewinne die Jobs der Opel-Beschäftigten sicher könnten.

Öffentliche Selbstinszenierungen

Nach Informationen der „Mainzer Allgemeinen Zeitung“ hält der Gesamtbetriebsrat von Opel „nichts von solchen öffentlichen Selbstinszenierungen“. Aussagen, dass in einer kapitalistischen Marktwirtschaft Opel profitabel sein muss, um Arbeitsplätze zu schützen, sei eigentlich keine Meldung wert. Nur bediene man in der derzeitigen Situation damit eine Stimmung gegen die Belegschaft. „Das ist verantwortungslos“, zitieren die Medien aus einem internen Newsletter des Konzerns, der in Firmenkreisen bestätigt worden sei. Solche Aussagen würden der Marke schaden.

Zukunftskonzept bis November

Die Opel Automobile GmbH mit Opel als deutscher und Vauxhall als britischer Marke gehört seit August zum französischen PSA-Konzern. Das Management soll bis November ein Zukunftskonzept für die seit 1999 defizitäre Ex-General-Motors-Tochter vorlegen. Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall beschäftigten etwa 38 000 Mitarbeiter in sieben europäischen Ländern, die Hälfte davon in Deutschland. Die Beschäftigten in den deutschen Werken sind über einen Tarifvertrag bis Ende 2018 vor Entlassungen sicher.

Abstimmung mit dem Betriebsrat

„Wir werden diese Aufgabe mit vollem Elan, mit der Unterstützung von PSA und selbstverständlich in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat sowie den Gewerkschaften angehen“, sagt Lohscheller, Hauptgeschäftsführer und CEO der Opel Automobile GmbH, laut einer Pressemitteilung des Unternehmens. Synergien mit der PSA-Gruppe, etwa bei Einkauf und Entwicklung, sollen dabei eine wesentliche Rolle spielen. Der Unternehmenszusammenschluss wird für wesentliche Skaleneffekte bei Einkauf, Fertigung sowie Forschung und Entwicklung sorgen, die nach derzeitigem Stand auf 1,7 Milliarden Euro geschätzt werden. Das Ziel ist, einen positiven Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit sowie einen operativen Gewinn von zwei Prozent bis 2020 und sechs Prozent bis ins Jahr 2026 zu generieren.

Schlankere Management-Struktur

Für die Zukunft plant Lohscheller mit einer deutlich schlankeren Management-Struktur. Dies betrifft auch die Zahl der Direktberichter an den CEO. „Wir bauen Komplexität ab und erhöhen die Geschwindigkeit“, sagt Lohscheller. Er freue sich darauf, Opel/Vauxhall gemeinsam mit dem neuen Management eine neue Gestalt zu geben und das Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Anteilseigner sowie Angestellte werden dabei nicht als einzige von den erstarkten Marken Opel und Vauxhall profitieren, „für unsere Kunden wird dies ebenfalls ein großer Gewinn sein“, so der Manager.

Pläne für die Zukunft

PSA und Opel/Vauxhall arbeiten bereits seit 2012 zusammen. Diese Kooperation umfasst bislang vier Fahrzeuge von Opel. Das erste Modell, der Opel Crossland X, steht seit Ende Juni bei den Händlern. Im Herbst folgt das SUV Opel Grandland X eine Fahrzeugklasse höher. Der Nachfolger des leichten Nutzfahrzeuges Opel Combo wird 2018 auf den Markt kommen; und 2019 wird die nächste Generation des Bestsellers Opel Corsa präsentiert. Opel/Vauxhall und die PSA-Gruppe werden auch in Zukunft mit General Motors zusammenarbeiten. Neben der Entwicklung von elektrischen Antrieben werden die Opel-Werke weiterhin Fahrzeuge für die GM-Marken Buick und Holden produzieren. Parallel dazu befindet sich die Übernahme der europäischen Geschäfte von GM Financial auf gutem Weg – vorbehaltlich der Zustimmung durch die verschiedenen Regulierungsbehörden – und ist für die zweite Jahreshälfte 2017 vorgesehen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)