News | Geschäftsführung Betriebsrat
07.07.2016

Obi-Gesamtbetriebsrat wehrt sich gegen Betriebsratsbusting

Wo gibt es Nägel? Bei Obi. Und wo einen Hammer? Auch bei Obi. Und wo werden jetzt Betriebsräte gebustet? Bei Obi, wo sonst? Das zumindest wirft Dienstleistungsgewerkschaft ver.di der Heimwerkerfachmarktkette vor. Obi selbst wollte sich auf Mediennachfrage nicht dazu äußern.

Filialschließung© Arcady /​ fotolia.com

Obi-Baumarkt Augsburg macht nicht zu – noch nicht

Geschäftsführung Betriebsrat. Eigentlich hätte seit Freitag der Obi-Markt in Augsburg geschlossen sein sollen. Doch es kam anders. Vor der Niederlassung der Baumarktkette Obi demonstrierten etwa 30 Mitarbeiter gegen das Management und gegen Obi-Miteigentümer Karl-Erivan Haub. Auf ihrem orangefarbenen Plakat war einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge zu lesen: „Herr Haub, so leicht werden Sie uns nicht los!“

Termin vor Arbeitsgericht geplatzt

Am Freitagnachmittag wäre Termin vor dem Arbeitsgericht gewesen. Doch die Sitzung wurde überflüssig. Das Management öffnete den Markt doch – entgegen seiner ursprünglichen Ankündigung. Für die Mitarbeiter ein kleiner Sieg – allerdings ein ungewisser. Die Unternehmensführung äußerte sich nicht dazu, ob und wie lange sie die Filiale nun weiterbetreiben will.

Auch Obi NRW und Sömmerda auf Abschussliste

Nicht nur Obi Augsburg steht auf der Abschussliste der Baumarktkette. Weitere Schwerpunkte der Umstrukturierung sind Nordrhein-Westfalen und die Filiale Sömmerda. Sie sollte mit Wirkung zum 1. Juli 2016 an eine offenbar eigens gegründete Franchise-Firma verkauft werden.

Bezahlung der Mitarbeiter nach dem Einzelhandelstarifvertrag

Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet, gab es bei der Baumarktkette seit Jahren Auseinandersetzungen um die Bezahlung der Mitarbeiter nach dem Einzelhandelstarifvertrag. Dafür wurde wiederholt in den Märkten gestreikt. Die Baumarktkette befindet sich mehrheitlich im Besitz von Haubs Tengelmann-Gruppe und beschäftigt bei einem Umsatz von 6,7 Milliarden Euro im Jahr 2015 nach Angaben der „Süddeutschen Zeitung“ mehr als 46.000 Mitarbeiter.

Tengelmann und die Gewerkschaften

Auch um Tengelmann gibt es Auseinandersetzungen mit den Gewerkschaften. Die Gruppe wurde erst kürzlich von Deutschlands größtem Lebensmittelhändler Edeka übernommen. Seit März verhandelt Edeka mit den Gewerkschaften ver.di und NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten) über die Übernahme von rund 450 Filialen der Supermarktkette Kaiser‘s Tengelmann, bislang ohne Ergebnis.

Angriff auf existierende Betriebsrätestrukturen

Als frontalen Angriff auf existierende Betriebsrätestrukturen und Beschäftigte kritisierte letzte Woche die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di das Vorgehen der Unternehmensführung von Obi. Auf einer überraschend einberufenen Sondersitzung hatte diese vorletzte Woche dem Wirtschaftsausschuss des Gesamtbetriebsrats (GBR) die Entscheidung gegen Augsburg mitgeteilt. Die Beschäftigten hätten demnach mit sofortiger Wirkung von der Arbeit freigestellt werden sollen.

Aufgriff auf Obi-GBR

Nach einem Bericht des „MDR“ sind just die beiden Baumärkte von der Schließung bedroht, in denen die vorsitzenden Betriebsräte beschäftigt sind:

  • der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates, Bernhard Groening, in Sömmerda und
  • seine Stellvertreterin bei Obi in Augsburg.

Sie würden somit aus ihren Funktionen entfernt. Weder auf Anfrage des MDR noch der FAZ oder der Süddeutschen Zeitung reagierte die Unternehmensleitung der Baumarktkette. Wo gibt es einen Maulkorb? Auch bei Obi?

Autor: Friedrich Oehlerking 

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