News | Geschäftsführung Betriebsrat
31.08.2016

Nach Lieferboykott: VW-Betriebsräte beschuldigen Lieferfirmen

Volkswagen und die Lieferfirmen der Prevent-Gruppe haben sich geeinigt, Kurzarbeit ist vom Tisch, jetzt geht es an die Aufräumarbeiten nach dem Lieferboykott. Für die Betriebsräte des Autobauers tragen die Schuld an dem Streit die Lieferfirmen. Bei denen bleibt die Angst um die Arbeitsplätze.

Einigung im VW-Lieferboykott© salman2 /​ fotolia.com

Einigung nach Machtprobe

Geschäftsführung Betriebsrat. VW und die beiden Zulieferer haben ihre beispiellose Machtprobe beendet. Wie „dpa“ letzte Woche meldet, arbeiten sie wieder zusammen. Nach zwanzigstündigen Verhandlungen einigten sich Europas größter Autobauer und die beiden Unternehmen der Prevent-Gruppe, Car Trim GmbH und ES Automobilguss, („Themenwelt Betriebsrat & Personalrat“ berichtete) auf ein Ende des tagelangen Lieferboykotts.

Geschäftsbeziehungen langfristig fortführen

Über Einzelheiten der Einigung schweigen beide Seiten. Immerhin so viel von ES Automobilguss: man hätte sich darauf verständigt, die Geschäftsbeziehungen langfristig fortzuführen „in Form einer gegenseitigen, vertrauensvollen und verbesserten partnerschaftlichen Zusammenarbeit in allen Bereichen“. Für die weitere Kooperation seien „Prinzipien“ abgestimmt worden, sagte Alexander Gerstung, Mitglied der Geschäftsleitung. Außerdem habe es eine „gütliche und faire Einigung“ über bisher offene finanzielle Themen gegeben.

Wiederaufnahme der Produktion in Vorbereitung

Die betroffenen VW-Standorte bereiten nun die Wiederaufnahme der Produktion vor. Kurzarbeit dürfte sich für die Werke in Emden, Wolfsburg, Kassel und Zwickau somit erledigen. Die Presseagentur zitiert einen Sprecher des VW-Werkes Kassel-Baunatal vergangenen Dienstag. Danach müsste seit letztem Donnerstag die volle Kapazität wieder erreicht sein.

Verzicht auf gegenseitige Schadenersatzansprüche

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, VW und Prevent hätten auf gegenseitige Schadenersatzansprüche verzichtet. Die zuvor erfolgte Kündigung einer umfangreichen Kooperation habe man teilweise rückgängig gemacht. Zudem blieben beide Prevent-Firmen bei VW mindestens weitere sechs Jahre im Geschäft.

Sorge um Zukunft des Standortes Schönheide

Bei Beschäftigten der Firma ES Automobilguss im erzgebirgischen Schönheide herrscht aber auch nach einer Betriebsversammlung die Sorge um die Zukunft des Standortes. „Die Stimmung ist schlecht, wir wissen eigentlich nicht mehr als vorher“, sagte Christian Schelakovsky vom ES-Betriebsrat „dpa“ zufolge. Den Mitarbeitern sei unklar, ob die Lieferverträge mit Volkswagen auch über 2018 hinausgingen – dann enden die bisherigen Verträge.

VW darf andere Lieferanten suchen

Bei den von VW benötigten Getriebeteilen dürfe sich VW in den kommenden sechs Jahren einen weiteren Lieferanten suchen, allerdings „nur im Umfang von 20 Prozent“. Außerdem sei eine Vertragsstrafe vereinbart worden, sollten künftig Zulieferungen ausfallen. Ein VW-Sprecher sagte auf Anfrage von „dpa“ lediglich: „Wir haben über die Inhalte der heutigen Vereinbarung Stillschweigen vereinbart, und daran halten wir uns.“

Osterloh: VW-Partner schuld

Unterdessen übt der Betriebsratsvorsitzende von VW, Bernd Osterloh, scharfe Kritik am Verhalten der Lieferfirmen. Der Produktionsstopp bei Volkswagen hängt aus seiner Sicht zweifelsfrei am Verhalten des VW-Partners. Schließlich habe der seine Teilezulieferungen eingestellt, gibt ihn „Merkur“ wieder.

Osterloh: VW sollte sich an Partnern stärker beteiligen

Unterdessen bringt Osterloh vor dem Wochenende ein stärkeres Engagement des Konzerns bei den Partnern ins Gespräch. Aufgrund der Erfahrungen aus den vergangenen Tagen benötige man noch ein zusätzliches Warnsystem, um derartige Risiken für Volkswagen weiter zu reduzieren. Ein denkbarer Ansatz dabei seien Minderheitsbeteiligungen oder Vorkaufsrechte, sagte Osterloh laut „Handelsblatt“ bei einem Besuch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Flexibilisierungsmaßnahmen bis hin zu Kurzarbeit

In Emden, Wolfsburg, Zwickau, Kassel, Salzgitter und Braunschweig könnten wegen des Lieferstopps insgesamt 27.700 Mitarbeiter teils noch bis Ende August nicht wie eigentlich geplant arbeiten, berichtete VW über die „Flexibilisierungsmaßnahmen bis hin zu Kurzarbeit“. In Wolfsburg sind rund 10.000 Mitarbeiter betroffen, in Emden 7.500, in Zwickau 6.000, in Kassel 1.500, in Salzgitter 1.400 und in Braunschweig 1.300.

Autor: Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist erfahrener Journalist und berät Betriebsräte bei ihrer Pressearbeit.)

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