26.10.2017

Moderne Medien: Als Betriebsrat digital ganz vorne dabei

In vielen Betriebsräten wird mit Uralt-PCs gearbeitet, die Internetverbindung ist schlecht, Datenbanken des Unternehmens nicht zugänglich. Häufig wird achselzuckend auf den Arbeitgeber verwiesen – er genehmige eben nicht mehr. Doch in vielen Fällen ist der Betriebsrat selbst das Innovationshemmnis. Das Gegenmittel ist, den Arbeitgeber als „Räuberleiter“ zu nutzen und jede technische Neuerung im Unternehmen ganz selbstverständlich mitzumachen.

Sachmittel Betriebsrat

Geschäftsführung Betriebsrat. Jeder Betrieb hat den Betriebsrat, der ihm entspricht. Dieser Zusammenhang wird zwar selten ausgesprochen, aber er liegt vielen Vorstellungen zugrunde. Schließlich sei ein mittelständischer Betrieb mit 50 Mitarbeitern nicht Daimler Benz oder VW, entsprechend bescheidener müsse ein Betriebsrat im kleineren Unternehmen auftreten.

Gleiche Möglichkeiten für alle

Es ist natürlich richtig, dass sich die Möglichkeiten eines Betriebsrats auch an der Betriebsgröße orientieren. Doch viele Betriebsräte werden vom Arbeitgeber vorsätzlich „klein“ gehalten. Selbst bereits vorhandene Technik wird ihnen nicht zugestanden. Und weitaus häufiger bekämen Betriebsräte eine deutlich bessere Ausstattung, wenn sie diese denn einfordern würden. Dabei geht es ganz einfach: Schauen Sie, über welche Mittel der Arbeitgeber in seinen Prozessen und in der Ausstattung verfügt und fordern Sie das gleiche für den Betriebsrat ein.

Hinweis

Wichtig ist auch der Blick über den Tellerrand des eigenen Betriebes hinaus. Hilfreich sind hier – vielleicht über Seminarbesuche geknüpft – Kontakte zu Betriebsräten aus etwas größeren Betrieben als Ihr eigener. Dadurch sehen Sie, in welche Richtung Sie den Betriebsrat entwickeln können und durch den Austausch von Wissen, Anregungen und Tipps vermeiden Sie Fehler.

Jede Neuerung ist interessant

In den meisten Betrieben sind ständige Veränderungen die Regel: neue Maschinen werden angeschafft, Kommunikationswege entwickelt und Arbeitnehmer mit neuen Fähigkeiten eingestellt. Nehmen Sie solche Veränderungen bewusst auf und fragen Sie sich, wie der Betriebsrat die Neuerungen gewinnbringend für sich nutzen kann. – Hängt der Arbeitgeber z.B. Bildschirme in den Abteilungen auf, um die Arbeitnehmer zentral und digital informieren zu können, hat auch das klassische Schwarze Brett des Betriebsrats ausgedient. Es kann durch Betriebsratsbildschirme in jeder Abteilung ersetzt werden. – Werden neue Sensoren für die Messung und Steuerung von Arbeitsvorgängen geplant, ist der Betriebsrat natürlich im Rahmen seiner Mitbestimmungsrechte gefragt. Aber er kann gleichzeitig beantragen, stets Einsicht in die Auswertungen zu bekommen, um sie als Grundlage für die Betriebsratsarbeit zu nutzen. – Bildschirme, Tastaturen und Software sowie das Intranet sollten stets dem Standard des Betriebs entsprechen. Wichtig sind auch Zugänge zu allen Kommunikationsmöglichkeiten und Datenbanken, um unabhängig vom Arbeitgeber auf notwendige Daten zugreifen zu können.

Innovationsdruck für den Betriebsrat

Betriebsratsmitglieder gehen nicht immer bei allen Neuerungen sofort begeistert mit. Oft sind sie mit dem Vorhandenen zufrieden und stellen ihre Arbeitsweise ungern um. Im Betriebsrat sollte deshalb ein Innovationsmanager ernannt werden, der für die laufende Modernisierung der Betriebsratsarbeit zuständig ist.

Der Arbeitgeber als Benchmark

Auch wenn der Betriebsrat natürlich andere Ziele verfolgt als der Arbeitgeber, sind viele Einzelprozesse doch sehr ähnlich oder gleich. Beispiele dafür sind die Notwendigkeit einer datenschutzrechtlich einwandfreien Dokumentation und Speicherung von Daten, die Abrechnung von Spesen und Reisekosten oder die Herstellung von betriebsinternen Medien zur Kommunikation mit den Arbeitnehmern und der Betriebsratsmitglieder untereinander. Bei jeder Fragestellung können Sie nach einem ähnlichen Prozess im Unternehmen suchen und dann nachfragen, wie dieser genau organisiert ist. Diese Prozesse lassen sich, gegebenenfalls mit leichten Anpassungen, oft einfach übernehmen.

Empfehlung der Redaktion

Sie fanden diesen Beitrag interessant und wollen mehr über die Organisation und Geschäftsführung des Betriebsrats lesen? Dann empfehlen wir Ihnen unser monatliches Fachmagazin Betriebsrat INTERN, aus dem dieser Artikel stammt.Betriebsrat INTERN

Autor: Martin Buttenmüller (ist Journalist und Chefredakteur des Fachmagazins Betriebsrat INTERN.)