News | Geschäftsführung Betriebsrat
23.03.2016

Nestlé-Betriebsrat gegen Werksschließung

„What else?“ Wenn Nestlés Markenbotschafter George Clooney so fragt, gibt es keine andere Antwort: Nespresso. Wenn der Betriebsrat des Werkes in Mainz Mombach das fragt, hat er eine Antwort, die Unternehmensleitung gerade diese aber nicht: Mainz Mombach. Das Werk dort wird geschlossen.

Werksschließung© Markus Bormann /​ fotolia.com

Ohne Vorwarnung

Geschäftsführung Betriebsrat. Die Nachricht traf ohne Vorwarnung ein. Weder der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling noch Betriebsrat oder Belegschaft des Werkes in Mombach waren vorgewarnt worden: Der Nestlé-Produktionsstandort in Mombach wird 2017 schließen. Nestlé wird nun stattdessen den neuen Produktionsstandort Schwerin weiter ausbauen und im Osten massiv expandieren.

Benachrichtigung auf Betriebsversammlung

Die Belegschaft des Nestlé-Werks wurde erst am Donnerstagmittag vergangene Woche in einer Betriebsversammlung über die Werksschließung informiert, berichtet „Merkurist.Mainz“. Alle seien „sehr betroffen und die Stimmung sehr bedrückt“ gewesen, zitiert die Plattform einen Mitarbeiter des Unternehmens, der selbst schon mehrere Jahre bei Nestlé arbeitet.

Tränen flossen

Die Kollegen hätten sich auf dem Hofgelände gegenseitig in den Armen gelegen und Trost gespendet, Tränen seien geflossen. „Manche arbeiten seit mehr als 40 Jahren in dem Werk. Wir sind wie eine große Familie“, so der Mitarbeiter.

Fraglicher Zustand des Werks

Diese Familie wird nun auseinandergerissen. Alle 380 Mitarbeiter sowie 25 Auszubildenden sind betroffen. Der angeblich schlechte Zustand des Werks wird als Grund für die Schließung genannt. Auch der Nestlé-Mitarbeiter beschreibt das Werk als „hochgradig sanierungsbedürftig“.

Alternativen zur Werksschließung

Eine Modernisierung der Gebäude und Betriebsanlagen als Alternative zur Werksschließung wird von der Firmenleitung als unwirtschaftlich angesehen. „Das Werk ist für eine moderne Kaffeeproduktion nicht ausgelegt und im europäischen Maßstab nicht effizient genug“, so der Pressesprecher Hartmut Gahmann.

Veraltete Technik

Die vorhandene Technik sei teilweise schon umgebaut und veraltet, der Materialfluss nicht mehr effizient. Die Kosten einer Umstrukturierung des Werkes werden auf mehr als 160 Millionen Euro veranschlagt. Deswegen habe man sich zur Schließung entschlossen.

Mainzer Oberbürgermeister verärgert

Der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling hatte Vorwürfe erhoben. Das Unternehmen sei hochprofitabel. Es hätten nur keine Reinvestitionen in die Bausubstanz stattgefunden. Dies weist Gahmann zurück. „Herr Ebling kann das gar nicht beurteilen.“ Pro Jahr seien fünf bis zehn Millionen Euro in das Mombacher Werk investiert worden.

Rabenschwarzer Tag

„Wir verlieren ein Traditionsunternehmen. Das ist ein rabenschwarzer Tag für Mainz“, so Ebling. Die Nachricht sei ohne jeglichen Vorlauf gekommen. Er selbst sei unmittelbar vor der allgemeinen Bekanntgabe der Schließung vom Werkleiter Edgar Jäckle informiert worden.

Expansion im Osten

Über die Art und Weise des Abschiedes sei Ebling verärgert: „Dass eine Modernisierung der Gebäude und Betriebsanlagen nach Aussage der Firmenleitung als unwirtschaftlich dargestellt wird, nehme ich dann doch verärgert zur Kenntnis.“

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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