15.04.2020

Notlösung Homeoffice

In der durch die Corona-Pandemie entstandenen Not griff man auf „Arbeiten von zu Hause“ zurück, auf Homeoffice. Logisch! Aber sie wird jetzt nicht „alternativ“ für einen Teil der Arbeitszeit erbracht. Das Coronavirus wird seine Schrecken leider nicht schon nach der ersten Welle verloren haben. Wie soll es weitergehen, bis die 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung endlich immun geworden sind? Wäre es sinnvoll, die jetzt notdürftig geschaffene Struktur des Homeoffice unter Beachtung der Arbeitsstättenverordnung auch ergonomisch auszubauen und diese Arbeitsform in den Dienststellen auf eine gesicherte Grundlage einer Dienstvereinbarung zu stellen? Vielleicht wäre es sogar möglich, für alle in Betracht kommenden Beschäftigten eine Sowohl-als-auch-Situation in der Dienststelle und zu Hause zu schaffen.

Corona

Nur wenige möchten im Homeoffice arbeiten

Noch in der Arbeitszeitbefragung der BAuA 2017 gaben etwa 60 Prozent der abhängig Beschäftigten an, nicht in Telearbeit („Homeoffice“) arbeiten zu wollen. Damals bestand aber nur die Vorstellung, einen Teil der Arbeit von zu Hause aus zu erledigen. Nur rund jeder achte Beschäftigte hatte Telearbeit mit seinem Arbeitgeber vereinbart. Gleichzeitig arbeitete aber knapp jeder Dritte ohne Vereinbarung gelegentlich von zu Hause aus. Nach den Erkenntnissen der Arbeitsschutz-Fachkräfte geht dieses ungeregelte Arbeiten von zu Hause aus häufig mit hoher Arbeitsbelastung und Überstunden einher. Daher sei es für die Gesundheit und Work-Life-Balance von Beschäftigten wichtig, die Arbeit von zu Hause aus gut zu gestalten und die individuellen Bedürfnisse der Beschäftigten zu berücksichtigen. Mehr hierzu können Sie in dem baua-Bericht „BAuA-Arbeitszeitbefragung: Telearbeit in Deutschland“ lesen.

Und jetzt?

Heute hat man in der Not auf Homeoffice, also Telearbeit, zurückgegriffen. Im Interesse eines Infektionsschutzes wird sie jetzt natürlich nicht etwa „alternativ“ als Teil der Arbeitszeit erbracht. Diese Arbeitsform macht es in Zeiten des Infektionsschutzes möglich, die vereinbarte Arbeit als Pflicht gegenüber dem Arbeitgeber zu erbringen. Das geschieht in der momentanen Not unter extremen Umständen, denn zeitgleich evtl. nörgelnde, auch kreischende Kinder zu betreuen und darüber hinaus sie auch noch im „Homeoffice-Unterricht“ anzuleiten, überfordert jeden. Ein solches Homeoffice stand nie zur Debatte. Jetzt wird aber auch allen klar, dass „normale“ Telearbeit die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf bedeutend verbessert und dass durch sie lange Pendelzeiten erheblich verringert und vorerst sogar vermieden werden können.

Wie soll es weitergehen?

Wie wollte man heute in Großraumbüros arbeiten mit „social distancing“? Um die Anforderungen zu erfüllen, müssten noch größere Räume geschaffen werden, was wahrscheinlich gar nicht möglich ist. Folglich müssten die Dienststellen neue Flächen kostenwirksam bereitstellen. Das Coronavirus wird wohl seine Schrecken nicht schon nach der ersten Welle verloren haben. Wie aber soll es weitergehen, bis die 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung endlich immun geworden sind? Deshalb wäre es sinnvoll, die jetzt notdürftig geschaffene Struktur der Telearbeit unter Beachtung der Arbeitsstättenverordnung auch ergonomisch auszubauen und auf eine geregelte Ebene einer Dienstvereinbarung zu stellen. Zudem könnte geprüft werden, ob für die in Betracht kommenden Beschäftigten eine Sowohl-als-auch-Situation in der Dienststelle und zu Hause sinnvoll ist. Die Dienststellen könnten dadurch die eigene Infrastruktur an neue Erfordernisse besser anpassen. An all das sollten heutzutage die Personalräte denken und Verhandlungen mit den Dienststellenleitern aufnehmen.

Welche Regelungen müssen vereinbart werden?

Vor der Corona-Pandemie arbeitete ein weitaus größerer Teil der Beschäftigten (31 Prozent) gelegentlich ohne eine betriebliche Vereinbarung von zu Hause aus. Diese Beschäftigten arbeiteten jedoch länger und mit höherer Intensität als Beschäftigte mit einer Vereinbarung über Telearbeit. Die Ergebnisse legen nahe, dass sie ihre Arbeit mit nach Hause nahmen, wenn sie die Arbeit in der regulären Arbeitszeit nicht bewältigen konnten. Außerdem wurden die Beschäftigten ohne Vereinbarung häufiger in ihrer Freizeit beruflich kontaktiert. Bei ihnen überwogen insgesamt die belastenden Arbeitsanforderungen, da sie zum Teil über weniger Ressourcen verfügten.

Arbeitszeit, Überstunden und soziale Kontakte

Die Autorinnen und Autoren der BAuA-Studie weisen darauf hin, dass auch bei der Arbeit von zu Hause aus die geltenden arbeitszeitgesetzlichen Regelungen (Rahmenarbeitszeiten) einzuhalten sind. Dementsprechend muss auch bei Telearbeit auf Tageshöchstarbeitszeiten und auf Ruhezeiten geachtet werden. Konkrete Telearbeitsvereinbarungen können sicherstellen, dass die Beschäftigten von zu Hause aus nicht über das vereinbarte Ausmaß hinaus arbeiten. Zudem sollte darauf geachtet werden, dass nach der Pandemie auch im Homeoffice die sozialen Kontakte zu Kollegen und Führungskräften wieder ausgeweitet werden.

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)