News | Mitbestimmung
25.08.2016

Mitbestimmungspreis für engagierte Betriebsratsarbeit

Videoüberwachung in den Filialen – geht gar nicht. Damit es nicht geht, muss jemand darüber wachen. Bei Annaberger Backwaren war dies in vorbildlicher Weise der Betriebsrat. Leiharbeit bei Solar World in Freiberg? Nur begrenzt, ebenfalls dank Betriebsrat. Der DGB zeichnete verdiente Betriebsräte aus.

Sächsischer Mitbestimmungspreis 2016© Robert Kneschke /​ fotolia.com

Verbesserungspotenzial in Sachsen

Mitbestimmung – in Sachsen offenbar immer noch mit einigem Verbesserungspotenzial. Um es auszuschöpfen, zeichnet der DGB Sachsen vorbildliche Betriebsräte und Personalräte mit dem „Sächsischen Mitbestimmungspreis 2016“ aus. Die Verleihung fand letzte Woche im „Alten Gasometer“ in Zwickau vor knapp 100 Betriebs- und Personalräten, Gewerkschaftern und Politikern statt.

Vier Preisträger

Für ihre engagierte Arbeit ausgezeichnet wurden vier Betriebsräte:

  • Platz 1: Der Betriebsrat der Annaberger Backwaren GmbH. Er verhinderte unter anderem die Videoüberwachung in den Filialen.
  • Platz 2: Der Betriebsrat der Solar World Industries Sachsen in Freiberg. Er schloss eine Betriebsvereinbarung zur Begrenzung der Leiharbeit im Unternehmen ab.

Zweimal Platz 3:

  • Der Konzernbetriebsrat der Leipziger Verkehrs- und Versorgungsgesellschaft mbH (LVV). Er verhinderte durch Verhandlungen die Auslagerung von Serviceleistungen in den Tochtergesellschaften.
  • Der Betriebsrat von Falke Strumpffabriken in Dorfchemnitz. Er setzte sich insbesondere für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Unternehmen ein.

Kampagne „Offensive Mitbestimmung“

Der DGB Sachsen und seine Mitgliedsgewerkschaften möchten mit dem Sächsischen Mitbestimmungspreis die engagierte Arbeit von Betriebs- und Personalräten, Jugend- und Auszubildendenvertretungen sowie Schwerbehindertenvertretungen würdigen. Die Ehrung mit dem sächsischen Mitbestimmungspreis ist Teil der bundesweiten Kampagne „Offensive Mitbestimmung“.

Zentrale Themen der Mitbestimmung

Mit dem Preis sollen Mitbestimmungsgremien ausgezeichnet werden, die sich für die Interessen der Beschäftigten einsetzen, insbesondere bei den Themen:

  • Gute Arbeit
  • die Einbeziehung von Leiharbeit in die betriebliche Mitbestimmung,
  • Chancengleichheit von Frauen und Männern, Projekte zur Vereinbarung von Familie und Beruf
  • Vorausschauende Personalplanung, die Herstellung alternsgerechter Arbeitsbedingungen und Aktivitäten gegen Fachkräftemangel.

Preis gegen Betriebsrätebusting

Darüber hinaus will man Betriebsräte auszeichnen, die sich gegen besondere Widerstände ihres Arbeitgebers bei der Gründung oder bei der Interessensvertretung, sogenanntes Betriebsrätebusting durchgesetzt haben.

Höbel: Ausbau der betrieblichen Mitbestimmung

Den Ausbau der betrieblichen Mitbestimmung fordert Olivier Höbel, Bezirksleiter des IG Metall Bezirkes Berlin-Brandenburg-Sachsen. Er hielt die Festansprache in Zwickau. In Betrieben und Verwaltungen mit praktizierter Mitbestimmung durch Betriebs- und Personalräte seien die Beschäftigten mit ihren Arbeitsbedingungen und Löhnen zufriedener.

Verhinderung von Mitbestimmung

Leider zeige die Praxis Versuche vieler Arbeitsgeber zur Verhinderung von Mitbestimmung. Sie setzten Betriebs- und Personalräte unter Druck. „Hier muss die Politik handeln“, so Höbel. Bestätigung erhielt er vom stellvertretenden Vorsitzenden des DGB Sachsen, Markus Schlimbach. Betriebliche Mitbestimmung müsse einfach zu einem guten Unternehmen dazu gehören. „Dazu muss in Sachsen ein Wandel einsetzen“, so Schlimbach.

Autor: Friedrich Oehlerking 

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