News | Geschäftsführung Betriebsrat
04.05.2016

Neue Rolle für Gewerkschaften in digitaler Arbeitswelt

Schöne neue digitale Arbeitswelt. Sie wirft ihre Schatten voraus. Auch die Gewerkschaften überlegen eifrig. Was bringt sie für sie? Die Klientel verlässt zur Arbeit nicht einmal mehr das Heim. Überraschenderweise ist das für eine Gruppe gar keine Frage: die Unternehmen.

Digitale Arbeitswelt© WavebreakmediaMicro /​ fotolia.com

Gewerkschaften und neue digitale Arbeitswelt

Geschäftsführung Betriebsrat. Die Digitalisierung verändert so gut wie alles. Auch die Arbeitswelt. Und in ihr die Gewerkschaften. Sie stehen vor einschneidenden Veränderungen. Aber sie werden nicht verschwinden. Davon gehen acht von zehn Unternehmen in Deutschland (82 Prozent) aus. Ihrer Einschätzung nach werden Gewerkschaften auch bei fortschreitender Digitalisierung eine Rolle spielen.

Künftig keine Rolle für Gewerkschaften?

Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Digitalverbandes Bitkom unter 504 Geschäftsführern und Personalverantwortlichen von Unternehmen ab 10 Mitarbeitern. Nur jedes sechste Unternehmen (16 Prozent) erwartet demzufolge umgekehrt, dass Gewerkschaften künftig keine Rolle mehr spielen werden.

Handel und Industrie skeptischer

Vor allem im Handel und in der Industrie wird von jeweils 19 Prozent der Befragten die Zukunft der Gewerkschaften skeptisch gesehen, bei Dienstleistern (10 Prozent) liegt der Anteil deutlich darunter.

Auswirkungen auf Organisationen von Beschäftigten

„Digitalisierung verändert die Geschäftsmodelle der Unternehmen und die Art, wie Menschen arbeiten“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Das habe auch Auswirkungen auf Organisationen, die die Interessen von Beschäftigten vertreten. Neue Arbeitsformen wie Crowdworking, aber auch hochspezialisierte Experten, die ihre Dienste freiberuflich auf Zeit zur Verfügung stellen, erforderten einen neuen Diskurs zwischen Beschäftigtenvertretern, Unternehmensvertretern und der Politik sowie die Beteiligung weiterer Gruppen.

Arbeitsbedingungen nicht nur Sache von Politik und Tarifpartnern

Geht es nach einer Mehrheit von 52 Prozent der Unternehmen, vor allem Dienstleistungsunternehmen und Industrie, dürften Arbeitsbedingungen künftig nicht mehr alleine von der Politik und den Tarifpartnern ausgehandelt werden. Stattdessen sollten neben Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden auch Vertreter von Selbstständigen und neuen Arbeitsformen wie Crowdworking mit am Tisch sitzen.

Arbeitszeitgesetz oder Arbeitsstättenverordnung

Arbeitszeitgesetz oder Arbeitsstättenverordnung orientierten sich immer noch zu stark an einem überkommenen Bild von Arbeit. Nötig sei eine „flexiblere Arbeitsgestaltung“. Sie müsse den Erfordernissen der digitalen Wirtschaft ebenso wie den Interessen vieler Beschäftigter entsprechen, findet Rohleder.

Arbeit im Home Office

56 Prozent der Befragten zufolge verhindert die Arbeitsstättenverordnung mit Vorgaben für Arbeit im Home Office eine flexiblere Arbeitsorganisation in ihrem Unternehmen. Und jeder Dritte wünscht sich eine Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes, etwa durch Öffnungsklauseln.

Antiquierte Gesetze?

Rohleder: „Wer sich nachmittags um die Kinder kümmert und dafür lieber später am Abend zu Hause noch dienstliche Mails beantwortet und am nächsten Tag früh ins Büro will, darf nicht durch antiquierte Gesetze an seiner Selbstbestimmung gehindert werden.“ – Antiquierte Gesetze, die einen solchen Dauerstress verhinderten? Schöne neue digitale Arbeitswelt.

Autor: Friedrich Oehlerking 

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