19.10.2017

Mobile Arbeit – digitale Betriebsräte

Betriebsräte müssen heutzutage auch für Arbeitnehmer da sein, die unabhängig von Zeit und Ort arbeiten. Wie können sie sich da adäquat um alle kümmern? „Ohne digitale Kommunikation geht nichts mehr“ sagt Peter Lengler, Betriebsratsvorsitzender und Ausschusssprecher im Betriebsrat bei SAP Deutschland.

Betriebsversammlung online
Peter Lengler
Peter Lengler wurde vor über 25 Jahren das erste Mal in einen Betriebsrat gewählt. Er kennt noch die Zeiten, in denen überwiegend analog kommuniziert wurde. Heute ist er Betriebsratsvorsitzender und Ausschusssprecher im Betriebsrat der SAP Deutschland SE & Co. KG. Die Zeiten haben sich geändert, findet er: „Die digitale Kommunikation ist die Zukunft in der Betriebsratsarbeit, bei uns eigentlich schon die Gegenwart.“

Geschäftsführung Betriebsrat. Betriebsrat intern: Herr Lengler, mit welchen Themen beschäftigen Sie sich gerade?

Peter Lengler: Unsere Arbeitnehmer sind häufig unterwegs und arbeiten von verschiedenen Orten aus. Deshalb ging es bei uns in letzter Zeit um eine Betriebsvereinbarung zum mobilen Arbeiten.

Betriebsrat intern: Viele sehen hier die Gefahr der Entgrenzung von Arbeit.

Peter Lengler: Wir sehen es so, dass der Arbeitnehmer in der Lage sein muss, das selbst zu steuern. Denn die örtliche Entgrenzung liegt bei einem Berater in der Natur der Sache: Die Arbeitnehmer arbeiten während der Dienstreisen, sie nutzen Arbeitsplätze beim Kunden und schließlich arbeiten sie auch von Zuhause aus.

Betriebsrat intern: Sie sagen, dass Arbeitnehmer ihre Arbeit selbst steuern müssen. Wie kann man sich das vorstellen?

Peter Lengler: Die Arbeitnehmer sind „draußen“ und orientieren sich natürlich am Bedarf des Kunden. Gleichzeitig müssen sie sich auch selbst organisieren. Dazu gehört insbesondere, ihre Arbeitszeit so einzuteilen, dass sie nicht dauerhaft überlastet sind. Das Zauberwort heißt hier „Freizeitausgleich“: Kollegen können sich nach und auch vor herausfordernden Arbeitsphasen einen Ausgleich nehmen. So wird krankmachende Überlastung vermieden.

Betriebsrat intern: Das hört sich gut an, muss aber im betrieblichen Alltag auch gelebt werden.

Peter Lengler: Das ist richtig. Deshalb haben wir kürzlich die erwähnte Betriebsvereinbarung zum mobilen Arbeiten abgeschlossen. Diese Regelungen müssen natürlich kommuniziert werden, denn wenn sie bekannt sind, werden sie im Alltag auch von den Arbeitnehmern umgesetzt. Es sind mir derzeit keine Probleme in dieser Hinsicht bekannt, das mittlere Management zieht da gut mit.

Betriebsrat intern: Sie erwähnen das Thema Kommunikation. Das ist bei mobilen Arbeitnehmern vermutlich eine besondere Herausforderung?

Peter Lengler: Darauf kann es nur eine Antwort geben: Nicht nur die Kommunikation mit den Arbeitnehmern muss digitalisiert werden, sondern die gesamte Betriebsratsarbeit. Wir sind schon seit längerem dazu übergegangen, Betriebsversammlungen aufzunehmen und in unserem Betriebsratsportal digital zur Verfügung zu stellen. Kürzlich hatten wir sogar eine reine Online-Betriebsversammlung, an der sich die Kollegen mittels einer Chatfunktion beteiligen konnten.

Betriebsrat intern: Wird das angenommen?

Peter Lengler: Früher haben etwa 3 % der Arbeitnehmer, die wir vertreten, an einer Betriebsversammlung teilgenommen. Heute schauen sich mehr als die Hälfte den Mitschnitt der Betriebsversammlung an. Natürlich übermitteln wir auch immer noch Informationen über das klassische schwarze Brett. Aber die digitale Kommunikation ist die Zukunft der Betriebsratsarbeit – bei uns ist sie eigentlich schon die Gegenwart.

Betriebsrat intern: Das betrifft vermutlich auch die interne Betriebsratsarbeit?

Peter Lengler: Da so viele Kollegen mobil arbeiten, ist das für uns ein wichtiger Aspekt. Wir versuchen die tägliche Arbeit weitgehend digital abzuwickeln, zum Beispiel die Abstimmung von Themen und die Planung einer Betriebsratssitzung. Letztere darf zwar aus rechtlichen Gründen nicht dezentral und digital durchgeführt werden. Aber alles kann über das Portal sowie über E-Mail, Telefon- und Videokonferenzen gut vorbereitet werden. So können wir die Themen effizient abarbeiten. Auch der Informationsaustausch mit dem Arbeitgeber funktioniert digital.

Betriebsrat intern: Da bleibt nur noch die Frage: Wie nehmen die Arbeitnehmer den Betriebsrat wahr? Wie kann er ein Profil ausstrahlen?

Peter Lengler: Natürlich haben wir auch ein Betriebsratsprofil entwickelt und im Portal dargestellt, z.B. dass uns ein respektvoller Umgang untereinander, aber auch mit dem Arbeitgeber und den Arbeitnehmern wichtig ist. Grundsätzlich sind die Arbeitnehmer heute mit digitalen Medien aufgewachsen, ein digitales Profil wird also gut wahrgenommen.

Betriebsrat intern: Herr Lengler, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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Autor: Martin Buttenmüller (ist Journalist und Chefredakteur des Fachmagazins Betriebsrat INTERN.)