20.05.2019

Nachwuchsmangel – Gefahr für den öffentlichen Dienst

Die Handlungsfähigkeit des öffentlichen Dienstes ist nach Aussage der Unternehmensberatung McKinsey gefährdet, wenn nicht gegengesteuert wird. Die Personallücke würde bis 2030 auf mehr als 730.000 Beschäftigte anwachsen. Allein auf der mittleren Führungsebene würden bis dahin 400.000 Beschäftigte fehlen. Bis 2030 gingen 1,8 Millionen Beschäftigte von Bund, Ländern und Kommunen in den Ruhestand. Das entspreche etwa jedem dritten Mitarbeiter. Voraussichtlich kämen in den nächsten zwölf Jahren aber nur knapp 1,3 Millionen Neueinsteiger dazu, so McKinsey

Nachwuchsmangel

Nachwuchsschwierigkeiten: Was sind die Gründe?

Eine neue Studie der Unternehmensberatung McKinsey „Die Besten – wie der öffentliche Sektor als Arbeitgeber punkten kann“ besagt, dass der öffentliche Dienst mehr gegen den Nachwuchsmangel tun muss, wenn er seiner Aufgabe auch künftig noch zur Zufriedenheit der Bürger nachkommen will. Das Unternehmen hat eine Umfrage unter 165 Führungskräften jeweils zu einem Drittel auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene durchgeführt. Zusätzlich wurden Experteninterviews mit Entscheidungsträgern aus dem öffentlichen Dienst geführt. Demnach

  • berichten 77 Prozent der Befragten, dass die Besten eines Jahrgangs nie oder nur selten in ihrer Organisation anfangen,
  • 30 Prozent von ihnen beklagen, dass die Hälfte der Bewerber ihre Angebote ablehnten,
  • 59 Prozent der Befragten nennen nicht erfüllte Gehaltsvorstellungen als Hauptgrund, warum die mittlere Führungsebene den öffentlichen Sektor verlässt und in die Privatwirtschaft wechselt,
  • auch der Mangel an Aufstiegsmöglichkeiten und attraktiven Karrierepfaden oder motivierenden Vorgesetzten spielten eine große Rolle,
  • 10 Prozent der Befragten sind mit der Personalgewinnung ihrer Dienststelle zufrieden.

 

Welche Vorteile bietet der öffentliche Dienst?

Punkten kann der öffentliche Dienst mit der Sicherheit des Arbeitsplatzes oder einer guten Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Gerade Vorzüge wie flexible Arbeitszeitmodelle oder Homeoffice-Optionen sollten stärker betont werden. Diese Vorzüge müssten potenziellen Nachwuchsstaatsdienern aber möglicherweise noch besser vermittelt werden, rät McKinsey. Die Studie kann hier im Internet abgerufen werden.

Zukunft in der Verwaltung – Was sagen Studierende?

Es gibt aber auch eine im April 2019 bekannt gegebene Studie, die benennt, was Studierende in Deutschland davon abhält, ihre berufliche Zukunft in Verwaltungen zu planen, und wie der Öffentliche Dienst gegensteuern kann. Neben finanziellen Gründen sind es auch individuelle Aufstiegsmöglichkeiten, eine moderne IT-Infrastruktur, die auch mobiles Arbeiten ermöglicht, eine offene und innovative Arbeitskultur sowie eine zielgruppenspezifische Rekrutierung, die von den Studierenden vermisst werden. Mehr darüber können Sie hier lesen.

 

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)