News | Betriebsvereinbarung
15.12.2015

Moderne Technologien: Arbeitnehmer frühzeitig einbeziehen

Manche Unternehmen sind sich ihrer Verantwortung sehr wohl bewusst – manche aber auch weniger. Eine Auswertung von zweieinhalbtausend Betriebsvereinbarungen belegt jetzt einen höchst unterschiedlichen Umgang mit modernen Technologien im Verhältnis zu den Beschäftigten.

Moderne Technologien© 3dkombinat /​ fotolia.com

Arbeitnehmer frühzeitig einbeziehen

Betriebsvereinbarungen. Der Einsatz moderner Technologien wird die Arbeit stark verändern. Umso wichtiger ist es, Arbeitnehmer und ihre Vertreter frühzeitig einzubeziehen. In manchen Unternehmen gibt es bereits Vereinbarungen zwischen Betriebsrat und Management. Die einen regeln zumindest Teilaspekte der digitalen Umwälzungen. In anderen hapert es noch hier und da.

Betriebsräte sollten sich früh engagieren

Betriebsräte sollten sich so früh wie möglich dafür einsetzen, den bevorstehenden Wandel zu gestalten. Zugleich müssen sie mit mehr Rechten ausgestattet werden. So wesentliche Ergebnisse einer Untersuchung von Dr. Manuela Maschke und Nils Werner aus der Mitbestimmungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung. „Faire, transparente Regeln sind nicht nur im Interesse der Beschäftigten“, betont Maschke. Sie seien Voraussetzung für motivierte, selbstverantwortliche Arbeit. Maschke: „Ohne sie können moderne Unternehmen gar nicht funktionieren.“

Auswertung von 2.500 Betriebsvereinbarungen

Maschke leitet das Archiv für Betriebsvereinbarungen. In diesem liegen den Angaben zufolge insgesamt rund 2.500 Abkommen vor. Sie regelten auf unterschiedliche Weise den Einsatz von Technik. Beispiele sind etwa die Nutzung mobiler Geräte, Social Media oder Datenschutz. Darüber hinaus betreffe die Digitalisierung Themen wie Arbeitszeit, Arbeitsprozesse, Gesundheitsschutz oder Weiterbildung. Auch dazu gebe es bereits praktische Erfahrungen.

Betriebs- und Personalräte heute früher beteiligt

Immerhin: Betriebs- und Personalräte würden heute tendenziell früher beteiligt als noch vor zehn Jahren. Die neuen technischen Möglichkeiten erlaubten auf der einen Seite mehr Freiheiten und Flexibilität. Auf der anderen Seite verlangten sie dem einzelnen Beschäftigten mehr ab. Arbeiten sei zu jeder Zeit und an allen Orten möglich, wachsende Leistungsverdichtung und ständige Erreichbarkeit erzeugten viel Druck. „Individuell Grenzen können kaum gesetzt werden“, so die Autoren.

Erfolge von Betriebsräten in der Industrie

Betriebsräte könnten unterdessen einiges erreichen. Das zeigten aktuelle Fälle:

  • Bei Volkswagen habe man etwa vereinbart, Server außerhalb der vertraglichen Arbeitszeit für tariflich Beschäftigte abzuschalten.
  • Daimler habe einen elektronischen Abwesenheitsassistenten namens „Mail on Holiday“ eingerichtet. Er lösche automatisch alle E-Mails, die während des Urlaubs eingehen. Die Botschaft: Man muss nicht im Urlaub arbeiten.
  • Der Betriebsrat von BMW habe eine Vereinbarung zur Gestaltung der mobilen Arbeit ausgehandelt. Beschäftigte sollen danach die Vorteile flexibler Arbeitszeiten und -orte nutzen können, ohne die Freizeit einzubeziehen. Dies werde unter anderem durch das Recht auf Nichterreichbarkeit gewährleistet.
  • Auch bei Bosch habe man beschlossen, Arbeitszeit und -ort eigenverantwortlich und aufgabenbezogen wählen zu können. Die Arbeitszeit werde aufgezeichnet und entsprechend vergütet.

Erreichbarkeit einhegen, Überleistung bezahlen

Der Nutzen des Arbeitens werde unabhängig von Zeit und Ort wachsen, gibt sich Maschke zuversichtlich – Voraussetzung: die allgegenwärtige Erreichbarkeit wird eingehegt und über die vereinbarte Arbeitszeit hinausgehende Leistung bezahlt.

Autor: Friedrich Oehlerking 

Produkte und Veranstaltungen

Produktempfehlungen

Aktuelle Veranstaltungen